HOME

KOKAIN-GERÜCHTE: Weißes Pulver auf der Wahlparty?

Hamburgs Innensenator ist angesichts der Kokain-Gerüchte zu einem Haartest bereit. Ein anonymer Zeuge will Ronald Schill beim Konsum von »weißem Pulver« beobachtet haben. Jetzt ermittelt auch der Staatsanwalt.

Hamburgs Innensenator Ronald Schill hat neue Behauptungen im Zusammenhang mit seinem angeblichem Kokain-Konsum als »skurril« zurückgewiesen. »Das sind Vorwürfe einer anonymen Dreckschleuder«, sagte Schill am Freitag nach einem Gespräch mit Bürgermeister Ole von Beust (CDU) im Rathaus zu Anschuldigungen eines anonymen Zeugen in der TV-Sendung »Panorama«.

Gleichzeitig kündigte der Senator an, mit einem Haartest zu beweisen, dass er kein Kokain-Konsument sei. Schill erklärte im Gespräch mit der »Bild«-Zeitung, er sehe sich »genötigt«, sich dem Verfahren zu unterziehen, um alle Gerüchte endgültig auszuräumen. Darüber hinaus kündigte Schill an, Strafanzeige wegen Verleumdung und falscher Versicherung an Eides Statt gegen Unbekannt zu erstatten.

Von Beust begrüßt Entscheidung

Bürgermeister Ole von Beust (CDU) begrüßte die Entscheidung Schills, »alle rechtlichen Schritte«im Zusammenhang mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen einzuleiten. »Ich gehe davon aus, dass der NDR der Bitte nachkommen wird, den Namen der Person zu nennen«, die Schill in der TV-Sendung beschuldigt hatte. »Herrn Schill soll damit die Gelegenheit gegeben werden, die Vorwürfe aus der Welt zu räumen«, sagte von Beust.

In dem Panorama-Beitrag hatte ein Mann am Donnerstagabend behauptet, er habe bei der Wahlparty der Schill-Partei am 23. September 2001 gesehen, wie Schill weißes Pulver mit einem Finger auf das Zahnfleisch gerieben habe. Eine laut »Panorama«für Kokain- Konsumenten übliche Praxis. »Ich kann das zwar nicht belegen, aber ich gehe davon aus, dass der Mann dafür Geld bekommen hat. Panorama hat ihn bezahlt von unseren Gebührengeldern«, erklärte Schill.

»So eine Dose existiert nicht«

Mit Nachdruck wies er die Behauptung des »Zeugen«zurück, er habe auf der Wahlparty Kokain genommen. »Niemand soll glauben, ich hätte inmitten von 800 Leuten nichts besseres zu tun, als unter den Augen von 20 Kamerateams, zahlreicher Journalisten und meiner Parteifreunde eine Dose mit Kokain herauszuholen«, betonte Schill. »So eine Dose existiert nicht«. Seine »Partei Rechtsstaatlicher Offensive«sprach von einer »seit Wochen andauernden infamen Diffamierungskampagne«.

Unterdessen prüft die Hamburger Staatsanwaltschaft die jüngsten Kokain-Vorwürfe. »Es handelt sich im Rahmen von Vorermittlungen um einen Prüfvorgang«, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Marion Zippel am Freitag der dpa. Die Staatsanwaltschaft habe beim NDR- Magazin »Panorama«sowie bei der »Hamburger Morgenpost«um eine Übersendung der Unterlagen gebeten, in denen es um die Kokainvorwürfe gegen den Senator gehe.

»Wir hatten Schweinebraten, aber kein Kokain«

Der Vize-Chef der Schill-Partei, Dirk Nockemann, meinte, es könne doch niemand wirklich glauben, »dass Schill auf der offenen Bühne einer Wahlparty illegale Drogen genommen hat«. Diese Vorstellung könne nur »der dunklen Fantasie eines Panoramaredakteurs entspringen«. Auch der Fraktionschef der Schill-Partei in der Bürgerschaft, Norbert Frühauf, sprach von einer »Kampagne«. Zum angeblichen Kokainkonsum Schills am 23. September sagte Frühauf: »Ich habe keine Dose gesehen. Wir hatten Schweinebraten, Bratkartoffeln und Bier, aber kein Kokain«.

Die SPD-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft warnte vor »vorschnellen Schlüssen«. Es gelte weiterhin die Unschuldsvermutung, betonte SPD-Fraktionschef Uwe Grund. Es sei aber gut, dass sich Schill einem Haartest unterziehen wolle will und »dass die Zeugenaussagen rechtlich auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft werden«.