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Die überfahrene Basis

Die Biberacher Christdemokraten sind alles andere als glücklich über ihr neues Parteimitglied Oswald Metzger. Sie ärgern sich, dass Metzger nicht mal den Kreisvorstand vorab informierte und warnen ihr neues Mitglied: "Er wird es bei uns schwerer haben als bei der FDP."

Von Peter Meuer

Franz Frick gehört zur CDU Bad Schussenried im Kreis Biberach, ist dort Stadtverbandsvorsitzender. Einer von der Basis. Bad Schussenried ist nicht irgendeine Gemeinde: Das Städtchen mit seinen gut 8000 Einwohnern ist die Heimat von Oswald Metzger, der gestern vor zwei Dutzend Journalisten seinen Beitritt zu den Christdemokraten im Kreis Biberach verkündete.

Franz Frick kennt Oswald Metzger schon seit Jahren - "auch von Wahlveranstaltungen." Erst am vergangenen Samstag hat Frick den 53-jährigen Oswald Metzger beim Spaziergang in der Stadt getroffen. Metzger habe aber nichts von seinen Plänen, der CDU beizutreten, erzählt. "Es war ein privates Gespräch", sagt Franz Frick. Er findet Metzgers Entscheidung "mutig." Aber: "Er wird es bei uns schwerer haben als bei der FDP." Oswald Metzger sei nicht unumstritten, sagt Frick dann, "er hat nicht nur Freunde." Franz Frick mag Oswald Metzger sehr gerne, wie er sagt. Aber auch er kann Privates von Politischem trennen: "Nur weil Oswald Metzger jetzt CDU-Mitglied wird, heißt das noch nicht, dass er bald für uns in Berlin sitzt."

Die Basis ist es gewohnt, dass sie nicht als erste informiert wird: "Ich habe gestern von Oswald Metzgers Beitritt erfahren", sagt Berthold Hengge vom CDU-Gemeindeverband Rot an der Rot, der ebenfalls im Kreis Biberach liegt. Oswald Metzger hatte seinen Mitgliederantrag am Samstag losgeschickt. Gestern kam er bei der Biberacher CDU an, zu selben Zeit stand Oswald Metzger schon vor den Fernsehkameras der Nation und erklärte, dass er für die Biberacher CDU bei den nächsten Bundestagswahlen kandidieren will.

Ein bisschen vorschnell, denn erst muss der Neuling überhaupt erst offiziell Mitglied werden. "Das entscheidet der Kreisvorstand", sagt Berthold Hengge. Das Gremium tagt im April. Es sei "ungewöhnlich," dass Metzger mit niemandem in der CDU vorab gesprochen habe, findet auch der Kreisverbandsvorsitzende Josef Rief und ließ offen, ob der Kreisvorstand dem Mitgliedsantrag zustimmen wird. Der derzeitige Biberacher CDU-Abgeordnete Franz Romer, den Oswald Metzger beerben will, ließ sich sogar in der schwäbischen Zeitung zur Aussage hinreißen, Metzger sei nicht willkommen.

"Wenn ich einem Verein beitrete, dann muss ich doch vorher mit dem Vorstand Kontakt aufnehmen", wundert sich Christoph Burandt. "Vor allem, wenn ich Vereinsvorsitzender werden möchte." Burandt gehört zur CDU Burgrieden. Bis gestern war er der einzige Kandidat für das nächste Bundestagsmandat der CDU Biberach. Sollte der Kreisvorstand Oswald Metzgers Mitgliedsantrag zustimmen, dann wird Burandt im Juli gegen ihn antreten. Christoph Burandt sieht der Auseinandersetzung gelassen entgegen: "Ich werde die einzelnen Gemeindeverbände besuchen, mich und meine Politik vorstellen und so um die Stimmen der Mitglieder werben."

Überläufer gescheitert

Die Kritik aus der Biberacher CDU hängt nicht nur mit Oswald Metzgers Informationspolitik zusammen. Auch das alte Feindbild wirkt noch nach. "Besonders ältere Mitglieder erinnern sich daran, dass er der CDU nicht immer freundlich gesonnen war", sagt Franz Frick. Mit seinem unkonventioneller Stil eckte Metzger schon früher parteiübergreifend an: Als er im November letzten Jahres gegen Sozialhilfeempfänger wetterte, verärgerte er nicht nur die Grünen, denen er damals noch angehörte, auch CDU-Mitglieder äußerten sich kritisch.

Dass es "Überläufer" nicht leicht haben, in der neuen Partei etwas zu werden, zeigt das Beispiel von Heike Dederer. Anfang 2005 wechselte sie von den Grünen zur CDU, damals war sie noch Abgeordnete im baden-württembergischen Landtag. Im Sommer 2005 scheiterte Dederer, als sie sich erneut für ein Landtagsmandat bewarb, diesmal bei der CDU im Bezirk Stuttgart Mitte. Seitdem hört man nicht mehr viel von ihr.

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