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Grünen-Parteichef: Der Höhenflug des Robert Habeck - kann ein Grüner Kanzler?

Warum eigentlich nicht? Auf Robert Habeck kommt nach dem Triumph seiner Partei bei der Europawahl zwangsläufig die Rolle des Herausforderers zu. Denn die Grünen sind auf dem Weg zur zweiten politischen Kraft in Deutschland, mindestens.

Robert Habeck: Kann der Grünen-Vorsitzende Kanzler werden?

Was hat er, was die Volksparteien nicht mehr haben? Robert Habeck, 49, Parteichef der Grünen seit Anfang 2018.

Ende April besuchte Robert Habeck in Greifswald den Fusionsreaktor Wendelstein 7-X, wo Atomkraft ohne GAU-Gefahr und Endlager-Stress erforscht wird. Hier werden keine Atomkerne gespalten, sondern fusioniert. Fasziniert lauschte Habeck im Max-Planck-Institut dem Projektleiter, der über Plasma sprach, das weder fest noch flüssig noch gasförmig ist, sondern Materie "im vierten Aggregatzustand", ganz anders irgendwie. Seitdem lässt Robert Habeck dieser Begriff nicht mehr los: "Ich glaube, so etwas passiert gerade in der Politik."

Alles ändert sich. Die alten Gewissheiten, die alten Regeln scheinen nicht mehr zu gelten. Streikende Schüler treten eine weltweite Bewegung los. Ein Youtuber mit blauen Haaren treibt eine Volkspartei in die Verzweiflung. Und die Grünen? Sind stärker als die Volkspartei SPD.

Der Trend ist ein Öko

Bei den Europawahlen, lagen sie zum ersten Mal bei einer bundesweiten Abstimmung vor den Sozialdemokraten. Um runde fünf Prozent. Sie erreichten etwa 21, die SPD – noch immer gefühlte Volkspartei – kam mit Mühe an 16 Prozent heran.

Nicht in Umfragen gewannen die Grünen deutlich dazu, sondern in der einzigen Währung, die in der Politik zählt: bei den Wählerstimmen. So markiert dieser Wahlsonntag so etwas wie eine Zeitenwende. Die Politik wechselt den Aggregatzustand.

Im Mittelpunkt standen nicht die beiden Spitzenkandidaten der grünen Partei, Franziska Keller, genannt Ska, und der Attac-Mitbegründer Sven Giegold. Im Mittelpunkt stand: Robert Habeck. Dabei war der Parteichef extra nach Bremen gereist, an die politische Peripherie sozusagen, wo die Genossen sich gerade von einer weiteren Gewissheit verabschieden mussten, der nämlich, dass die Hansestadt auf ewig rot dominiert wird. Die grünen Mitregenten gewannen natürlich Stimmen hinzu. Habeck hätte auch nach Görlitz fahren können, wo eine grüne Kandidatin erstmals im Osten ernsthaft um das Amt der Oberbürgermeisterin kämpft. Oder in die alte Arbeiterstadt Mannheim, wo seine Partei, inzwischen kaum noch überraschend, bei der Kommunalwahl ordentlich absahnte.

Der Trend ist ein Öko, wohin man schaut.

Läuft auch in Bremen: Habeck auf der Wahlparty der Grünen mit der Spitzenkandidatin Maike Schaefer (links)

Läuft auch in Bremen: Habeck auf der Wahlparty der Grünen mit der Spitzenkandidatin Maike Schaefer (links)

"Das Ergebnis übertrifft alle Erwartungen und ist ein einziger Auftrag, dass wir diesem großen Zuspruch standhalten können", schwurbelte Habeck so gar nicht Habeck-like am Wahlabend. Er wirkte fast erschrocken über die Wucht des Erfolgs. Er ahnte wohl auch, welche Erwartungen nun auf ihn und seine Partei zukommen werden. Und welcher Gegenwind. CSU-Chef Markus Söder hat Habecks Grüne bereits zum künftigen Hauptgegner erklärt – und die Union aufgefordert, "jünger, cooler, offener" zu werden. Er hätte auch sagen können: grüner.

Stimmt schon: Politik ist kein langer, ruhiger Fluss. Im Gegenteil. Politik verläuft in Wellenbewegungen. Manchmal entstehen diese Wellen durch besondere Ereignisse, wie es bei der Flüchtlingskrise 2015 der Fall war, die den Rechtspopulismus beförderte und die AfD größer werden ließ. Manchmal aber gibt es lange existierende Unterströmungen, die sich zu etwas Besonderem aufbauen – zu einem Zeitgeist. So ist es aktuell bei der Sorge um den Planeten, bei der Klimafrage und den Grünen. Es ist die perfekte Welle. Und die Grünen surfen auf ihr, weil sie die passende Erzählung dazu haben – und den passenden Mann zu dieser Erzählung. Robert Habeck eben.

