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Waffen Augsburger Unternehmer soll illegal Maschinen für Raketenbau nach Russland geliefert haben

Die russische "Avangard"-Hyperschallrakete
Die russische "Avangard"-Hyperschallrakete
© Uncredited/ / Picture Alliance
Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen einen Augsburger Unternehmer erhoben, der Technik zum Raketenbau nach Russland geliefert haben soll. Einen ähnlichen Fall gab es erst kürzlich.

Ein Augsburger Unternehmer soll russischen Stellen illegal Maschinen geliefert haben, die für den Bau von Raketen geeignet waren. Die Bundesanwaltschaft hat jetzt Anklage gegen den 41-Jährigen Unternehmer Alexander S. und einen Mitangeklagten erhoben. Bereits im Februar war Alexander S. festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Seit Januar 2016 soll er computergesteuerte Werkzeugmaschinen im Wert von acht Millionen Euro bei Herstellern in Deutschland beschafft und dann an einen staatlichen russischen Rüstungskonzern, der Raketensysteme für die dortige Armee herstellt, geliefert haben. Auch ein russischer Geheimdienst soll involviert sein.

Für das deutsch-russische Verhältnis droht damit eine zusätzliche Belastung - neben dem Fall des Giftanschlags auf den Oppositionspolitiker Alexej Nawalnyj und dem Prozess um den Tiergartenmord an einem Georgier in Berlin, für den ein russischer Geheimdienst den Auftrag erteilt haben soll.

Im Fall des Augsburger Unternehmers  könnten die Maschinen nach den Erkenntnissen der Ermittler für den Bau von Atomwaffen gedacht gewesen sein. In einem Vortrag auf einer Fachtagung in Berlin Ende Februar deutete das der zuständige Bundesanwalt Stephan Morweiser an. Es habe sich um Technologie für eine Nutzung "nicht im konventionellen Bereich" gehandelt.

+++ Lesen Sie hier die die ganze Geschichte: Der Nachbar, der Russland beim ABC-Waffenbau hilft +++

Bereits im Januar hatte das Oberlandesgericht Hamburg einen 70-jährigen russischen Staatsbürger, der in Baden-Württemberg lebte, wegen ähnlicher Delikte zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte für über 1,8 Millionen Euro Decaborane genannte Chemikalien und sogenannte heißisostatische Pressen nach Russland liefern lassen, die dort nach Ansicht des Gerichts für eine "Verwendung im Bereich der Trägertechnologie" bestimmt waren, also für Raketen des russischen Militärs.

Deutsche Ermittler stoßen jüngst vermehrt auf Fälle, in denen Geschäftsleute in der Bundesrepublik als Beschaffer für Wladimir Putins ABC-Waffenprogramm geworben wurden. Die überraschende Erkenntnis, auch für die Ermittler: Russland braucht beim Bau von Atombomben und Raketen Hilfe aus Deutschland und anderen westlichen Ländern - trotz aller eigenen Erfahrung auf diesem Gebiet. "Russland ist auf westliche Technologie angewiesen", sagte Bundesanwalt Morweiser im Februar in Berlin.


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