HOME

Merkel beim "Zukunftsdialog" in Erfurt: Horch, was kommt vom Volk herein!

90 Minuten für 100 Thüringer und die Zukunft Deutschlands: Beim ersten Treffen des Projekts "Zukunftsdialog" gibt sich die Kanzlerin als Protokollantin der Bürgerwünsche.

Von Kinderbetreuung bis zum Kampf gegen Rechtsextremismus: Bei der ersten von drei Bürgerversammlungen mit Angela Merkel (CDU) haben die Teilnehmer einen thematischen Rundumschlag absolviert. Rund 100 Bürger sprachen am Mittwoch in Erfurt mit der Kanzlerin über Deutschlands Zukunft.

"Ich bin heute hier, um auf Sie zu hören", sagte Merkel zu Beginn der Veranstaltung - und hielt sich mit Bewertungen der vorgetragenen Vorschläge zurück. "Wir nehmen das auf", versprach sie immer wieder. Erklärtes Ziel des sogenannten Zukunftsdialogs ist es, über die Alltagspolitik hinauszudenken.

Im schnellen Wechsel brachten die Teilnehmer der 90-minütigen Veranstaltung im historischen Kaisersaal ihre Ideen vor. Auch kontroverse Vorschläge waren darunter: Ein Mann forderte ein bedingungsloses Grundeinkommen, eine Schülerin ein bundesweit einheitliches Bildungssystem. "Kann man das Ehrenamt bei der Rentenberechnung berücksichtigen?", fragte eine Frau.

Wie wollen wir zusammenleben?

Das Gespräch nach dem Vorbild amerikanischer "town hall meetings" stand unter der Leitfrage "Wie wollen wir zusammenleben?". Moderator Tilman Schöberl strukturierte die Diskussion grob unter den Schlagwörtern Identität, Sicherheit und Generationen - letztlich liefen die Beiträge aber querbeet. "Ich glaube, gelangweilt haben wir uns alle nicht", kommentierte Merkel am Ende schmunzelnd.

Auch die Probleme von Migranten spielten eine Rolle. Ein aus Angola stammender Erfurter klagte, er vermisse Wertschätzung und Anerkennung: "Es gibt noch zu viel Diskriminierung." "Ich nehme das auch mit, dass wir da für Toleranz mehr tun müssen", sagte Merkel.

Zwei weitere Meetings geplant

Im März sind weitere Bürgerversammlungen in Heidelberg und Bielefeld geplant. Dort stehen dann die Fragen "Wovon sollen wir leben?" und "Wie wollen wir lernen?" im Mittelpunkt. Schon seit Anfang Februar können Bürger Vorschläge auf der Internetseite des "Zukunftdialogs" platzieren und Ideen anderer bewerten. Tausende Anregungen gingen bereits ein. Außerdem diskutieren 18 Expertengruppen über drängende Zukunftsfragen.

Merkel hatte zum Start des Bürgerdialogs gesagt, sie hoffe auf konkret umsetzbare Vorschläge. Das Kanzleramt spricht von einer Form der Bürgerbeteiligung, "wie sie in Deutschland zuvor noch nicht stattgefunden hat". Den Vorwurf von Medien, in Wahrheit handele es sich bei der Kampagne um Vorwahlkampf, wies Merkel zurück.

kng/DPA / DPA