Notfalls auch zum Putsch bereit

So dringen die Grünen in diesen Wochen in neue, so noch nicht gekannte Vorstellungswelten vor, was fast logischerweise die Frage aufwirft, wo eigentlich der Aufschwung in den nächsten Jahren enden kann oder sollte. Im Kanzleramt?

Die Frage muss man stellen.

Natürlich ist nicht alles Robert Habeck zu verdanken. Es sind genau genommen drei Duos, die den momentanen Erfolg erklären: Neben dem Spitzen-Duo aus Habeck und seiner Kollegin Annalena Baerbock ist es das abtörnende GroKo-Duo aus Union und SPD und das aufwühlende Klima-Duo aus Dürresommer und "Fridays for Future". Und dann ist da auch noch eine Verschiebung im Parteiensystem, wie sie der Wahlforscher Matthias Jung beobachtet: "Ein Großteil der Wähler nimmt die CDU als nach rechts wandernd wahr und die SPD als immer weiter links. Dadurch ist ein erheblicher Spielraum in den modernen Mittemilieus frei geworden. Diesen Spielraum nutzen die Grünen durch ihre Neupositionierung als bürgerliche Partei."

Weggefährten: Habeck mit Co-Grünen-Chefin Annalena Baerbock

Weggefährten: Habeck mit Co-Grünen-Chefin Annalena Baerbock

Oder anders gesagt: Grüne Themen sind gerade en vogue. Vom Hambacher Forst bis zu Bienensterben und Plastikmüll. Mittlerweile halten die Deutschen laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen nicht mehr die Flüchtlingspolitik, sondern den Umweltschutz und die Energiewende für die wichtigsten politischen Aufgaben. Zum ersten Mal überhaupt.

Das war auch mal ganz anders. Noch im April 2017, kein halbes Jahr vor der letzten Bundestagswahl, sah es verdammt eng aus für diese Grünen. In Umfragen näherten sie sich kurzzeitig gar der Fünfprozenthürde. Damals schienen den Wählern Flüchtlinge noch deutlich gefährlicher als der Klimawandel. Im Saarland war die Partei gerade mit glatt vier Prozent aus dem Landtag geflogen, und in Berlin sprach Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt aus, was ohnehin jeder spürte: Grüne Themen würden "gerade nicht wahrgenommen als der heiße Scheiß der Republik".

Genau genommen hatten die Grünen die Hosen dermaßen voll, dass sie ihre mageren 8,9 Prozent, die sie am Ende holten, fast schon euphorisch feierten. Wären es weniger geworden, hätte es vielleicht noch am Wahlabend gerumst. Aus Kiel war ein Mann angereist, der notfalls auch zum Putsch bereit gewesen wäre. Sein Name: Robert Habeck.

Robert Habeck will Politik für alle - nicht nur für das grüne Millieu

Dieser Habeck wäre zuvor selbst gern Spitzenkandidat geworden, mit neuem Schwung und anderem Credo: "Wir können uns doch nicht damit zufriedengeben, dass wir nur dann Erfolg haben, wenn zufällig gerade irgendwo ein AKW explodiert!", hatte er mit Blick auf die glücklosen Berliner Führungsgrünen gestänkert. Schon damals lagen die Grünen im hohen Norden fünf Prozentpunkte über den Werten der Bundespartei. Habecks Erklärung: "Wir machen hier keine Politik für das grüne Milieu, sondern für alle."

Habeck sprach aus Erfahrung. Fünf Jahre lang war er zuständig für Energiewende, Landwirtschaft und Umwelt, war "Minister für lauter Leute, die mich doof finden", wie er sein Amt mal beschrieb. Er war "immer tief drin in seinen Themen", attestierte ihm CDU-Ministerpräsident Daniel Günther. Eine Eigenschaft, die Habeck dabei half, einen schon fast legendären Streit zwischen Naturschützern und Muschelfischern zu schlichten. Mit allen reden, alle ernst nehmen, das war der Plan. Die Lösung ging 2015 als "Muschelfrieden" in die Annalen des Landes ein.

Habeck mit CDU-Ministerpräsident Daniel Günther

Habeck mit CDU-Ministerpräsident Daniel Günther

Bei den Seinen hat ihm diese Haltung öfter mal Ärger eingebrockt, aber draußen kam das gut an. Ob man acht oder neun Prozent holt, das interessiere ihn eigentlich gar nicht, hat er damals gesagt: "Wir müssen uns fragen: Warum wählen uns 90 Prozent nicht?" Immerhin ist die Zahl der Nicht-Grünen-Wähler nun auf nur noch 80 Prozent geschrumpft.

