Seit Tagen wird im politischen Berlin über einen möglichen Kanzlerwechsel spekuliert. Unter anderem löste der stern die Debatte aus. Denn die Zustimmung zur Regierungsarbeit von Amtsinhaber Friedrich Merz (CDU) ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Von Woche zu Woche rauscht er bei Umfragen in der Gunst der Wähler und Wählerinnen tiefer. Bei den Gerüchten um einen möglichen Wechsel fällt immer wieder der Name von Hendrik Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des stern und RTL glauben 41 Prozent der Deutschen, dass es der Union helfen würde, wenn Friedrich Merz das Amt des Bundeskanzlers aufgeben und jemand anderes aus der Union Bundeskanzler oder -kanzlerin werden würde. 53 Prozent glauben das nicht. Sechs Prozent antworteten mit „weiß nicht“.
Von den Anhängern der CDU/CSU glauben 42 Prozent, dass ihre Partei mit einem anderen Kanzler aus ihren Reihen größere Chancen auf bessere Zustimmungswerte bei den Wählern hätte als mit Merz. 56 Prozent sind dagegen skeptisch. Auch von den Anhängern der übrigen Parteien hält es die Mehrheit nicht für wahrscheinlich, dass ein anderer Kandidat oder eine andere Kandidatin die Union in der Wählergunst steigen lassen könnte. Optimistischer sind bei einem Kanzlertausch nur die Anhänger der Linken.
Was steht in der Verfassung zu einem Kanzlerwechsel?
Ein Kanzlerwechsel mitten in der Legislaturperiode ist zwar grundsätzlich möglich, doch das Grundgesetz stellt hohe Hürden. Friedrich Merz könnte durch seinen Rücktritt den Weg für die Wahl eines anderen frei machen oder durch ein konstruktives Misstrauensvotum des Bundestags ausscheiden. Diese Szenarien gelten aber derzeit als ebenso unwahrscheinlich wie Neuwahlen. Und aus dem Umfeld von Bundeskanzler Friedrich Merz werden die Gerüchte um einen möglichen Wechsel als „wüste Spekulation“ zurückgewiesen.
Nach dem Bruch der schwarz-gelben Koalition trat Ludwig Erhard im November 1966 wegen einer Wirtschaftskrise zurück und wurde von Kurt Georg Kiesinger (beide CDU) abgelöst. Kiesinger wurde daraufhin der erste Kanzler einer Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD mit Willy Brandt (SPD) als Außenminister und Vizekanzler.