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Umstrittene Zeichnung: Antisemitismus-Vorwurf: "Süddeutsche" schasst Karikaturisten Dieter Hanitzsch

Karikaturen von Dieter Hanitzsch werden künftig nicht mehr in der "Süddeutschen Zeitung" erscheinen. Nach massiven Antisemitismus-Vorwürfen wegen einer Netanjahu-Karikatur beendete das Blatt die Zusammenarbeit.

Netanjahu-Karikatur von Dieter Hanitzsch erzeugt Antisemitismus-Vorwürfe

Die umstrittene Karikatur von Dieter Hanitzsch, die am 15. Mai 2018 in der "Süddeutschen Zeitung" erschienen ist.

stern

Die " " ("SZ") hat sich nach Antisemitismus-Kritik an einer Karikatur von Dieter Hanitzsch, 85, von ihrem langjährigen Zeichner und bekannten Karikaturisten getrennt. "Grund hierfür sind unüberbrückbare Differenzen zwischen Herrn Hanitzsch und der Chefredaktion darüber, was antisemitische Klischees in einer Karikatur sind", teilte die "SZ"-Chefredaktion am Donnerstag mit. "Dies hat sich nicht nur in der veröffentlichten Karikatur selbst, sondern auch in Gesprächen mit Herrn Hanitzsch gezeigt."

Die "SZ" werde ihre redaktionsinternen Abläufe bei der Veröffentlichung von Karikaturen überprüfen und gegebenenfalls verändern. Zuerst hat die "Neue Zürcher Zeitung" darüber berichtet. Das Blatt berichtet, dass es auch innerhalb der Redaktion heftige Kritik gegeben habe. "Viele Redakteure der 'SZ' waren außer sich und kritisierten die Zeichnung intern scharf. In einer Konferenz soll Feuilletonchef Andrian Kreye gefordert haben, bei Karikaturen künftig ganz auf das Stilmittel der zu verzichten, um solche rassistischen Stereotype zu vermeiden."

Dieter Hanitzsch: "Ich entschuldige mich nicht"

Hanitzsch, Träger des Bundesverdientskreuzes Erster Klasse, wollte sich am Donnerstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur nicht äußern. Stattdessen äußerte sich der Zeichner auf seinem Facebook-Account. Darin beschreibt er seine Karikatur als Zeichnung, "in der ich heftig kritisiere, dass der israelische Ministerpräsident den 'Eurovision Song Contest' für seine Ziele missbraucht." Er kündigte ein ausführliches Interview für diesen Freitag an, indem er weitere Einzelheiten äußern wolle. Gegenüber der "Jüdischen Allgemeinen" hatte er zuvor bereits gesagt: "Dass sich die Redaktion entschuldigt, ist ihre Sache. Ich entschuldige mich nicht." Er wolle auch als Deutscher die Politik Netanjahus kritisieren können.


Die "SZ" hatte in der Dienstagsausgabe eine Karikatur gedruckt, die Israels Premierminister in Gestalt der israelischen Eurovision-Song-Contest-Siegerin Netta mit einer Sprechblase "Nächstes Jahr in Jerusalem!" und einer Rakete in der Hand zeigt. Auf der Rakete ist ein Davidstern abgebildet, im Schriftzug "Eurovision Song Contest" ersetzt ein Davidstern das "v".

Antisemitismus in Darstellung: Große Nase und Ohren

Der Davidstern steht als Symbol für das Volk Israel und das Judentum. Die Darstellung war vielfach als antisemitisch kritisiert worden. Dies auch wegen übertrieben groß gezeichneter Nase und Ohren, was von Kritikern als Stilmittel aus nationalsozialistischen Hetzschriften gegen Juden beschrieben wird. Der deutsche Historiker und Publizist kritisierte via Twitter scharf: "Diese Karikatur hätte auch im 'Stürmer' erscheinen können!" Auch international hatte die Karikatur für Aufsehen gesorgt; unter anderem berichteten "Jerusalem Post" und "New York Times".


"SZ"-Chefredakteur Wolfgang Krach hatte sich daraufhin bereits am Dienstag in einer öffentlichen Stellungnahme für die Zeichnung entschuldigt. Eigentlich hätte er selbst die Zeichnung - wie üblich - vor Veröffentlichung abnehmen sollen, war jedoch am Tag der Veröffentlichung verhindert. Die Verantwortung wolle er aber nicht von sich abwälzen, sagte Krach der "NZZ": "Es wäre meine Pflicht gewesen, die Zeichnung anzuschauen."

Die Stellungnahme der "SZ" im Wortlaut:

"Die Süddeutsche Zeitung hat am Dienstag, den 15. Mai 2018, auf der Meinungsseite eine Karikatur veröffentlicht, die den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu in Gestalt der Sängerin Netta zeigt, der Gewinnerin des Eurovision Song Contest (ESC). Der Karikaturist zeichnete den Schriftzug des Eurovision Song Contest und benutzte dabei statt des "v" einen Davidstern. Der Stern ist auch auf einer Rakete abgebildet, die Netanjahu in der Hand hält. Dies hat innerhalb und außerhalb der SZ-Redaktion zu Diskussionen geführt. Der Karikaturist Dieter Hanitzsch sagt, er habe mit seiner Darstellung lediglich darauf hinweisen wollen, dass das nächste ESC-Finale 2019 in Jerusalem stattfinden soll. Trotz dieser Intention des Karikaturisten kann man die Zeichnung auch anders verstehen und als antisemitisch auffassen. Ihre Veröffentlichung war deshalb ein Fehler, für den wir um Entschuldigung bitten. Wolfgang Krach, Chefredakteur"


dho mit / DPA