Es sieht also so gar nicht nach dem "Ende des grünen Zeitalters" aus, das Paul Nolte vor fünf Jahren schon ausgerufen hatte. Er habe sich nicht vorstellen können, dass die Partei noch bürgerlicher und realpolitischer werden konnte, musste der Historiker schon vor Monaten zugeben. Inzwischen seien die Grünen nicht nur eine SPD für Akademiker und Besserverdiener, sie seien zunehmend "auch die CDU für Moralbewusste", wie Nolte feststellt.

In der CDU-Spitze gucken sie neidisch auf die neue Konkurrenz, die keine Probleme mit dem "Epochenthema" Klimaschutz hat – und anders als Union und SPD eine geklärte Führungsfrage. Von der "Street Credibility" bei der "Fridays for Future"-Generation ganz zu schweigen. Eine Generation, die schon bald das Wahlalter erreicht. Und ziemlich grün drauf ist. Bei der Europawahl stimmte jeder dritte Jungwähler für die Grünen.

Erfolg der Grünen hat viele Ursachen

Der Höhenflug seiner Partei sei "multifaktorell", sagt Anton Hofreiter etwas sperrig. Und dann zählt der Fraktionschef die Ursachen auf: die konstruktive Rolle, die die Grünen bei den Jamaika-Verhandlungen gespielt hätten; der Dürresommer, der den Leuten im vergangenen Jahr klargemacht hat, dass an der Warnung vor einer Klimakatastrophe etwas dran sein könnte; der anhaltende Niedergang der SPD; der Streit in der Union – all das hat dazu geführt, dass die Grünen plötzlich als Oppositionsführer wahrgenommen werden, obwohl sie die kleinste Fraktion im Bundestag stellen. Vielleicht gibt es ja nicht nur Scheinriesen, sondern auch Scheinzwerge.

Und dann ist da eben noch dieser neue Mann an der Parteispitze, von dem sogar Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident Günther seine Parteifreunde warnt, er sei als politischer Gegner weitaus "gefährlicher, als viele von uns denken". Günthers einstiger Vize-Ministerpräsident ist das leibhaftige Paradoxon: der einzige Politiker, den die Wähler nicht für einen Politiker halten. Oder dem sie es nicht verübeln.

Er wird gemessen – und als interessant befunden. Der etwas andere Politiker. Schon der Aufzug. Selten Anzug, keine Krawatte. Sondern: Pullover. Turnschuhe. Wuschelfrisur. Typ: netter Nachbar aus der Lehrer-WG nebenan. Mr Nice Guy.

Habeck mit Grünen-Veteran Joschka Fischer

Habeck mit Grünen-Veteran Joschka Fischer

Trennt den Müll, grüßt im Treppenhaus, redet nicht so phrasenhaft daher. "Robert Habeck passt nicht so ganz in die Spitzenpolitikerschablone – immer recht haben, nur Sätze sagen, die tausendfach abgesichert sind. Ihm nimmt man eher ab, was er sagt", sagt Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen.

Habeck hat es – anders als seine Co-Vorsitzende Baerbock – auf die Liste der zehn wichtigsten deutschen Politiker geschafft, die die Forschungsgruppe Wahlen abfragt. Seine Wirkung nach außen ist deutlich größer. Auf der Beliebtheitsskala der zehn Toppolitiker belegt er Platz zwei – hinter Angela Merkel. Matthias Jung vergleicht ihn bereits mit der Kanzlerin – vorerst freilich nur in einem Punkt. "Angela Merkel hat auch immer vom Image profitiert, dass sie ein bisschen anders wahrgenommen wurde als die anderen", sagt der Meinungsforscher. Merkel beherrscht die hohe Kunst, sich als Meisterin der Nichtinszenierung zu inszenieren. Habeck hingegen gibt sich gern als der etwas andere Politiker. Doktor Nichtallwissend.

Viele kennen Robert Habeck gar nicht - aber finden ihn gut

Habecks Beliebtheit resultiert streng genommen aus zwei Faktoren. Der erste ist: Unkenntnis. Ungefähr die Hälfte der Wähler kennt ihn gar nicht oder so oberflächlich, dass sie sich kein Urteil über ihn zutraut – auch in diesem Punkt ist Habeck eine Ausnahme unter dem politischen Spitzenpersonal dieser Republik.

Mag ich, irgendwie.

