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Plagiatsvorwürfe: Schavan erhält Rückendeckung von Kanzlerin Merkel

Annette Schavan erhält in der Plagiatsaffäre Zuspruch von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Ministerin habe ihr "volles Vertrauen", erklärte Merkel in Berlin.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich vor Bildungsministerin Annette Schavan gestellt, die wegen Täuschungsvorwürfen bei ihrer Doktorarbeit unter Druck geraten ist. "Die Ministerin hat mein vollsten Vertrauen", sagte Merkel am Montag in Berlin. "Sie hat angekündigt, dass sie ihre Stellungnahme gegenüber der Universität abgeben wird. Dann wird die Universität dies zu beurteilen haben." Regierungssprecher Steffen Seibert sagte auf Fragen nach Schavans politischer Zukunft, erst müsse der Promotionsausschuss der Universität über die Doktorarbeit entscheiden. "Auf der Basis dieser Entscheidung können wir dann weiterreden."

Auch Merkel hielt sich bedeckt bei Fragen nach der Zukunft der Ministerin. "Ich habe gesagt, dass die Ministerin mein vollstes Vertrauen hat. Darüber hinaus kann ich heute nichts sagen, sondern wir warten einfach die Reaktion der Universität ab."

Ein Sprecher Schavans erklärte, die Ministerin werde sich erst äußern, wenn sie vom Promotionsausschuss dazu aufgefordert werde. Wann das der Fall sein werde, könne er nicht sagen. Dies liege in der Hand der Düsseldorfer Universität, von der am Montag keine Stellungnahme zu erhalten war.

Schavan in Erklärungsnöten

Ein Gutachter hat der Ministerin nach Medienberichten bewusste Täuschung vorgeworfen. Es ergebe sich das "charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise", stellte der Prüfer der Universität Düsseldorf fest, wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) übereinstimmend aus der Analyse zitierten.

In mehreren Interviews wies Schavan diesen Vorwurf zurück. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt bei der Arbeit an meiner Dissertation versucht zu täuschen", sagte sie der "Rheinischen Post". "Sobald mir der Promotionsausschuss Gelegenheit dazu gibt, werde ich zu den Vorwürfen Stellung nehmen", kündigte die CDU-Politikerin an.

"Ich lasse mir das nicht bieten", sagte Schavan der "Südwest Presse". Zwar könne sie sich nach mehr als 30 Jahren "natürlich nicht mehr an alle Einzelheiten genau erinnern". Sie habe aber eine Quelle gehabt, sagte Schavan und äußerte sich überzeugt, dass von den Vorwürfen "nichts übrig bleibt".

Sie kritisierte zugleich das Bekanntwerden von Einzelheiten des Gutachtens: "Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, dass ein vertrauliches Gutachten eines Hochschullehrers der Presse vorliegt, bevor die Betroffene von der Existenz des Gutachtens weiß", so Schavan in der "Rheinischen Post".

VroniPlag-Gründer fordert Schavans Rücktritt

Der Gründer der Plagiat-Plattform VroniPlag, Martin Heidingsfelder, forderte derweil Schavans Rücktritt. "Das Gutachten scheint eindeutig und zumindest nicht entlastend", sagte Heidingsfelder. Schavan müsse die politischen Konsequenzen tragen. "Ein Landwirtschaftsminister muss nicht unbedingt eine Kuh melken können. Aber der akademische Hintergrund einer Wissenschaftsministerin muss blütenrein sein", sagte Heidingsfelder. "Sie schädigt sonst das Ansehen der Politiker, der Wissenschaft, der Union und der Regierung."

Heidingsfelder hatte sich an die Überprüfung der Doktorarbeit gemacht, nachdem die Plattform VroniPlag entschieden hatte, das Thema nach einer ersten Prüfung nicht weiter zu verfolgen, weil sie die Vorwürfe eines unsauberen Zitierens anderer Quellen für nicht so gravierend hielt.

Fakultätsrat fällt Urteil

Die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität überprüft seit mehreren Monaten Schavans Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 auf Plagiatsvorwürfe. Wie "Spiegel" und "SZ" berichten, hat der Gutachter Stefan Rohrbacher auf 60 von 351 Seiten Mängel gefunden. "Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren", heißt es demnach in der vertraulichen Analyse.

Allerdings sei noch nicht sicher, ob Schavan ihren Doktortitel verliere. Die Entscheidung treffe nach Auskunft der Universität Düsseldorf in den kommenden Tagen der Fakultätsrat auf Grundlage des Berichts.

kng/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters