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Pläne der Großen Koalition: Führerschein soll für Neulinge 200 Euro teurer werden

Die schwarz-rote Koalition hat verkehrspolitische Pläne: Der Führerschein wird schwieriger und – geschätzt – 200 Euro teurer. Auch für die Oldies am Steuer könnte sich einiges ändern.

Von Hans Peter Schütz

Neulinge könnten beim Führerschein zukünftig tiefer in die Tasche greifen.

Neulinge könnten beim Führerschein zukünftig tiefer in die Tasche greifen.

Die Botschaft von CDU/CSU und SPD an viele Verkehrsteilnehmer gehört nicht zu den medialen Knüllern des Koalitionsvertrags, obwohl sie viele Bundesbürger betreffen dürfte. Sie kommt im Kapitel "Verkehr" ziemlich harmlos daher: "Die Ausbildung der Fahranfänger wollen wir verbessern und die Qualität der pädagogischen Ausbildung der Fahrlehrer erhöhen. Das begleitete Fahren wollen wir optimieren und in der Fahranfängerausbildung ein Mehr-Phasen-Modell auch unter Einbeziehung von Fahrsicherheitstrainings entwickeln. Die medizinisch-psychologische Untersuchung wird überarbeitet. Mit Blick auf die ansteigende Anzahl der älteren Verkehrsteilnehmer setzen wir uns dafür ein, dass die Anzahl der freiwilligen Gesundheitschecks erhöht wird."

In diesen Sätzen steckt die Tatsache, dass der Führerschein in Zukunft noch teurer wird. Schon heute kostet er im Schnitt laut Berechnungen des ADAC bei 25 Fahrstunden rund 1700 Euro, mit erheblichen Schwankungen nach oben und unten, je nach Fahrschule und Gegend in der Bundesrepublik.

Fahrsicherheitstraining für 200 Euro

Zwar sind dank des "begleitenden Fahrens" ab 17 die Unfallzahlen der Neulinge am Steuer gesunken. Die Zahl der Todesopfer im Verkehr war 2012 mit 3600 Opfern zwar so niedrig wie noch nie seit 1950. Aber noch immer sterben im Straßenverkehr täglich zehn Menschen. 2013 soll die Zahl der Verkehrstoten unter 3300 sinken. Die Parteien der Großen Koalition planen das ehrgeizige Ziel bis 2020 diese Zahl im Vergleich zu 2010 (3648 Tote) um 40 Prozent zu senken.

Die Verkehrsexperten des Bundestages halten sie derzeit noch immer für zu hoch. Deshalb soll in der Fahranfänger-Ausbildung nach Bestehen der Führerschein-Prüfung ein neues Modell hinzukommen – eine verbindliche zweite Phase mit zusätzlichem Sicherheitstraining.

Dabei sollen die Schwächen der Neulinge getestet und mit Experten besprochen werden. Dieser Test im Rahmen einer eintägigen Veranstaltung soll etwa ein halbes Jahr nach der Führerscheinprüfung stattfinden. Dieses zusätzliche Fahrsicherheitstraining dürfte etwa 200 Euro kosten, wie die Fahrlehrer schätzen. Dabei werden Situationen geübt, die im normalen Fahrunterricht nicht vorkommen: Etwa die Vollbremsung bei klatschnasser Straße oder zu hoher Geschwindigkeit.

"Es fehlt ihnen einfach an Erfahrung"

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann, Verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion begründete gegenüber stern.de diese zweite Prüfung mit den immer noch bestehenden Schwächen junger Fahrer: "Es fehlt ihnen einfach an Erfahrung im Umgang mit den höchsten Gefährdungsstufen im Verkehr." Zwar seien die Führerscheinabsolventen des "begleitenden Fahrens mit 17" um 20 Prozent weniger an Unfällen beteiligt als Fahranfänger ab 18. Aber Storjohann fordert für die Zukunft eine "zweite nachgelagerte Ausbildungsphase", in der auf speziellen Verkehrsübungsplätzen gefährliche Situationen durchgespielt werden." Wichtig: Bei dieser so genannten Ausbildungsphase, kann man den Führerschein nicht mehr verlieren.

Storjohann verweist darauf, dass das "begleitete Fahren" seit Jahren in Österreich erfolgreich praktiziert wird, wo man ebenfalls zusätzliches Fahrtraining auf besonders risikobelastete Gruppen focussiert. Die Teilnahme ist in Österreich Pflicht, man kann dort auch den Führerschein wieder verlieren.

Skepsis bei den Fahrlehrern

Nach einem Besuch in Österreich forderten er und der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Dirk Fischer (Hamburg), vor zwei Jahren schon die Einführung eines Systems wie in Österreich. Dort gebe es in der Altersgruppe junger Fahrer 30 Prozent weniger Unfälle. Doch sie scheiterten damals dabei, die Fahranfänger zur Nachprüfung, dem sogenannten "Feedbackfahren", zu verdonnern. Auch Verkehrsminister Ramsauer war damals offenbar nicht begeistert von der Idee, den jungen Fahrern noch einen Tag Erfahrungsgewinn zu verordnen. Jetzt aber soll der Gedanke einer zweiten Ausbildungsphase immerhin noch einmal geprüft werden, ob sie "notwendig und sinnvoll" ist.

Unterstützung fanden Fischer und Storjohann damals nur bei der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, die erklärten, der Führerschein-Neuling sei in der Regel sehr gut ausgebildet, aber "danach wird er mutterseelenallein gelassen." Die Fahrlehrer sind zugleich jedoch skeptisch: Vor allem junge Männer könnten durch das Training gefährlicher Situationen verführt werden, noch riskanter zu fahren, im Glauben, man beherrsche jetzt solche Situationen. Die Frage sei auch, ob es genügend Übungsplätze gebe für die Testfahrten.

Ein zweiter Punkt von CDU/CSU, um die Verkehrssicherheit zu verbessern, ist die Fahrtauglichkeit der Senioren am Steuer besser zu testen. Die Zahl der Gesundheitschecks soll bei ihnen erhöht werden. Man müsse den Hausärzten einen Anreiz geben, mit ihren Patienten ihre Fahrtüchtigkeit zu diskutieren. Ein Pflichtbesuch bei einem Amtsarzt ist laut Borjohann nicht vorgesehen. Ein besonderes Problem bei den Senioren, die in ihrem Leben noch keine Brille getragen haben, sei jedoch die Tatsache, dass sie sehr oft das Nachlassen ihrer Sehkraft nicht realisieren. Borjohann: "Wir brauchen diesen Sehtest auch zum Selbstschutz."

  • Hans Peter Schütz