Aber, und damit zu Faktor zwei: Habeck ist eine riesige Projektionsfläche, was bei allen Unterschieden an Martin Schulz erinnert, den unglückseligen SPD-Kandidaten des Jahres 2017. Schulz war zwar nicht so attraktiv wie Habeck, aber schön reden konnte er auch. Er verglühte in dem Moment, als sich die Wähler anfingen zu fragen: Mag ich den nicht nur – mag ich dem auch das Land anvertrauen?

Der Maßstab an einen potenziellen Kanzler ist gleich ein anderer, größerer. Hält er dem Dauerdruck stand? Kann er ein Land durch eine Krise steuern? Kann er Männern wie Trump und Putin Paroli bieten? Solche Fragen. Es bedeutet: schärfere Beobachtung, schärfere Beurteilung. Habeck und seine Mitstreiter haben keine Lust auf eine Kandidatendebatte.

Kann ein Grüner Kanzler werden?

Kompromisse auch mal gegen die reine Lehre der Grünen: Habeck in der Diskussion mit protestierenden Fischern

Kompromisse auch mal gegen die reine Lehre der Grünen: Habeck in der Diskussion mit protestierenden Fischern

Die Frage sollte man grünen Spitzenpolitikern besser nicht stellen. Anton Hofreiter zum Beispiel entfährt nur ein unwirsches "Haaa ..." Habeck selbst spricht von "Kanzlerquatsch".

Man kann aber auch den Demoskopen Jung fragen, ob die Grünen die SPD als zweite politische Kraft im Land ablösen werden – und erhält wie selbstverständlich die Antwort: "Das haben sie doch schon."

Trotzdem werden die Sozialdemokraten natürlich einen Bewerber fürs Kanzleramt nominieren – so aussichtslos das Unterfangen auch sein mag. Warum also nicht auch die Grünen? Ihre Perspektive ist, Stand heute, viel besser.

In den vergangenen Wochen ist Robert Habeck für den Europawahlkampf durch die Republik getourt. Man hat ihm da oft beim Nachdenken zuhören können, manchmal war es so, als wolle er die Grünen gar nicht an die Macht führen, sondern lieber gleich Bundespräsident werden. So viel Staatsmannspose war dabei.

Moralismus runterfahren

Mittwoch voriger Woche in Mülheim/ Ruhr zum Beispiel, eher altes Malocher-Terrain als Ökotopia, 7,2 Prozent Arbeitslosigkeit, immer noch. Bei der letzten Bundestagswahl machten hier nur 6,7 Prozent ihr Kreuzchen bei den Grünen. Im Restaurant des Ringlokschuppens in Mülheim haben sie Habeck eine runde Mini-Bühne mit rosa Rand hingestellt und zwei große Gourmet-Gastroflaschen "Schlossquelle", ein heimisches Produkt, das er in den gut 60 Minuten seiner Robert-Habeck-Performance leeren wird.

Weil hier in Mülheim gerade von Europa die Rede ist, ist auch Zeit genug, den CDU-Kanzler Helmut Kohl – "der nicht meiner ist" – zu loben: Kohl, der den Krieg erlebt habe, habe den "Horizontalblick" gehabt, den "Blick aufs große Ganze". Robert Habeck hat den auch. Sogar aufs ganz große Ganze. Dann plädiert er für eine Republik Europa und ruft dem Auditorium zu: "Denkt immer an 'Star Wars'. Da geht es auch immer nur um die Republik." Und was da erst für Wesen gemeinsam um eine Zukunft stritten, manche mit Rüsseln und langen Ohren. "Wunderbar!"

Möge die Macht mit dir sein! Ob das ewig gut gehen kann?

"Solange er seine Haare so schön unordentlich frisieren kann, schon", ätzte Peer Steinbrück jüngst in der "FAS". Der einstige SPD-Frontmann zieht jetzt über Kleinkunstbühnen gemeinsam mit einem Kabarettisten namens Florian Schroeder. Dieser Schroeder sekundierte: "Im Moment kann er sich alles rausnehmen, solange er den melancholischen Blick hält und verlässlich im Raum des Ungefähren bleibt."

Millionen Klicks für das Video des Youtubers Rezo: "Die Zerstörung der CDU"

Millionen Klicks für das Video des Youtubers Rezo: "Die Zerstörung der CDU"

Ist das Ausweichen ins Nebulöse Masche? Ja, auch. Es ist aber auch eine Stilfrage. Den in linken Sphären oft überdosierten Moralismus versucht Robert Habeck tatsächlich deutlich runterzufahren. "Das passiert ja nicht aus Versehen", hat er mal erzählt, dass sie den erhobenen Zeigefinger weglassen und manchen billigen politischen Punkt auslassen. Kein Pöbeln mehr, kein Zetern, das haben sie intern verabredet. Als Habeck sich im Frühjahr mal bei einem Tweet im Ton vergreift, zieht er sich komplett aus den sozialen Medien zurück. Und so kommt der Moralismus der Grünen heute charmanter daher und weniger selbstgewiss.

