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Heftige TV-Debatte Precht geht bei "Lanz" Spiegel-Journalistin Amann an: "Sie haben gar nicht verstanden, worüber wir reden"

Richard David Precht und Melanie Amann bei "Lanz"
Kommen bei "Lanz" auf keinen gemeinsamen Nenner: Richard David Precht und Melanie Amann.
Seit Tagen sorgt die Medienkritik von Richard David Precht und Harald Welzer für heftige Diskussionen. Auch der stern berichtete groß darüber. Bei "Lanz" kam es nun zum direkten Duell zwischen Kritikern und Kritisierten.

Wie sag ich's meinem Publikum? In der Erörterung dieser Frage erlebten der Philosoph Richard David Precht und der Soziologe Harald Welzer am Mittwochabend bei "Markus Lanz" im ZDF eine Lehrstunde. Mit ihrer im Buch "Die vierte Gewalt" ausführlich geäußerten Medienkritik sind die beiden Autoren derzeit in aller Munde – bei Medienschaffenden wie beim Publikum gleichermaßen. Auch der stern berichtete ausführlich und wagte ein Streitgespräch mit den beiden.

Am Mittwoch nun wagte ZDF-Moderator Lanz die direkte Konfrontation. Er lud seinen Podcast-Partner Precht und dessen Co-Autor zum direkten Duell mit von ihnen konkret kritisierten Journalisten – Melanie Amann vom "Spiegel" und Robin Alexander von der "Welt". Nichts anderes als eine Runde von Talkshow-Profis, sind doch alle vier ständige Gäste in den Polit-Talks des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Und es wurde – wie nicht anders zu erwarten – ein hitziges Duell.

Richard David Precht: "Sie haben gar nicht verstanden, worüber wir reden"

So hitzig, dass es irgendwann persönlich wurde. Von Beginn der Diskussion an gaben sich Precht und Welzer erstaunt darüber, wie ihr Buch, in dem "den Medien" im Kern die Unterdrückung von Meinungen vorgeworfen wird, von Amann und Alexander gelesen und verstanden worden war. "Das steht doch überhaupt nicht drin", war der wohl meist geäußerte Satz von Precht und Welzer, in deren Gesichter schon bald überdeutlich zunehmendes Unverständnis abzulesen war. "Spiegel"-Frau Amann gab wiederholt zurück, dass die Autoren schon damit rechnen müssten, dass Leserinnen und Leser einen Text auf ihre Weise verstehen und interpretieren würden. 

Doch damit drang die renommierte Hauptstadt-Journalistin vor allem bei Precht nicht durch. Der prominente Philosoph wurde persönlich: "Es steht nicht in dem Buch, dass Twitter Teufelswerk ist. Das steht einfach nicht drin", beklagte Precht zunächst aus seiner Sicht unberechtigte Kritik. Dann geht er die Journalistin direkt an: "Am Anfang habe ich gedacht, das ist Absicht. Inzwischen habe ich den Verdacht, Sie haben gar nicht verstanden, worüber wir reden." Amann verzieht das Gesicht, schließt die Augen und zuckt mit den Schultern. In Prechts Versuch weiterzureden hinein, sagt die 44-Jährige mit teils säuerlicher, teils mühsam amüsierter Mine: "Es kann sein, dass das zu kompliziert ist für mich ... kann sein." Danach führt Precht noch aus, dass die Personalisierung von Debatten auf Twitter Eingang in die Hauptmedien gefunden habe.

An anderer Stelle der Sendung hatte Amann bereits darauf hingewiesen, dass die Zeiten, in denen Twitter-Postings an sich eine Nachricht waren, vorbei seien – mit der Ausnahme von Statements wichtiger Politiker zu aktuellen Themen. Ansonsten seien die sozialen Medien inzwischen nur noch Rohstoff für die journalistische Arbeit.

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Der Versuch in der Sendung, den durch die Kritik angegriffen wirkenden Precht und Welzer zu belegen, dass ihr Vorwurf der Unterdrückung von Standpunkten vor allem im Bezug auf die Berichterstattung zum Ukraine-Krieg auf tönernen Füßen stehe, misslang. Als "Welt"-Journalist Robin Alexander den beiden Autoren vier West- und Ukraine-kritische Stücke aus seiner Zeitung präsentierte, tat Precht das mit dem Hinweis ab, da habe Alexander vier passende Ausnahmen gefunden.

Belege für ihren medienkritischen Thesen blieben die Autoren ihrerseits während des hitzigen Duells zwischen Geisteswissenschaftlern und Medienschaffenden weitgehend schuldig. Am Tag zuvor hatte der Publizist Nils Minkmar im Medienkritik-Portal "Über Medien" beim Precht-Welzer-Buch bereits "bedauert", dass die beiden Autoren "nicht die Zeiten hatten, in Redaktionen zu recherchieren oder einen Journalisten oder eine Journalistin hinzuzuziehen". Minkmars Seufzer wurde auch bei "Lanz" zitiert: "Hätten Precht und Welzer doch einfach mal jemanden gefragt!"

Sehen Sie die komplette "Markus Lanz"-Sendung in der ZDF-Mediathek

dho

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