Junge Union Stinksauer auf "Mutti" Merkel


So deutlich hat ihr das noch keiner gesagt: Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union hielten erboste Mitglieder "Angry"-Schilder hoch - weil Merkel nicht gekommen war. Und weil ihnen die schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen zu lasch sind.

Im stern.de-Interview hatte Philipp Mißfelder, Chef der Jungen Union (JU), klare Kante gezogen. Auf die Frage, ob sein Verband marktliberaler als die CDU sei, sagte er: "Ja, das kann ich sofort unterschreiben". Das hätten er und die JU-Mitglieder ihrer Kanzlerin Angela Merkel gerne auch persönlich gesagt. Doch Merkel sagte kurzfristig ihre Teilnahme am Deutschlandtag der JU in Münster an diesem Wochenende ab. Der Grund: die Koalitionsverhandlungen in Berlin.

Die Folge: Statt "Angie"-Schildern hielten JU-Mitglieder "Angry"-Schilder in die Kamera. Und sie skandierten "Helmut, Helmut" - in Erinnerung an Helmut Kohl, der sich ihrer Meinung nach intensiver um den CDU-Nachwuchs gekümmert hat. Im Social.-Network Facebook rief ein JU-Mitglied sogar eine Aufstand gegen Mutti-Gruppe ins Leben ("Mutti" ist Merkels Spitzname). In dem Aufruf zum Beitritt heißt es: "Wir als Junge Union sind mehr als der 'Jubelverein', ein Heer günstiger Wahlkampfhelfer. Wir verstehen uns als 'Motor und Gewissen der CDU'. Und deshalb können wir es auch nicht einfach unkommentiert lassen, wenn die Bundesvorsitzende dem Dialog mit uns aus dem Weg geht."

Münsteraner Erklärung

Die Vermutung in den Reihen der JU ist, dass Merkel die vorbereitete Münsteraner Erklärung zu scharf fand - und deshalb ihre Teilnahme absagte. In dieser Erklärung fordert die JU viel, was die FDP auch fordert - was aber von der CDU in den Koalitionsverhandlungen blockiert wird. Dazu gehört zum Beispiel ein Steuersystem mit drei einheitlichen Tarifen, eine konsequente Entschuldung des Bundeshaushaltes, eine Umwandlung der gesetzlichen Krankenversicherung in private Krankenversicherungen, eine generelle Verschlankung des Staates und vieles mehr.

Doch Merkel kam ebensowenig wie CSU-Chef Horst Seehofer. Reden hielten nur Unionisten aus der zweiten Reihe: Hamburgs Regierungschef Ole von Beust und der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Er sagte auf dem Deutschlandtag, die CDU müsse sich wieder stärker von der FDP abgrenzen und das konservative Profil stärken. Dies ließ sich auch als indirekte Kritik an Merkel lesen, die vielen in der Union zu "sozialdemokratisch" vorkommt. Ole von Beust sprach sich für eine konsequente Umsetzung der Schuldenbremse aus - im Sinne der Generationengerechtigkeit. Beide wurden dafür auf dem Deutschlandtag frenetisch gefeiert.

Analyse der Wahlergebnisse gefordert

Wie schlecht die JU derzeit auf Merkel zu sprechen ist, zeigte sich auch bei der Abstimmung über einen Antrag, der die "unverzügliche" Einberufung eines CDU-Bundesparteitags fordert - auf dem geklärt werden soll, warum die CDU bei den Bundestagswahlen so schlecht abgeschnitten hat. Merkel hat zwar angekündigt, dass sie sich - im Gegensatz zu 2005 - diesmal einer Analyse stellen will, doch dass sie das vor der breiten Öffentlichkeit eines Bundesparteitags tun wird, gilt als höchst unwahrscheinlich. Gleichwohl verabschiedete die Union den Initiativantrag mit großer Mehrheit.

dpa/ap

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