"Wir kämpfen weiter für unsere Ziele, aber wir argumentieren aus der Mitte der Gesellschaft heraus, nicht mehr aus der Nische", hat Habeck im Jahresrückblick-Interview im stern gesagt. Da hat er auch gleich die Parole ausgegeben: Es sei jetzt die Aufgabe der Grünen, "gesellschaftliche Mehrheiten zu politischen Mehrheiten zu machen". Also: auf die Mitte zielen, einladen statt ausgrenzen, Anreiz statt Verbot – und bloß keinen verschrecken mit einem Irrlicht, das jenseits des Zeitgeistes flackert. Ein Selbstläufer ist das nicht.

"Heilsbringer" Robert Habeck

In den eigenen Reihen hüten sich alle, öffentlich gegen Habeck zu stänkern, nicht jetzt. Doch es gibt Kritik, auch und vor allem in der Bundestagsfraktion, wo man den Parteichef nur selten sieht. Er ignoriere die dort versammelte Expertise, frage nicht um Rat – Außenpolitik, Wirtschaft, Digitalisierung oder Verteidigung, das sei nicht so sein Ding, sagen Kritiker. Manche Grüne warnen vor Selbstüberschätzung.

Der Sozi Ralf Stegner, der Habeck aus Schleswig-Holstein kennt, kann sagen, was viele Grüne nur anonym beklagen: "Er ragt schon raus, aber er ist wohl auch ein bisschen berauscht von sich und seinem Erfolg." Ein Ikarus, der Sonne schon sehr nah.

So hat Habeck es vor allem seiner Co-Chefin Annalena Baerbock zu verdanken, dass der Ärger nicht aus dem Ruder läuft. Sie nimmt der Kritik die Spitze, gleicht aus und hält den Laden zusammen. Und doch bleiben da diese Zweifel: Was, wenn da mal eine Flaute kommt oder ein echter Sturm?

Hans-

Es kann so schnell gehen mit den Kräfteverschiebungen in der Politik. Wie schnell, das muss gerade die FDP schmerzlich erkennen. Zwischen Parteichef Christian Lindner und Habeck gibt es durchaus Parallelen, auch jenseits von Coolness-Faktor und Dreitagebart. Auch Lindner war für seine Partei zunächst neues Rollenmodell und dann "Heilsbringer". Er war verantwortlich für den Höhenflug der Liberalen, die Rückkehr in den Bundestag. Doch solch ein Status nutzt sich ab.

Es braucht handfeste Erfolge. Für Robert Habeck. Im Herbst wird in Brandenburg, Sachsen und Thüringen gewählt. Schwappt die Erfolgswelle auch gen Osten? Falls ja, wäre es der Beweis, dass die Grünen mehr sind als eine Milieupartei der westdeutschen Großstädte.

Generation Joschka Fischer muss umdenken

Altvordere wie Lukas Beckmann, der einst die Partei mitgründete, wurden zuletzt öfter gefragt, ob die Grünen denn nun auch das Kanzleramt anstreben. Beckmanns Antwort: "Da kann ich nur sagen: Ja!" Ein Ergebnis von knapp über 20 Prozent könnte womöglich schon reichen, um gemeinsam mit SPD und Linken zu regieren – nicht Rot-Rot-Grün, sondern Grün-Rot-Rot. Abkürzung: GRR!

Auch Joschka Fischer, der bei seinem Abgang alle Nachfolger zur "Playback-Generation" abgestempelt hatte, sieht inzwischen Korrekturbedarf. Es gebe bei den Grünen wieder "Rock 'n' Roller"! Und selbst bei Warnungen schimmert der Optimismus durch, so wie am Wochenende bei Jürgen Trittin. Der antwortet auf die Frage nach einem grünen Kanzlerkandidaten mit: "Nein!" Gilt für sofort, unverzüglich. Gilt nicht, falls sich die Grünen im Osten stabilisieren sollten. Dann, so Trittin, könnte eine Situation entstehen, in der man nachdenken müsse.

Spätestens dann gilt: Einer wie Robert Habeck kann Kanzler werden – was unmöglich war, ist denkbar geworden.

Video: Habeck: "Der Skandal ist, dass eine bürgerliche Partei einfach weitermachen will"


kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(