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Schwarz, ja. Bundestag, nein!

Oswald Metzger ist in der Union angekommen. In den Bundestag schafft es der frühere Grünen-Politiker dennoch nicht. Die Mitglieder der Biberacher CDU stimmten gegen seine Kandidatur und für ihren Vorsitzenden Josef Rief - nach einem fünfstündigen Wahlkrimi.

Von Peter Meuer

Es ist kurz nach Mitternacht. Oswald Metzger sitzt an einem Tisch in der Biberacher Stadthalle. Fotografen umringen ihn erwartungsvoll. Sie hoffen auf Bilder eines strahlenden Sieges oder einer schmachvollen Niederlage. Fast tausend Mitglieder der Kreis-CDU sind gekommen, um abzustimmen. Der Saal ist voll. "Wir wissen nicht, ob für alle Platz ist", bangte Susanne Schwaderer, die Bezirksgeschäftsführerin schon am Vortag.

Andreas Schockenhoff ist der Bundestagsabgeordnete der CDU Ravensburg-Bodensee. Er moderiert das Ergebnis: Oswald Metzger hat verloren. Er erhält 41,8 Prozent der Stimmen. Metzger hat das erwartet. Noch während die letzte Stimmauszählung lief, schätzte er: "Die Chancen stehen 70 zu 30 gegen mich." Jetzt bleibt sein Gesicht ausdruckslos.

Das Ende eines Wahlkrimis

Dafür jubelt Josef Rief. Er hat 552 Stimmen bekommen, 58,2 Prozent - und ist damit der nächste CDU-Bundestagskandidat des Wahlkreises. In die Fotografen kommt Bewegung. Sie stürmen von Metzger zu Rief. Die Parteifreunde fallen dem Sieger um den Hals, gratulieren. "Vergelt's Gott", bedankt sich Rief artig.

Es ist der Schluss eines Wahlkrimis, der sich über Stunden hinzog. Fünf Kandidaten waren angetreten, um das Amt des Bundestagsabgeordneten Franz Romer zu erben, der aus Altersgründen nicht mehr kandidiert: die Verwaltungswirtin Carmen Bogenrieder, der Finanzwirt Christoph Burandt, der Touristikunternehmer Peter Diesch, der Landwirt Josef Rief sowie der Politikprofi Oswald Metzger, der schon für die Grünen im Bundestag und im Stuttgarter Landtag saß. Im März hatte er seinen Wechsel zur CDU verkündet.

"Bodenständig, engagiert, kompetent - dafür stehe ich"

15 Minuten. Soviel Zeit blieb Oswald Metzger, um sich an diesem Abend in die Herzen und Köpfe der CDU-Mitglieder zu reden. Er habe als Grüner viele Hände geschüttelt auf den Marktplätzen im Kreis. "Viele sagten, dass ich gesunde Ansichten habe, aber in der falschen Partei bin." Jetzt sei er Mitglied der CDU - "und nun ist es auch nicht recht", spottet er. Er, der politische Wendehals, wie ihm in den letzten Wochen oft in Biberach vorgeworfen worden war. Oswald Metzger schaut auf die Uhr. 15 Minuten. Soviel hat jeder Kandidat, um sich vorzustellen. Metzger bleiben jetzt noch zehn, um seine Glaubwürdigkeit zu beweisen.

Reden, ja das kann er. Besser als Peter Diesch, der vom Blatt abliest und viel zu selten ins Publikum schaut. Besser als der leise Christoph Burandt, der kaum gegen den lauten Saal ankommt. Und auch besser als Josef Rief, mit seinem halb bayrisch, halb schwäbischem Akzent, der die Fäuste schüttelt und tönt: "bodenständig, engagiert, kompetent - dafür stehe ich."

Fast 200 neue Mitglieder für den Wahlkreis Biberach

Aber die Glaubwürdigkeit, die haben ihm die anderen Kandidaten voraus. Bis auf Burandt sind alle schon seit Jahrzehnten in der CDU. Oswald Metzger dagegen bringt einen anderen Stallgeruch mit. Das macht es ihm schwer im traditionell schwarzen Oberschwaben. Metzger bemüht sich um die Biberacher CDU-Mitglieder. Er erzählt, dass er "der katholischen Soziallehre sehr verbunden" sei, wirbt mit seiner Bundestagserfahrung. Und mit seinen rhetorischen Fähigkeiten. "Ich würde gern für euch Oskar Lafontaine in einer Fernsehdiskussion den Mund stopfen." Einige lachen. Selbst Helmut Kohl bemüht er als Kronzeuge für sein Talent. Der habe ihn im Interview als Finanzpolitiker gelobt mit den Worten: "Alle Achtung."

Fast 200 neue Mitglieder hat der Wahlkreis Biberach in den letzten Wochen gewonnen. Manche sind der Partei beigetreten, um Oswald Metzger bei dieser Versammlung zu wählen. Manche, um ihn zu verhindern. Auf jeden Fall heißt es aus der Parteizentrale, das Mitglieder-Plus sei sein Verdienst. Metzger aber teilt den Erfolg großzügig mit den anderen Kandidaten: Die CDU Biberach könne "stolz sein auf solche Bewerber", sagt er. So nett ist die Konkurrenz freilich nicht zu ihm. Carmen Bogenrieder sagt: "Manche wechseln ihre Einstellung zur Partei wie eine Krawatte." Peter Diesch: "In Berlin werden Entscheidungen nicht nur publikumswirksam auf weichen Talkshowsofas getroffen."

"Es hätte schlechter für mich ausgehen können"

Nach dem ersten Wahlgang verabschieden sich Burandt und Bogenrieder mit 2,02 und 7,48 Prozent der Stimmen. Nach dem zweiten Wahlgang fliegt auch Diesch raus. Er hat nur elf Stimmen weniger als Metzger, aber laut Wahlordnung ist der dritte Wahlgang eine Stichwahl zwischen den beiden Besten - hier scheitert Metzger mit 41,8 Prozent. "Es hätte schlechter für mich ausgehen können", sagt er danach und gratuliert Josef Rief zum Sieg. Franz Würth vom CDU-Ortsverband Ingoldingen drückt das so aus: "Ich bin total überrascht, dass Oswald Metzger mit seiner Vorgeschichte überhaupt so gut abgeschnitten hat."

Ob Metzger in vier Jahren vielleicht einen neuen Versuch startet? "Ich bin dann 58, werde so langsam zu alt", sagt er. Aber in der CDU angekommen, das ist er jetzt wohl schon. Nach seiner Niederlage verkündet er, ganz Sportsmann, dass er Riefs Bundestagswahlkampf unterstützen will.

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