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Mecklenburg-Vorpommern Wie Merkel in ihrem eigenen Wahlkreis viele Stimmen an die AfD verlor

Angela Merkel hat ihren Wahlkreis zwar erneut gewonnen, aber deutliche Verluste hingenommen
Angela Merkel hat ihren Wahlkreis zwar erneut gewonnen, aber deutliche Verluste hingenommen
© Boris Roessler/DPA
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in ihrem Wahlkreis die AfD auf Abstand gehalten. Dennoch ist der Aderlass groß. Merkel verliert gegenüber der letzten Bundestagswahl rund 12 Prozent der Erststimmen.

Die Wahlkampf-Schilder blieben unten, der befreiende Jubel blieb aus: Als um 18 Uhr die erste Prognose über den TV-Bildschirm ging, war die Freude über den Wahlsieg auf der CDU-Party im Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel begrenzt. Den etwa 100 CDU-Wahlkämpfern und Sympathisanten, die sich zur Feier in der Stralsunder Gaststätte Kron-Lastadie trafen, ist die Ratlosigkeit und Enttäuschung über das historisch schlechte Wahlergebnis ins Gesicht geschrieben. "Dabei haben wir so viel Power in den Wahlkampf gesteckt", gibt sich das langjährige CDU-Mitglied Holger Schmidt aus Ribnitz-Damgarten enttäuscht.

Der ansonsten selten um Worte verlegene CDU-Kreisvorsitzende und Wirtschaftsminister Harry Glawe muss sich erstmal sammeln. Dann gibt sich Glawe kämpferisch: "An der CDU vorbei kann nicht regiert werden. Angela Merkel wird Bundeskanzlerin bleiben." Der erste Schock verfliegt und Jubel brandet auf, als sich kurz vor 19.30 Uhr die Wahlsiegerin persönlich per Telefon bei Glawe meldet, um sich bei ihrem Wahlkreis-Team zu bedanken und sich die ersten Erststimmen-Zwischenergebnisse durchgeben lässt.

Angela Merkel büßt zwölf Prozent ein

Als Direktkandidatin fuhr Merkel einen klaren Sieg ein. Zum achten Mal in Folge gewann die Kanzlerin im Norden Vorpommerns das Bundestagsdirektmandat. Doch der Aderlass zugunsten der AfD ist größer ausgefallen als befürchtet. 2013 erreichte Merkel 56,2 der Erststimmen. Vier Jahre später liegt sie bei 44 Prozent - rund zwölf Prozent weniger als 2013.

Im Merkel-Wahlkreis hatte die AfD mit dem Landesvorsitzenden Leif-Erik Holm ihren Frontmann aufgestellt. Beflügelt vom starken AfD-Landtagswahlergebnis im Herbst 2016 trat er mit dem Anspruch an, Merkel das Direktmandat abjagen und die Kanzlerin zurück in die Uckermark schicken zu können. Holm erreichte 19,2 Prozent. "Offenbar hat der Amtsbonus gezogen", kommentierte Holm das Ergebnis. Er sei in einem schwierigen Umfeld angetreten. Dennoch sei er mit dem Gesamtergebnis seiner Partei sehr zufrieden, sagte Holm, der als Spitzenkandidat seiner Partei nun vom Land- in den Bundestag wechseln wird.

Erste Häme bei der CDU: "Herr Holm hat sich klar verkalkuliert", sagt CDU-Mann Glawe - inzwischen übers Gesicht strahlend. "Sein Ziel, den Wahlkreis zu gewinnen, hat er klar verfehlt." Dennoch sieht die Vorpommern-CDU jetzt die demokratischen Parteien in der Pflicht, um die Protestwähler zurückzugewinnen. "Wir müssen eine gute Politik machen, die die Wähler mitnimmt."

fin/Martina Rathke DPA

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