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Klarsfeld, Butterwegge oder Jochimsen Linke kann sich nicht auf Gauck-Herausforderer einigen


Die Linke kann sich nicht entscheiden: Soll eine berühmte Nazi-Jägerin gegen Gauck antreten, ein Politik-Professor oder doch die Kandidatin vom letzten Mal? Die Parteiführung hat die Entscheidung auf Montag verschoben.

Eigentlich sah alles ganz einfach aus: Parteichefin Gesine Lötzsch hatte die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld am Sonntag als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt ins Gespräch gebracht. Die meldete sich prompt telefonisch bei ihr und erklärte ihre Bereitschaft, am 18. März gegen Joachim Gauck anzutreten. Eine weltberühmte Antifaschistin, die 1968 Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wegen seiner NS-Vergangenheit geohrfeigt hatte und über die bereits zwei Filme gedreht worden sind - das hörte sich doch gar nicht so schlecht an.

So einfach geht das bei der Linken aber nicht. Die Partei ist sich bislang lediglich in einem Punkt einig: In der Ablehnung des Konsens-Kandidaten der anderen im Bundestag vertretenen Parteien. Die Linke hatte Gauck schon bei der letzten Bundespräsidentenwahl abgelehnt. Dem 72-jährigen wird soziale Kälte, angebliche Sympathie für die Thesen Thilo Sarrazins zur Integrationspolitik und Unterstützung des Afghanistan-Einsatzes vorgeworfen.

Wie man sich am besten gegen Gauck abgrenzt, ist in der Partei allerdings höchst umstritten. Denn bei der Bundespräsidentenwahl können die Abstimmenden im Falle mehrerer Kandidaten - etwa, wenn die Piratenpartei oder die NPD noch jemanden vorschlagen sollte - nur für einen der Bewerber stimmen oder mit Enthaltung, Nein-Stimmen gibt es nicht. Eine Enthaltung reicht vielen bei den Linken aber nicht aus. Also begann die Suche nach einem eigenen Kandidaten.

Christoph Butterwege als möglicher Kandidat

Dass sich die zunächst auf Klarsfeld konzentrierte, ging vielen Linken gegen den Strich. Die resolute Deutsch-Französin gab am Donnerstag kurz vor einem Treffen der Parteiführung mehrere Interviews, in der sie eine mögliche Nominierung als große Ehre und Würdigung ihrer Arbeit bezeichnete. Zugleich bekundete sie, dass sie sich als Kandidatin nicht an die Parteilinie der Linken gebunden fühlen würde und wies auf Differenzen in einem sensiblen Politikfeld hin: "Meine Solidarität mit Israel wird in manchen Parteikreisen kritisch gesehen. Ich bekomme unfreundliche E-Mails", sagte Klarsfeld "Zeit Online".

Mit solchen Äußerungen stiegen die Chancen des Kölner Politikwissenschaftlers Christoph Butterwegge. Er gilt als scharfer Hartz-IV-Kritiker, der zudem bis 2005 SPD-Mitglied war. So könnten möglicherweise auch bei einigen Sozialdemokraten in der Bundesversammlung noch Stimmen ergattert werden.

Auch die Kandidatin der letzten Bundestagswahl, Luc Jochimsen, ist noch im Gespräch. Ihr werden aber kaum Chancen eingeräumt, tatsächlich nominiert zu werden. Sie selbst schlug auch einen Boykott der Bundesversammlung aus Protest gegen den Ausschluss der Linken von der Suche nach einem Konsens-Kandidaten vor. Die Parteispitze will am Wochenende weitere Gespräche führen. Die Entscheidung soll nun am Montag fallen.

Michael Fischer, DPA DPA

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