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CDU-Mann kandidiert auf AfD-Ticket "Dreister kann man seine eigene Partei kaum herausfordern": das laute Medienecho zu Max Otte

Max Otte
Max Otte tritt für die AfD bei der Bundespräsidentenwahl an – und bekommt nun die Konsequenzen zu spüren.
© Kay Nietfeld / DPA
Max Otte hat die AfD-Nominierung für die Bundespräsidenten-Kandidatur angenommen. Die CDU-Spitze zog daraufhin Konsequenzen – und hat ihm seine Mitgliedsrechte entzogen. So kommentiert die Presse die Entscheidung der Partei. 

Am Dienstagabend teilte die CDU mit, Max Otte vorläufig aus der Partei auszuschließen. Sein Verhalten sei ein "erheblicher Verstoß" gegen CDU-Grundsätze und habe der Partei "schweren Schaden zugefügt", sagte Generalsekretär Paul Ziemiak. Der CDU-Bundesvorstand habe Otte deshalb bis zur Entscheidung eines Parteigerichts "mit sofortiger Wirkung und bis auf weiteres vorläufig ausgeschlossen".

Otte hatte die Nominierung durch die AfD am Dienstagnachmittag als "große Ehre" bezeichnet und sah keinen Widerspruch zu seiner CDU-Mitgliedschaft. Es gehe um "das höchste Staatsamt, das über den Parteien steht", sagte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit AfD-Chef Tino Chrupalla und der Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel. Dies sei "keine Zusammenarbeit" mit der AfD und damit kein Verstoß zur CDU-Beschlusslage. So fällt das Medienecho aus.

"Das Problem mit der Abgrenzung hat die CDU noch nicht gelöst"

"Frankfurter Rundschau": "Zum Amtsantritt des neuen CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz ermöglicht Christdemokrat Max Otte mit seiner Zusage als Bundespräsidentkandidat für die AfD seinem Parteichef, sich als harter Kämpfer gegen rechts zu profilieren. Wer ohne Absprache für eine andere Partei kandidiert, verstößt gegen Regularien – so einfach, so formal. Otte lässt der CDU gar keine andere Wahl, als ihn hinauszuwerfen. Lange hatte die CDU vorher mit einer klaren Distanzierung zu Otte gezögert – und das, obwohl der mehr als einmal auffällig geworden ist. Die CDU hat zugesehen, gezaudert, abgewartet. Sie hatte Probleme, ihre Grenzen mehr als nur mündlich deutlich zu ziehen. Nun wird Otte gehen müssen. Das Problem mit der Abgrenzung hat die CDU damit noch lange nicht gelöst. Auch Hans-Georg Maaßen flirtet mit Positionen rechts der CDU. Wenn Merz seinen Hinweis, es dürfe kein Liebäugeln mit der AfD geben, ernst nimmt, müsste er auch bei dem aus dem Gleichgewicht geratenen Ex-Verfassungsschutzchef Konsequenzen ziehen."

"Südkurier": "Dreister kann man seine eigene Partei kaum herausfordern. Max Otte, Vorsitzender der konservativen Werteunion und Chefquälgeist der CDU, tritt bei der Bundespräsidentenwahl an – als Kandidat der AfD. Er kann nicht im Ernst glauben, dass seine Parteifreunde ihm einen derartigen Affront durchgehen lassen. Gibt er sein Parteibuch nicht freiwillig zurück, zwingt er die Christdemokraten, ihn hinauszuklagen. Denn die Abgrenzung nach rechts ist für die CDU eine Frage der Glaubwürdigkeit geworden. Die Zeiten, als manche Unionspolitiker der Konkurrenz von der AfD klammheimlich zublinzelten, sind längst vorbei. Auch der neue Parteichef Friedrich Merz hat den Versuch, am rechten Rand verlorene Wähler zurückzugewinnen, abgehakt. Die AfD, wie sie sich heute darstellt, ist für die CDU kein potenzieller Koalitionspartner und erst recht kein ideologischer Verbündeter, sondern ein knallharter politischer Gegner. Otte versteht das immer noch nicht. Die AfD schon. Deshalb stellt sie ihn auf."

"Badische Zeitung": "Dass es der AfD überhaupt gelingt, die CDU hier zu piesacken, haben die Christdemokraten sich selbst zuzuschreiben – sie hätten schon früher die Reißleine bei Figuren wie Otte oder Hans-Georg Maaßen ziehen sollen. Trotzdem hat Friedrich Merz beste Chancen, den AfD-Angriff in einen Erfolg für sich zu verwandeln. Das nun eingeleitete Ausschlussverfahren gegen Otte ist aussichtsreich – und der neue Chef kann sich als konsequenter Aufräumer zeigen."

"Heilbronner Stimme": "Selbst für Teile der erzkonservativen Werte-Union, der er seit vergangenem Mai vorsteht, ist Max Otte nicht mehr haltbar. So trat Hans-Georg Maaßen gestern als Reaktion auf Ottes Kandidatur aus der Werte-Union aus. Ausgerechnet Rechtsausleger Maaßen, über dessen Parteiausschluss in der CDU heftig debattiert wurde, die Parteispitze um Armin Laschet sich aber nicht zu diesem Schritt durchringen konnte. Diese Blöße wird sich der neue CDU-Chef Friedrich Merz nicht geben. Max Otte hat ihm die Steilvorlage gegeben, um Führungsstärke zu zeigen."

"Reutlinger General-Anzeiger": "Wer für eine andere Partei kandidiert, zumal für eine, deren Werte nach eigenen Worten den eigenen Werten widersprechen, der handelt eindeutig parteischädigend. Anders etwa als Boris Palmer, der nur in Einzelfragen Teilen der Grünen diametral gegenübersteht. Durch das anstehende Verfahren hat Otte das, was er will: Öffentlichkeit. Aber nach seinen markigen Ankündigungen hat Parteichef Merz nun keine Wahl. Er muss versuchen, Otte aus der CDU zu schmeißen. Aber vielleicht geht der ja sogar freiwillig. Und zwar zur AfD. Der steht er in der Tat sehr nahe. Von 2018 bis 2021 war Otte nämlich Vorsitzender des Kuratoriums der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES)."

mhö DPA

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