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Bundestagswahl Kritik an Laschet nimmt zu – aber er hält an Regierungssondierung fest

Armin Laschet mit geschlossenen Augen vor Logo
Am Tag nach der Wahlniederlage scheint der Rückhalt für Kanzlerkandidat Armin Laschet in seiner eigenen Partei zu schwinden.
© Maja Hitij / Getty Images
Obwohl CDU/CSU bei der Bundestagswahl nur auf Platz zwei gelandet sind, will Spitzenkandidat Armin Laschet weiterhin mit möglichen Partnern über eine Regierungskoalition verhandeln. Innerparteilich nimmt der Druck auf ihn zu.  

Unionskanzlerkandidat Armin Laschet strebt trotz der drastischen Einbußen bei der Bundestagswahl weiterhin Sondierungen mit FDP und Grünen über die Bildung einer neuen Regierung an. Vorstand und Präsidium der CDU seien sich einig, "dass wir zu Gesprächen für eine sogenannte Jamaika-Koalition bereitstehen", sagte der CDU-Chef nach den Beratungen.

Kein Regierungsauftrag für niemanden?

Aus dem Wahlergebnis könne keine Partei für sich einen Regierungsauftrag ableiten - die Union nicht, die SPD aber auch nicht. Kanzler werde derjenige, der eine Mehrheit im Bundestag hinter sich habe. Dies sei ein Moment, in dem Volksparteien mit dem Anspruch von Wahlergebnissen um die 30 Prozent mit Demut vor den Wähler treten müssten. "Olaf Scholz und ich sind, finde ich, zur gleichen Demut aufgerufen." Auch mit 25 Prozent habe man nicht den Anspruch: "Ich bin der nächste Kanzler, und jetzt müssen wir mal gerade gucken, wie wir die anderen mit dazu kriegen."

Die Union hatte bei der Wahl ein Debakel erlitten, sie stürzte von 32,9 Prozent auf den historischen Tiefpunkt von 24,1 Prozent ab. Die SPD verbesserte sich von 20,5 Prozent auf 25,7 Prozent und wurde damit stärkste Kraft.

Laschet sagte, ein Jamaika-Bündnis könne zu einer "gesellschaftlichen Breite" beitragen. Deutschland müsse modernisiert werden und brauche eine "Koalition für mehr Nachhaltigkeit". Mit der FDP teile die Union etwa das Anliegen wirtschaftlichen Wachstums, mit den Grünen das Engagement für den Wandel zu einem klimaneutralen Industrieland.

Kririk auch an Laschet nimmt zu

Seiner kämpferischen Haltung zum Trotz stößt der erfolglose Wahlkampf auf immer größere Kritik innerhalb der Union. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak kündigte eine "schonungslose Analyse" an. Es gebe keinen Grund, irgendetwas schönzureden, sagte Ziemiak. "Die Verluste sind bitter und sie tun weh."

Auch Ex-EU-Kommissar und CDU-Mann Günther Oettinger hat seine eigene Partei deutlich kritisiert. Der Union habe ein klares Profil gefehlt, sagte er. "Der Wähler war sich nicht im Klaren, welche Gründe es gibt, CDU/CSU zu wählen", sagte Baden-Württembergs früherer Ministerpräsident. "Der Wahlkampf war zu beliebig."

Die CDU-Trier fordert nach dem Absturz einen Bundesparteitag noch in diesem Jahr. "Angesichts des historisch schlechten Abschneidens der CDU bei der vergangenen Bundestagswahl muss sich der Bundesvorstand bezüglich seiner Zusammensetzung und den zuletzt getroffenen Entscheidungen hinterfragen", teilte der Kreisverband mit. Auch die Abgeordneten vor Ort seien von diesen Entscheidungen negativ getroffen worden.

Röttgen: "So kann es nicht bleiben"

Zuvor hatte bereits Sachsens christdemokratischer Ministerpräsident Michael Kretschmer von einem "Erdbeben" gesprochen und gesagt, dass sich ihm die Haltung von einem Regierungsauftrag nicht erschließe. Diese Linie liege genau auf dem Kurs, der zum Absturz der Union geführt habe.

Auch CDU-Präsidiumsmitglied Norbert Röttgen und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn forderten personelle Konsequenzen: "So, wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben“, sagte Röttgen und Spahn meinte, es gelte, die CDU "im nächsten Jahrzehnt zu alter Stärke“ zurückzuführen. "Die Leute dafür haben wir. Wir müssen sie jetzt in Verantwortung bringen."

nik/DPA

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