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Nach Ölblockade: Merkel hinterfragt Atomausstieg

Vor einer wachsenden Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas und Öl hat der Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA) nach der Lieferunterbrechung für russisches Erdöl gewarnt. Auch Angela Merkel bringt der Vorfall ins Grübeln. Ihre Aussagen dürften eine neuerliche Debatte über den Atomausstieg ins Rollen bringen.

Nach dem Ausfall russischer Öllieferungen wächst in Deutschland die Kritik an der Abhängigkeit von Russland. Zugleich wird wieder die Atomenergie als Alternative ins Gespräch gebracht. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss sich den mahnenden Stimmen an. "Deshalb muss man Energie sparen, deshalb muss man auf erneuerbare Energien setzen und deshalb muss man sich natürlich auch überlegen, was für Folgen hat es, wenn wir Kernkraftwerke abschalten", sagte sie der ARD. Ein Streit zwischen Russland und Weißrussland über Zölle hatte dazu geführt, dass in Westeuropa kein russisches Öl mehr ankam. Die Reserven in Deutschland reichen jedoch für mehrere Monate.

"Das kann uns auch blühen"

Auch der Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA) warnte vor einer wachsenden Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas und Öl. "Das was Russland jetzt mit den ehemaligen Sowjetstaaten macht, kann uns auch blühen", sagte VEA-Vorstand Manfred Panitz in Hannover. "Die Abhängigkeit von Russland ist schädlich, ich sehe das mit Sorge." Wichtig sei, die Abhängigkeit nicht noch größer werden zu lassen und eine Diversifizierung vorzunehmen.

Der erwartete Förderrückgang von Erdöl aus der Nordsee in den kommenden Jahrzehnten solle nicht durch zusätzliche Importe aus Russland kompensiert werden, sagte Panitz. Der russische Anteil an der deutschen Ölversorgung könne sonst schnell von 30 auf 50 Prozent steigen. Eine Alternative sei der Transport verflüssigten Gases per Schiff aus afrikanischen Ländern wie Libyen Richtung Deutschland. Der Chef des Energie-Abnehmerverbands sprach sich gegen ein Festhalten am deutschen Atomausstieg aus. "Wir halten die Kernenergie für dringend notwendig, nicht nur aus Umweltgründen, sondern auch, weil sie konkurrenzlos billig ist."

Ölhahn abgedreht

Weißrussland hatte im Energiestreit mit Moskau die Durchleitung von russischem Öl nach Deutschland und in andere EU-Länder gestoppt. Die Lieferungen sollten wieder aufgenommen werden, eine Bestätigung dafür lag aber zunächst nicht vor. Versorgungsprobleme wurden jedoch erwartet. Die bundesweiten Vorräte an Benzin, Diesel oder Heizöl seien ausreichend, um die Versorgung über mehrere Monate uneingeschränkt sicherzustellen, hieß es beim Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Hamburg.

Der Streit zwischen Russland und Weißrussland war im neuen Jahr hochgekocht, weil beide Seiten trotz einer geltenden Zollunion einander mit Strafzöllen auf Öl belegten. Einen drohenden Lieferstopp für russisches Gas hatte Weißrussland erst am Silvesterabend um zwei Minuten vor Mitternacht abgewendet, indem es einer Preisverdoppelung auf 100 US-Dollar (77 Euro) je 1000 Kubikmeter zustimmte.

DPA / DPA