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Protest gegen Stuttgart 21 "Hallo, geht's noch?" - Gegner ketten sich an Bagger fest


Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 haben erneut die Abrissarbeiten am Hauptbahnhof gestört. Zehn Aktivisten hätten den Bauzaun vor dem Nordflügel überwunden, teilte die Polizei mit. Drei von ihnen seien dann auf den vor dem Gebäude stehenden Abrissbagger geklettert und hielten diesen seitdem besetzt.

Drei Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 sind am frühen Montagmorgen auf einen etwa zehn Meter hohen Großbagger am Nordflügel des Bahnhofs geklettert und haben sich dort festgekettet. Mit Hängematten richteten sie sich dort ein. Zudem befestigten sie ein großes Transparent mit den Worten "Hallo, geht's noch?". Mit der Aktion sollten die weiteren Abbrucharbeiten am Bahnhof verhindert und 300 Bäume nahe der Baustelle gerettet werden, sagte ein Sprecher der Gruppe der Nachrichtenagentur dpa.

Rund 100 Unterstützer des Protests demonstrierten vor dem Bauzaun. Ein Sprecher forderte unter lautem Beifall: "Die Bahn muss endlich aufhören, Fakten zu schaffen. Heute erledigen wir das für sie." Er nannte es arrogant, dass Bahnchef Rüdiger Grube Gespräche anbiete, aber die Abrissarbeiten fortsetzen wolle.

Ein Polizeisprecher erklärte am Morgen, aus Sicherheitsgründen wollten die etwa 20 Beamten vor Ort die Demonstranten zunächst nicht vom Bagger holen. Etwa sieben weitere Aktivisten, die ebenfalls über eine Absperrung auf das Baustellengelände geklettert waren, wurden inzwischen vorläufig festgenommen.

Seit Wochen stehen sich Gegner und Befürworter des Bahnprojekts Stuttgart 21 unversöhnlich gegenüber, am Freitagabend hatten bei einer Großdemonstration über 30 000 Menschen gegen das Vorhaben protestiert. Am Montagvormittag will sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) zu dem von Bahnchef Grube vorgeschlagenen runden Tisch äußern. Grube hatte am Freitag angekündigt, sich im September erstmals mit Kritikern zu einem Meinungsaustausch treffen zu wollen.

Zum Knackpunkt wird dabei seine Aussage, während des Treffens die Abbrucharbeiten am Nordflügel des Bahnhofes nicht aussetzen zu wollen. Der Chef der Bürgerinitiative Leben in Stuttgart, Gangolf Stocker, machte einen Baustopp zur Bedingung für eine Teilnahme. Er kritisierte den Manager am Wochenende heftig. "Grube ist ein absoluter Trickser und Täuscher", sagte Stocker der Nachrichtenagentur dpa.

Am Montagabend wollen erneut mehr als 10 000 Gegner vor dem Nordflügel demonstrieren. Dazu werden der ehemalige Fraktionschef der SPD im Stuttgarter Gemeinderat, Siegfried Bassler, die Kabarettisten Uwe Spinder und Christine Prayon sowie der Schauspieler Walter Sittler als Redner erwartet.

Bei dem 4,1 Milliarden Euro teuren Projekt Stuttgart 21 soll der Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgewandelt und an die künftige Schnellbahntrasse nach Ulm angeschlossen werden. Kritiker halten das Bauvorhaben unter anderem für zu teuer.

DPA/APN DPA

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