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Papstbesuch: Regensburg steht Kopf

Selbst schlaflose Nächte und kilometerweite Fußmärsche schrecken die Papst-Pilger nicht ab. Mit gesperrten Autobahnen und Sonderzügen bereiten Regensburg und München sich auf den Ansturm der Gläubiger vor.

Für Hunderttausende Pilger dürfte der Besuch der Festgottesdienste des Papstes in München und Regensburg mit einer schlaflosen Nacht beginnen. Aus ganz Deutschland fahren in den Nächten zum Sonntag und zum Dienstag kommender Woche Sonderzüge an die Veranstaltungsorte. Sie treffen bereits früh am Morgen ein. Vor den Reisenden liegen dann noch kilometerweite Fußmärsche über "Pilgerwege" zu den Gottesdienst-Orten an der neuen Münchner Messe und auf dem Islinger Feld südlich von Regensburg. Zusätzlich zur Ausrüstung für langen Fußmarsch und Kleidung für jedes Wetter müssen die Pilger auch noch Verpflegung mitbringen, da es an den Gottesdienst-Orten keine Verpflegungsstationen gibt.

Die bayerische Hauptstadt ist Großveranstaltungen gewohnt: Als Veranstaltungsort der Fußball-WM bewältigte die Stadt im Sommer schon den Ansturm Hunderttausender Tagestouristen. Für Regensburg, wo das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche seit mehr als drei Jahrzehnten ein Haus in der Gemeinde Pentling am Stadtrand hat, bedeutet der Papstbesuch dagegen eine Herausforderung bisher nicht gekannten Ausmaßes. Wie in München werden etwa 300.000 Besucher zu dem Gottesdienst erwartet - doch anders als München hat die Dom-Stadt selbst nur 150.000 Einwohner, und der Gottesdienst findet mitten unter der Woche statt. Zudem hält sich der Papst drei Tage in der Stadt auf, darunter auch ein Tag mit Privatprogramm wie etwa einem Besuch auf dem Friedhof Ziegetsberg, wo seine Eltern und seine Schwester beerdigt sind.

Autobahn wird als Parkplatz dienen

Angesichts dieser Sondersituation greifen die Behörden zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Der südliche Teil von Regensburg wird für den gesamten Tag der Messe für den Autoverkehr gesperrt, um den Pilgern ausreichend und sichere Fußwege zum Islinger Feld zu ermöglichen. Die Autobahn A3 von Nürnberg nach Passau, eine wichtige Verkehrsader in Richtung Südosten, wird komplett gesperrt und dient als Parkplatz für Tausende Reisebusse mit Pilgern. Diese müssen ebenfalls die Nacht durch fahren, um ihr Ziel rechtzeitig zu erreichen: Jeder angemeldete Bus hat einen Zeitplan bekommen und muss innerhalb einer bestimmten Zeitspanne in Regensburg am vorgemerkten Parkplatz eintreffen. Die Pilger erhalten einen Plan mit dem kürzesten Weg von ihrem Standort aus zum Gottesdienst-Feld im Süden der Stadt. Wie früh die Gläubigen starten müssen, darüber gibt ein Aufruf der Stadt Regensburg Aufschluss: "Wer um 5 Uhr aufsteht, wird den Papst nur im Fernsehen sehen", heißt es darin. Es sei ratsam, spätestens um 8.00 Uhr, also Stunden vor dem Beginn des Gottesdienstes, am Veranstaltungsort Islinger Feld anzukommen. Für Anreisende mit Pkw wurden Großparkplätze außerhalb der Stadt eingerichtet, die zwei bis drei Stunden Fußmarsch vom Gottesdienstgelände entfernt liegen. Die Stadt riet den Gläubigen davon ab, die Nacht bereits in Regensburg verbringen zu wollen. Für alle Fälle werden aber Turnhallen und Festzelte des kurz zuvor endenden Regensburger Herbst-Dults als Massenschlafquartiere geöffnet sein.

Die Behörden rechnen mit einem gewaltigen Verkehrschaos und rufen Touristen und Fernverkehr auf, die Stadt an den Tagen des Papst-Besuchs zu meiden. Die Einwohner der Stadt sollten an diesen Tagen am besten ganz auf das Auto verzichten und nur noch zu Fuß und mit dem Rad unterwegs sein.

Alte Bahnsteige werden reaktiviert

Die Bahn setzt Sonderzüge im Fernverkehr ein, um Pilger aus dem ganzen Bundesgebiet nach Bayern zu bringen. Im Nahverkehr hat die Bahn ein ausgeklügeltes Shuttle-Konzept entwickelt, um in kurzen Taktzeiten Gläubige die ganze Nacht über zu den Veranstaltungsorten in München, Regensburg und zu der kleineren Messe im Wallfahrtsort Altötting zu bringen.

Für den S-Bahn-Verkehr in München hat sich die Bahn 18 zusätzliche Züge aus Frankfurt und Stuttgart ausgeliehen, um im Acht-Minuten-Takt ab 3 Uhr mit insgesamt 250 Fahrzeugen die Gläubigen zu befördern. Vom zentralen Ostbahnhof aus, wo Züge wie S-Bahnen halten, führt dann ein etwa acht Kilometer langer Pilgerweg in Richtung Osten zum Gottesdienst-Platz auf dem früheren Bundesgartenschau-Gelände an der neuen Messe. Insgesamt ist die Bahn nach eigenen Angaben in der Lage, rund eine Million Menschen zu den Veranstaltungsorten zu bringen. "Das ist mit Sicherheit eine der größten Leistungen, die je von der Bahn in Bayern verwirklicht wurde", erklärt der Bayern-Bevollmächtigte der Bahn, Klaus-Dieter Josel. 850 Mitarbeiter werden in Bayern zusätzlich eingesetzt. In verschiedenen Regionalbahnhöfen wie etwa in Haar bei München hat die Bahn alte Bahnsteige reaktiviert, um für den Papst-Besuch dort Pendlerzüge ankommen zu lassen. Auch in Altötting wurde der alte dritte Bahnsteig wieder hergerichtet. Im 20-Minuten-Takt sollen dort am Tag des Papst-Gottesdienstes die Züge anrollen. "Das hat Altötting auch noch nicht erlebt", sagt ein Bahn-Sprecher.

Michael Able, Reuters / Reuters