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NSU-Verfahren: Ausschuss will V-Mann-Führer verhören

Hat V-Mann "Primus" das rechtsextreme NSU-Netzwerk unterstützt? Um diesen Verdacht zu klären, will der Untersuchungsauschuss des Bundestags den zuständigen Beamten des Verfassungsschutzes vernehmen.

Nach Berichten über einen V-Mann namens "Primus" und dessen mögliche Hilfe für das NSU-Terrortrio wollen Mitglieder des Bundestags-Untersuchungsausschusses die zuständigen Beamten befragen. Es müsse geklärt werden, inwieweit der Verfassungsschutz "Primus" genutzt habe, um die untergetauchte Terrorzelle zu finden, sagte die SPD-Obfrau im Ausschuss, Eva Högl, der "Süddeutschen Zeitung". "Sollte dies nicht in ausreichendem Maße geschehen sein, fragt sich natürlich, warum." Medienberichten zufolge half er den Rechtsextremen möglicherweise beim Anmieten von Autos.

Auch die Linke-Politikerin Petra Pau sprach sich dafür aus, die sogenannten V-Mann-Führer zu vernehmen. Sollte sich der Verdacht erhärten, dass "Primus" verwickelt gewesen sei, stelle sich immer mehr die Frage, warum der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) jahrelang von den Behörden unbehelligt geblieben sei, sagte Pau.

Laut "Spiegel" stießen Ermittler bei der Suche nach Unterstützern des NSU auf einen langjährigen Rechtsextremisten, der unter dem Decknamen "Primus" bis kurz nach der Jahrtausendwende für den Verfassungsschutz gearbeitet habe. In Unterlagen einer Zwickauer Autovermietung hätten Beamte Verträge für Fahrzeuganmietungen auf seinen Namen gefunden. Es gebe zeitliche Überschneidungen mit zwei dem NSU zugeschriebenen Morden im Juni und August 2001 in Nürnberg und München. Hinsichtlich beider Taten fehlten bisher Hinweise zu Fluchtwagen. Nach den Abrechnungen seien beide Wagen für lange Fahrten genutzt worden.

Edathy rechnet mit weiteren V-Leuten

Der NSU soll zwischen 2000 und 2007 zehn rassistisch motivierte Morde begangen haben. Erst im November 2011 flog die Bande auf. Neun Opfer waren Kleinunternehmer mit türkischen und griechischen Wurzeln, das zehnte eine deutsche Polizistin.

Der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, Sebastian Edathy (SPD), erwartet noch weitere Erkenntnisse über V-Leute. "Ich bin ziemlich sicher, dass wir noch nicht von allen V-Leuten im Umfeld des NSU-Trios wissen, dass sie V-Leute waren", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Auch auf der jüngsten Liste der Sicherheitsbehörden mit 129 Namen seien einige Personen hinzugekommen, bei denen noch geprüft werden müsse, ob sie nicht Täterwissen hatten oder ob sie V-Leute waren.

steh/DPA / DPA