Pogrom-Jahrestag Neonazis randalieren an Gedenkstätte


Nach einer Gedenkfeier zum Jahrestag der Pogromnacht vor 68 Jahren haben Rechtsextreme an einer jüdischen Gedenkstätte in Frankfurt/Oder randaliert. 16 Neonazis wurden festgenommen.

Rechtsextreme haben in Frankfurt (Oder) nach einer Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht vom 9. November 1938 an einem Synagogengedenkstein randaliert. Mehrere Jugendliche und junge Männer hätten Blumengebinde von dem Gedenkstein gerissen und Kerzen auf die Straße geworfen, teilte die Polizei mit. Als sie einschritt, hätten einige Rechte "Sieg Heil" gerufen.

Randalierer einschlägig bekannt

16 Randalierer im Alter zwischen 15 und 24 Jahren wurden vorläufig festgenommen. Dabei handelt es sich laut Polizei um "einschlägig bekannte Personen der rechten Szene". Die Staatsanwalt hat Ermittlungen aufgenommen. Gegen die rund 200 Teilnehmer einer Gedenkveranstaltung, die vor den Krawallen bei dem Gedenkstein stattfand, habe es nach bisherigen Erkenntnissen keine Angriffe gegeben, teilte die Polizei mit. Der Gedenkstein markiert den früheren Standort der Synagoge. Freitagnacht bewachte die Polizei den Platz, um weitere Randale zu verhindern.

Die Polizei in München teilte unterdessen mit, dass sich die Rechtsextremisten dort an bestehende Versammlungsverbote während der Einweihung der neuen jüdischen Synagoge gehalten hätten. Es sei ruhig geblieben. In Essen hatte sich die Polizei auf Krawalle von Rechtsextremen vorbereitet, nachdem hier ebenfalls eine Demonstration untersagt worden war. Doch auch hier blieb es ruhig, wie die Polizei mitteilte.

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in ganz Deutschland hunderte Synagogen zerstört, Juden wurden angegriffen und totgeschlagen. Auslöser war eine Rede von Nazi-Propagandachef Joseph Göbbels. Einer aktuellen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge ist der Rechtsextremismus in Deutschland weiter tief verwurzelt. Fast jeder zehnte Deutsche hat danach antisemitische Einstellungen.

Bundespräsident Horst Köhler hatte am Donnerstag bei der Einweihung der neuen Hauptsynagoge in München erklärt: "Auch heute stoßen sich unsere Träume von einer Normalität jüdischen Lebens in Deutschland an einer Wirklichkeit, in der es offenen und latenten Antisemitismus gibt und in der die Zahl rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten steigt."

DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker