Kommentar Der Party-Prinz träumt vom Thron


Klaus Wowereits Autobiografie ist keine Eskapade eines Berliner Polit-Clowns, sondern ein Manöver im Spiel um die Macht im Bund. Hatte der Aufstieg des feisten Pfälzers Beck zum SPD-Chef Wowereits Karrierepläne zunächst gestoppt, ist er sich jetzt sicher: Nach 2009 ist Beck weg. Dann wird man ihn rufen.
Von Hans Peter Schütz

Es soll ja in der SPD immer noch träumende Genossen geben, die Klaus Wowereit für einen ganz schlimmen Bruder Leichtfuß halten. Einen, der am liebsten Schampus aus Stöckelschuhen schlürft, die nettesten Mädchen rund um den Gendarmenmarkt busselt, sofern gerade ein paar Fotografen zur Hand sind, und äußerst ungern seinen Amtsgeschäften als Regierender Bürgermeister von Berlin im Roten Rathaus nachgeht. Kurzum ein selbstverliebter Faun, der irgendwie nicht ins männertümelnde Polit-Geschäft der Republik, vor allem der SPD, zu passen scheint. Fugenlos ins Bild, an dem "Wowi" seit seinem Bekenntnis zur Gleichgeschlechtlichkeit ("Und das ist auch gut so") emsig gebastelt hat, scheint jetzt auch zu gehören, dass er bereits im eher zarten Alter von 53 Jahren eine Autobiografie vorlegt.

Beck und Wowi mögen sich einfach nicht

Doch Vorsicht! Hinter dem Buch mit dem Untertitel "Mein Leben für die Politik" steckt einiges mehr. Kein Zufall, dass es mit Hajo Schumacher ein Journalist für Wowereit aufgeschrieben hat, der lange Zeit für den "Spiegel" Politik in Berlin beschrieben hat. Die Biografie soll Wowereit auf dem geplanten weiteren Aufstieg in der Politik dienen. Länger schon reicht sein politischer Ehrgeiz über den Schuldenabbau in Berlin hinaus. Noch im vergangenen Jahr rechnete er fest damit, auch bundespolitisch in der SPD weiter aufzusteigen.

In zahlreichen Interviews versuchte Wowereit sich als ernsthafter Bundespolitiker zu profilieren. Die Übernahme des SPD-Vorsitzes durch Kurt Beck machte einen unerwarteten dicken Strich durch dieses Kalkül. Für den ist Wowereit nicht nur aus persönlichen Gründen ein rotes Tuch. Die beiden mögen sich einfach nicht. Dass der Genosse in Berlin auch noch eine Koalition mit der Linkspartei eingegangen ist, hat Beck ihm überdies extrem übel genommen.

Planungen für die Zeit nach Beck

Aus war es mit dem von Wowereit erhofften Aufstieg auf einen der Plätze eines stellvertretenden SPD-Vorsitzenden. Unverändert aber spekuliert Wowereit auf eine bundespolitische Karriere. Natürlich würde er selbst unter Folter niemals sagen, dass er Beck für den geborenen Verlierer bei der Bundestagswahl 2009 hält. Aber mit aller Energie plant er, wie so viele in der SPD, etwa der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, längst für die Zeit nach Beck.

Kein Zufall, dass in seiner Biografie längere politisch-inhaltliche Fragen eingebaut sind, etwa zum Problem der Integration der Immigranten und zur Bildungspolitik, die den gesellschaftlichen Aufstieg aus sozial schwächeren Schichten wieder leichter möglich machen soll. Und nach 2009 gehörte Wowereit zu den noch wenigen Spitzengenossen, die in der Linkspartei keineswegs Vertreter des Leibhaftigen höchst selbst sehen, sondern eine Partei in einer wieder stärker nach links gewendeten Republik, mit der sich sehr wohl politische Bündnisse schließen lassen. Wie er in Berlin.


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