HOME

Rechtsextremismus in Ostdeutschland: Jahn sieht Wurzeln bereits in der DDR

Schon zu Zeiten der DDR gab es kleine Nazitruppen in Ostdeutschland. Die Stasi wusste Bescheid - doch vor den Ursachen verschlossen die Staatsspitzel ihre Augen.

Der Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, Roland Jahn, sieht die Ursachen für das Erstarken des Rechtsextremismus in Ostdeutschland auch in der DDR. Stasi-Akten belegten, dass es in der DDR Rechtsextremismus gab, sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Verborgenen, sagte Jahn der "Frankfurter Rundschau" (Montagsausgabe). Die Stasi habe die Zahl rechtsradikaler Skinheads in der DDR auf etwa tausend geschätzt, es sei aber unklar, ob diese Zahl den Tatsachen entspreche.

Jahn forderte, bei der Ursachensuche die DDR-Zeit aber auch die Zeit des Umbruchs zu betrachten. Schon bald nach der Wende hätten ihm junge Neonazis gesagt, sie seien "nicht angepasst" wie ihre Eltern in der DDR und stünden zu ihrer Meinung. Jahn sagte, die Stasi habe "das ganze Instrumentarium bis zum Einsatz von Spitzeln" genutzt, aber nicht wirklich die Ursachen erforscht. Sie habe den Beweis führen wollen, dass die rechtsextremistischen Positionen "vom westlichen Klassenfeind" kamen. Es stehe fest, dass es zwischen den Denkmustern der offiziellen Propaganda in der DDR und der Neonazis Übereinstimmungen gegeben habe, beispielsweise den Militarismus und das Unterdrücken anderer Meinungen.

Die jahrelang unentdeckt gebliebene Zwickauer Neonazi-Zelle soll zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordet haben. Außerdem werden der Gruppe zwei Sprengstoffanschläge in Köln 2001 und 2004 mit insgesamt 23 Verletzten sowie eine Serie von Banküberfällen zur Last gelegt.

AFP/DPA / DPA