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Kofferbomber: NPD suchte Nähe zu Islamistengruppe

Eine düstere Verbindung: Die NPD unterhielt Kontakte zur Islamistengruppe Hisb ut-Tahrir, die von den Ermittlern mit den versuchten Bombenanschlägen auf die Bahn in Verbindung gebracht wird.

Der Feind meiner Feinde ist mein Freund - unter diesem Motto scheinen sich die NPD und die Islamisten der Hisb ut-Tahrir näher gekommen zu sein. Nach Recherchen von NDR und tagesschau.de gab es vielfältige Verbindungen zwischen den sonst so unterschiedlichen Gegnern Israels und der USA: So habe NPD-Chef Udo Voigt im Oktober 2002 auf einer Veranstaltung der Hisb ut-Tahrir in Berlin gesprochen.

Voigt sagte dagegen dem NDR, er sei "nur zufällig" auf dem Treffen gewesen. Das Verbot der Islamistengruppe im Januar 2003 wurde dennoch von der NPD scharf kritisiert. Ihr Funktionär Holger Apfel schrieb im Parteiorgan "Deutsche Stimme", das Verbot sei "ein Ergebenheitsgruß an die USA und Israel". Für das Blatt interviewte Apfel den Hisb ut-Tahrir-Repräsentanten Shaker Assem, der nach den NDR-Recherchen auch auf einer NPD-Veranstaltungen gegen die US-Politik im Nahen Osten gesprochen hat.

Die beiden mutmaßlichen Zugattentäter sollen Kontakt zur Hisb ut-Tahrir gehabt haben, der "Partei der islamischen Befreiung". Die mittlerweile in Deutschland verbotene Organisation wurde 1953 in Ost-Jerusalem gegründet. Zu den erklärten Zielen der Hisb ut-Tahrir gehört laut Verfassungsschutz die Auslöschung des Staates Israel, die "Befreiung der muslimischen Welt von westlichen Einflüssen". Die Gruppe soll mehrere tausend Aktivisten im Nahen Osten und der Türkei haben.

sts/ap / AP