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Kabinett: Merz macht mobil

Kommt Edmund Stoiber nicht nach Berlin, gilt Friedrich Merz als heißer Anwärter auf den Posten des Finanzministers. Er schließt Frieden mit Angela Merkel - und sie hält sich bereit für den Versöhnungscoup.

Automobilistisch bewegt sich Friedrich Merz unauffällig durch Berlin: in einem Mini Cooper, was bei seinen 198 Zentimetern Lebendlänge Beweglichkeit bedingt. "Keine Bange", sagt der Mann doppeldeutig, der als Anwalt für den britischen Hedge-Fonds TCI viel Geld verdient, "ich habe ganz bestimmt Kopffreiheit." Er ist zurück, nachdem er Angela Merkel 2004 den Bettel hinwarf. Es war ein Fanal, als er Edmund Stoiber jüngst bei "Sabine Christiansen" aufforderte, endlich seine eigenen Pläne offenzulegen.

"Der Bierdeckel, er kommt wieder!"

Seither macht Merz mobil. Beim CDU-Wirtschaftsrat brilliert er mit Vorschlägen zur Reform des Steuersystems und zeigt sich überzeugt, dass seine Zeit nicht vorüber ist: "Der Bierdeckel, er kommt wieder!" Schon vor zwei Monaten haben Merkel und ihr Generalsekretär Volker Kauder die Besetzung des Finanzministers diskutiert. Die Kandidatin hätte am liebsten Roland Koch auf dem Posten gesehen - so wäre der ehrgeizige Hesse eingebunden. Doch der plädierte für Merz. Also waren sich Merkel und Kauder schnell einig: Merz wäre möglich und erwünscht.

Mit Wohlgefallen hat Kauder registriert, dass Merz nicht mehr gegen Merkel giftet, nicht mal in vertraulichen Gesprächen. "Sie hätte die Kraft, ihn als Partner zu akzeptieren", sagt ein CDU-Präside. Aber nur, wenn Stoiber nicht wolle, und nur als Finanzminister. Ein Superministerium aus Finanzen und Wirtschaft sei nur für Stoiber sinnvoll, der das Gefühl gleicher Augenhöhe brauche. "Merz würde den Finanzminister machen", da sind sich alle sicher, die ihm nahestehen, etwa der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger. Merkel hält sich den Versöhnungscoup demonstrativ offen. "Wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln", antwortet sie sanft auf die Frage, ob sie sich einen Finanzminister Merz vorstellen könne.

Hans Peter Schütz / print