Kommentar Deutschland verschleudert die Talente


In Sachen Bildung muss Deutschland weiter nachsitzen. Das belegt der neue OECD-Bildungsbericht eindrucksvoll. Der Staat gibt verhältnismäßig wenig für die Schulung seiner Bürger aus, an Spitzenkräften fehlt es an allen Ecken und Enden - und ungerecht ist das System ohnehin.
Von Catrin Boldebuck

Bildung lohnt sich: Wer studiert, verdient mehr Geld und wird seltener arbeitslos - auch mit zunehmenden Alter. Das ist nicht neu. Aber es wurde heute vom neuen OECD-Bildungsbericht mit neuen Zahlen eindrucksvoll belegt.

Während die Zahl der Studenten weltweit steigt, geht sie in Deutschland zurück. Zu den angepeilten 40 Prozent pro Jahrgang fehlen in diesem Jahr 4,5 Prozent. Niedrigere Studienquoten finden sich nur noch in Belgien, Mexiko und der Türkei.

Bildung ist in Deutschland zunehmend Privatsache

Auch beim Geld geht die Schere auseinander: Die meisten OECD-Staaten geben für Bildung immer mehr aus, in Deutschland sinken die Investitionen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dafür bezahlen die Deutschen besonders viel aus privater Tasche für Bildung im Kindergarten und in der Schule. Die Folgen sind fatal: Schon jetzt droht ein Mangel an Fachkräften. Vor allem Ingenieure fehlen. In Zukunft können noch nicht mal die ersetzt werden, die in Rente gehen. Dabei bräuchte Deutschland mehr Ingenieure, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. An dem Nachwuchsmangel werden die paar tausend Studienplätze mehr, die der Hochschulpakt jetzt verspricht, nicht so schnell etwas ändern.

Investiert in Grundschüler!

Deutschland verschleudert die Talente seiner Kinder. Nach wie vor wird zu viel Geld für Schüler in der Oberstufe am Gymnasium und zu wenig für Grundschüler ausgegeben. Anders herum wäre es sinnvoller. Viel zu früh wird sortiert: Bereits im Alter von zehn Jahren, wird über die schulische und damit die berufliche Laufbahn eines Kindes entschieden. Je gebildeter das Elternhaus, desto besser stehen die Chancen Abitur zu machen und auf die Uni zu gehen. Kinder aus Migranten-Familien haben dabei ganz schlechte Karten. Gerecht ist das nicht.

Auch das ist alles nicht neu. Aber grundsätzliche Reformen werden durch den Föderalismus behindert. Im Herbst werden mit IGLU und Pisa zwei weitere internationale Bildungsstudien veröffentlich. Dann wird es leider wieder heißen: Deutschland macht seine Hausaufgaben nicht.


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