Presseball Tanzverbot am 9. November


Günther Oettinger erneut in der Kritik: Diesmal geht es um den baden-württembergischen Landespresseball, der am Jahrestag der Reichspogromnacht stattfinden soll. Zwar hat der Landesvater ein Tanzverbot ausgesprochen, aber das geht dem Zentralrat der Juden nicht weit genug.

Sieben Monate nach der Aufregung um seine Trauerrede für Hans Filbinger hat der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) abermals Ärger mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland. Hintergrund ist der diesjährige Stuttgarter Landespresseball, der am 9. November stattfinden soll, dem 69. Jahrestag der Pogromnacht. Oettinger ist Schirmherr der Veranstaltung und hatte in der vergangenen Woche durchgesetzt, dass die Veranstaltung in einen Galaabend ohne Tanz umgewandelt wird.

"Ich bin und bleibe Schirmherr"

Jetzt kritisierte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, dieses Vorgehen und die Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten. "Ich bin Schirmherr, und ich bleibe Schirmherr", sagte Oettinger in der wöchentlichen Landespressekonferenz. Ein Schirmherr sei nicht gefragt, wenn die Sonne scheine, sondern wenn es regne. Deshalb habe er seine "beratende Funktion" wahrgenommen und darauf gedrungen, dass die Veranstaltung ihren Charakter ändere. In einem persönlichen Telefonat wollte er Kramer dies auch erläutern.

Auf dem Galaabend sollen die Eröffnung durch Varieté-Künstler, der Auftritt einer Flamenco-Gruppe, aber auch des Pop-Duos Marshall und Alexander ungekürzt stattfinden. Die rund 2000 Gäste dürfen nach dem derzeitigen Stand der Planungen aber nicht tanzen. Die Veranstalter der traditionsreichen, karitativen Ballnacht in der Stuttgarter Liederhalle - der Verband Südwestdeutscher Zeitungsverleger, der Deutsche Journalistenverbands und die Landespressekonferenz - hatten die Brisanz des Datums übersehen.

Verweis auf den Fall der Mauer

Vor 17 Jahren, als schon einmal ein Landespresseball an einem 9. November stattfand, hatten die Verantwortlichen eine Verschiebung diskutiert, schlussendlich aber verworfen. Sie verwiesen damals auch auf den Fall der Berliner Mauer, der ebenfalls am 9. November gefeiert wird. Schirmherr 1990 war der damalige Ministerpräsident Lothar Späth, unter den Gästen Oettinger-Vorgänger Erwin Teufel. Weder der Zentralrat noch der damalige württembergische Landesrabbiner Joel Berger hatten Anstoß an der Ballnacht genommen.

Diesmal entschlossen sich Veranstalter und Schirmherr, auch nach einem Kontakt mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, zur Umwidmung in eine Gala ohne Tanzmusik. "Die historische Bedeutung eines Ereignisses in den 30er Jahren wird nicht durch ein Ereignis in den 80er Jahren aufgehoben", so Oettinger. Zugleich erteilte er Forderungen eine Absage, den 9.November zum gesetzlichen Feiertag zu erklären.

Der CDU-Politiker war Mitte April bundesweit in die Schlagzeilen gekommen, nachdem er den Exministerpräsidenten Filbinger auf dessen Beerdigung einen Nazi-Gegner genannte hatte. Nach tagelanger Aufregung, Rücktrittforderungen und einem öffentlichen Rüffel von Bundeskanzlerin Angela Merkel musste Oettinger diese Rede zurücknehmen.


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