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Mecklenburg-Vorpommern Kritik an Manuela Schwesig: Ministerpräsidentin schickt Kind auf Privatschule

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, schickt ihr Kind auf eine Privatschule
Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, schickt ihr Kind auf eine Privatschule - und steht dafür in der Kritik
© Odd Andersen/AFP
Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, schickt ihr Kind auf eine Privatschule. Kritiker werfen der SPD-Politikerin vor, sie selbst habe kein Vertrauen ins staatliche Schulsystem, das sie mitverantwortet.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) steht wegen der Entscheidung, ihr älteres Kind zum Schuljahresbeginn auf eine Privatschule zu schicken, in der Kritik.

Nach Ansicht der Links-Opposition im Landtag offenbart der Schritt die Mängel und Lücken im staatlichen Schulsystem. Über Jahre hinweg seien öffentliche Schulen in Mecklenburg-Vorpommern kaputt gespart und Schulleitungen ans Gängelband gelegt worden. Wenn Schwesig nun ihr Kind auf eine Privatschule schicke, drücke dies auch mangelndes Vertrauen in das von ihr als Regierungschefin maßgeblich verantwortete staatliche System aus, sagte Linksfraktionschefin Simone Oldenburg.

Manuela Schwesig ist seit Anfang Juli dieses Jahres Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Sie trat die Nachfolge von Erwin Sellering an, der aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Zuvor war Schwesig dreieinhalb Jahre lang Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Schwesigs Kind besucht Privatschule - für 200 Euro im Monat

Schwesig hatte im NDR, der zuvor über den Fall berichtet hatte, den Schulwechsel mit der Nähe zur Wohnung der Familie und dem damit kurzen Schulweg begründet. Die Schule in freier Trägerschaft liegt am Rande der Innenstadt. Das Schulgeld dort beträgt monatlich 200 Euro, kann laut Schulleitung aber für Kinder aus sozial schwachen Familien ermäßigt werden.

"Frau Schwesig kennt aus ihrer Tätigkeit alle Schulen in Schwerin und schätzt die dort geleistete Arbeit sehr, und zwar unabhängig davon, ob sich diese in staatlicher oder in freier Trägerschaft befinden", sagte Regierungssprecher Andreas Timm. Die Frage, auf welche Schule das eigene Kind geht, sei eine persönliche Entscheidung. Schwesigs Sohn habe bislang eine staatliche Grundschule besucht, die einzige weiterführende Schule im Wohngebiet der Familie sei aber die Schule in freier Trägerschaft.

Manuela Schwesig - kein Vertrauen in die öffentlichen Schulen?

Kritik an Schwesig kam auch von der Schulleitungsvereinigung des Landes. Deren Vorsitzende Heike Walter sagte, es stelle sich die Frage, ob die Ministerpräsidentin doch nicht das Vertrauen in die öffentlichen Schulen habe. Schwesigs Entscheidung habe einen "bitteren Beigeschmack", zitierte der NDR Walter.

In Mecklenburg-Vorpommern hat sich der Anteil der Schüler an Privatschulen in den zurückliegenden zehn Jahren auf etwa elf Prozent verdreifacht. Nur in Bayern liegt der Anteil noch höher.

pg DPA

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