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Migrantenstudie: In kleinen Schritten zur Integration

Merkels Beauftragte Maria Böhmer feierte sich und die Fortschritte bei der Integration: Immer mehr Migranten schließen die Schule ab und finden einen Job.

Von Gloria Veeser

Himmelblau trägt die Integrationsbeauftragte bei der Vorstellung des zweiten Integrationsindikatorenberichts, und nahezu wolkenlos malt Maria Böhmer auch die Aussichten der Migranten im Land. "In den Kernpunkten des gesellschaftlichen Lebens hat sich die Teilhabe der Menschen mit Migrationshintergrund verbessert", beginnt Böhmer gut gelaunt die Aufzählung der Ergebnisse. Zwar gäbe es noch immer einige Defizite, und das Ziel der Chancengleichheit sei noch nicht erreicht, es gäbe aber "deutliche Fortschritte", die "in die richtige Richtung zeigen".

Böhmer stellte besonders die positiven Entwicklungen seit 2005 heraus: Seitdem machen mehr Ausländer Abitur, weniger Migranten sind arbeitslos und an den weiterführenden Schulen stieg der Anteil migrantischen Lehrpersonals sogar um deutliche 27 Prozent. Das Problem: Die Ungleichheit wird damit nur etwas weniger schlimm: Ingesamt bleiben Migranten im öffentlichen Dienst die Ausnahme, und auch wenn in den letzten Jahren tendenziell weniger Migranten ohne Abschluss von der Schule gehen, so sind es mit 7,6 Prozent immernoch mehr als dreimal so viele wie im Rest der Bevölkerung. Auch sind mit 12 Prozent Zuwanderer immer noch doppelt so häufig arbeitslos wie Einheimische.

Die soziale Herkunft entscheidet

Die Integrationsbeauftragte findet für die weiterhin bestehende Ungleichheit in dem für sie zentralen Kernbereich Bildung die gleiche Erklärung, die schon seit dem OECD-Bericht von 2007 angeprangert wird: Entscheidend für den schulischen Erfolg in Deutschland sei nicht der Migrationshintergrund, sondern die soziale Herkunft, dieser Zusammenhang ließe sich aus der Studie herauslesen. Das heißt im Klartext: Nicht die Nationalität der Eltern, sondern ihr Geld entscheidet über die Bildungschancen ihrer Kinder, und Migrantenkinder sind immer noch deutlich öfter arm als andere. In Zahlen ausgedrückt: Das Risiko zu verarmen liegt bei Kindern von Zuwanderern bei 26 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie bei Kindern deutscher Eltern.

Einen entscheidenden Unterschied mache dabei allerdings, wie gut die Schüler deutsch sprechen. Die Statistik zeige, dass bei gleichen Deutschkenntnissen ausländische Schüler genauso erfolgreich in der Schule sind wie deutsche. Deswegen setzt Böhmer auch in Zukunft vor allem auf Sprachförderung. Nach politischen Maßnahmen gefragt, nennt sie neben einem verbindlicheren Aktionsplan zur frühkindlichen Sprachförderung vor allem Werbemaßnahmen: Eine Kampagne soll mehr Migranten in den öffentlichen Dienst locken, auch für Einbürgerungen und Integrationskurse will sie stärker werben.

Keine Daten zur Diskriminierung

Ob es allerdings wirklich nur am Integrationswillen der Migranten hapert, oder ob nicht vielmehr für mehr Akzeptanz von Migranten durch die einheimische Bevölkerung geworben werden muss, darauf gibt der Bericht keine Antwort: Die Einheimischen wurden für die Studie nicht befragt. Daher bleibt es auch Spekulation, ob sich zu wenige Migranten für eine Arbeit bewerben, oder ob es für sie schwieriger ist, eine Stelle zu bekommen. Inwieweit also die Diskriminierung ausländischer Bewerber auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle spielt, ist unbekannt.

Auch regionale Unterschiede sind in der Studie nicht erfasst worden, obwohl die aktuellen Enthüllungen über vermehrte neonazistische Aktivitäten im Osten diese Frage besonders wichtig erscheinen lassen. Integration ist in hohem Maße Ländersache, es gibt große regionale Unterscheide, allerdings derzeit keinen Vergleich einzelner Bundesländer und ihrer Integrationsquote.

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