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Missbrauchsskandal in katholischer Kirche: Union übt Kritik an Leutheusser-Schnarrenberger

Der Streit um die Aufklärung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sorgt nun auch in der Regierungskoalition für zusätzliche Misstöne. Unionspolitiker werfen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) Respektlosigkeit und unberechtigte Kritik an der katholischen Kirche vor.

Der Streit um die Aufklärung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sorgt nun auch in der Regierungskoalition für zusätzliche Misstöne. Unionspolitiker werfen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) Respektlosigkeit und unberechtigte Kritik an der katholischen Kirche vor. Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach sagte, die FDP-Politikerin gehe eindeutig zu weit, wenn sie den falschen Eindruck erwecke, die Kirche behindere eine Aufklärung der Missbrauchsfälle.

Vor dem Hintergrund der jüngst bekanntgewordenen Fälle von sexuellem Missbrauch hatte Leutheusser-Schnarrenberger gesagt, sie erwarte, "dass die Verantwortlichen der katholischen Kirche endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mitaufklären". Bisher habe sie nicht den Eindruck, dass sie "ein aktives Interesse an wirklich rückhaltloser und lückenloser Aufklärung gezeigt haben".

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hatte sie daraufhin ultimativ zur Rücknahme ihrer Äußerungen aufgefordert und sich bei Kanzlerin Angela Merkel beschwert. Inzwischen haben sich beide Seiten auf ein Gespräch verständigt, für das laut Ministerium aber noch ein Termin gesucht wird.

Bosbach sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Ich kann mich über das Vorgehen der Ministerin nur wundern. Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Justizminister während eines laufenden Ermittlungsverfahrens ähnlich massive Kritik an der Kirche geübt hat." Zu den umstrittenen Richtlinien der katholischen Kirche über die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft bei Verdacht auf Missbrauch sagte Bosbach: "Ich verstehe die Richtlinien so, dass die Kirche damit zwischen haltlosen Gerüchten und nachvollziehbaren Tatsachen unterscheiden will, ehe sie die Behörden hinzuzieht."

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Günter Krings (CDU), sagte derselben Zeitung: "Ich kann nicht erkennen, dass die Kirche sich bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle ungebührliche Verzögerungen vorwerfen lassen muss." CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl warf der Ministerin vor, "die katholische Kirche in der Öffentlichkeit pauschal auf die Anklagebank gesetzt" zu haben. Damit sei sie weit über das Ziel hinaus geschossen.

Der innenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stephan Mayer, warf der Ministerin in der "Süddeutschen Zeitung" Respektlosigkeit vor. Ihre Unterstellung, der Kirche liege nichts an der Aufklärung schwerster Straftaten, gehe "völlig an der Wirklichkeit vorbei". Anders als von ihr dargestellt habe die Bischofskonferenz mit ihren Leitlinien im Jahr 2002 ihre "rückhaltlose Bereitschaft" gezeigt, "Missbrauchsfälle schnell und umfassend aufzuklären".

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft München II wegen der Missbrauchsvorwürfe im Internat des Klosters Ettal ein Ermittlungsverfahren gegen einen Klosterangehörigen eingeleitet. Es gehe dabei um sexuellen Missbrauch von Kindern, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Eduard Meyer. Die Vorwürfe seien eindeutig noch nicht verjährt, genauere Angaben zu Zeitpunkt oder Umfang machte er nicht. Die Staatsanwaltschaft habe die Ermittlungen aus eigenem Antrieb infolge der jüngsten Medienberichte aufgenommen, Anzeigen lägen derzeit nicht vor. Das Kloster kooperiere bei den Ermittlungen.

APN / APN