Müntefering-Kritik Konsequenzen für Wolffsohn gefordert


Michael Wolffsohn ist wegen seiner Vorwürfe gegen Franz Müntefering als Professor einer Bundeswehr-Universität untragbar, meinen Politiker von SPD und den Grünen. Eine Ansicht, die das Verteidigungsministerium nicht teilt.

Der an der Bundeswehr-Universität in München lehrende Historiker Michael Wolffsohn muss nach seinen indirekten Antisemitismus-Vorwürfen gegen SPD-Chef Franz Müntefering keine dienstrechtlichen Konsequenzen befürchten. Peter Struck (SPD), der als Verteidigungsminister für die Bundeswehr-Universität verantwortlich ist, wird sich nicht einschalten. "Es wird kein Gespräch geben", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Wolffsohn fordert Entschuldigung

Wolffsohn hatte Müntefering angegriffen und Passagen von dessen Kapitalismus-Kritik mit der Nazi-Hetze gegen Juden verglichen. Der SPD-Vorsitzende habe "wieder Menschen mit Tieren gleichgesetzt". Heute sei von "Plagen" und "Heuschrecken" die Rede, damals von "Ratten" oder "Judenschweinen", hatte der Historiker in der "Rheinischen Post" geschrieben. Während Wolffsohn Müntefering bereit in der "Financial Times Deutschland" aufforderte, sich für seine Wortwahl zu entschuldigen, schweigt sich der SPD-Chef weiter aus. "Solchen Unsinn kommentiere ich nicht", sagte der SPD-Chef.

Angesichts der Faktenlage sehen auch die Grünen dienstrechtliche Konsequenzen gegen Wolffsohn skeptisch. Der Historiker habe das Image der Bundeswehr-Universität in München in Misskredit gebracht. Doch die Möglichkeiten eines dienstrechtlichen Einschreitens seien begrenzt, sagte etwa der Verteidigungsexperte der Grünen-Fraktion, Winfried Nachtwei, der "Netzeitung. Er sieht vor allem Struck in der Pflicht. "Ich gehe davon aus, dass der Minister zügig im Rahmen seiner Möglichkeiten reagieren wird", sagte Nachtwei. Anders schätzt die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth die Sachlage ein. Sie glaubt Wolffsohn sei als Professor der Bundeswehr-Universität nicht länger tragbar.

Robbe hält Wolffsohn für untragbar

Eine Einschätzung, die auch der Sozialdemokrat Reinhold Robbe teilt. Der neu gewählte Wehrbeauftragte und zurzeit noch amtierende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses forderte die Prüfung dienstrechtlicher Konsequenzen. "Das Maß ist schon lange voll. Herr Wolffsohn ist für eine Bundeswehreinrichtung nicht tragbar", sagte Robbe der "Passauer Neuen Presse".

DPA DPA

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