Podcast "Die Lage – International"
Rohstoffkrise um Iran: „In den Golfstaaten ist Deutschland erstmal unten durch“

Dunkler Rauch steigt über eine Ölanlage im Golfemirat Fudschaira auf, nachdem dort Trümmerteile einer abgefangenen iranischen Rakete eingeschlagen sind. Fudschaira gehört zu den Vereinigten Arabischen Emiraten
Dunkler Rauch steigt über eine Ölanlage im Golfemirat Fudschaira auf, nachdem dort Trümmerteile einer abgefangenen iranischen Rakete eingeschlagen sind. Fudschaira gehört zu den Vereinigten Arabischen Emiraten
© Altaf Qadri
„Nicht unser Krieg“, sagt die Bundesregierung. Die Haltung zum Irankonflikt könnte sich rächen. Denn Deutschland braucht stabile Rohstofflieferungen aus der Golfregion.

Die Haltung der Bundesregierung in der Irankrise wird aus Sicht des Sicherheitsexperten Christian Mölling Deutschlands langfristigen Interessen nicht gerecht. „Wir machen es uns gerade sehr einfach. Aussagen wie ‚Das ist nicht unser Krieg‘ klingen fast nach einem Rückfall in den Fundamentalpazifismus“, sagt Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think Tank „European Policy Center“ in der neuesten Ausgabe des stern-Podcasts „Die Lage – International“. Nach Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine sei der deutsche Wirtschaftsminister in Windeseile in die Golfstaaten geflogen, um die Energieversorgung Deutschlands sicherzustellen. „Robert Habeck hat damals politisches Kapital eingesetzt. Das verbrennen wir gerade“, so Mölling. „In den Golfstaaten sind wir als Partner und Verbündete, glaube ich, erst einmal unten durch.“

Dabei hätte Deutschland nach Möllings Ansicht durchaus Möglichkeiten, im Rahmen des Völkerrechts die angegriffenen Golfstaaten zu unterstützen, „soweit die Angriffe Irans auf die Golfstaaten im Sinne des Völkerrechts nicht legitim sind“. „Was gerade passiert, ist ein Rückfall in eine deutsche Außenpolitik, die wir viel zu lange gesehen haben. Wir nehmen uns selbst aus dem Spiel.“ Dabei sei Deutschland wegen der globalen Vernetzung der Rohstoffmärkte von den steigenden Preisen für Öl und Gas unmittelbar betroffen, egal, ob es sein Öl und Gas aus der Golfregion beziehe oder nicht.

Irankrieg: „Lernstoff für alle in Europa“

Nach dem israelischen Angriff auf das iranische „South Pars“-Gasfeld und Gegenschlägen des Iran auf Gasproduktionsanlagen im Emirat Katar rechnet Mölling nicht mit einer raschen Beruhigung der Lage. „Das ist ein Spiel, das noch viele Kapitel haben dürfte“, so der Experte. „Wir sehen einen ziemlich dichten Konflikt, was den Austausch von Raketenangriffen, aber auch den Einsatz von Flugabwehr angeht“, so der Sicherheitsexperte. „Da steckt viel Lernstoff drin für alle in Europa.“

Für unwahrscheinlich hält Mölling, dass die 2500 Mann starke US-Spezialeinheit der US-Marines, die gerade aus Japan in den Nahen Osten verlegt wird, die Straße von Hormus wieder für die internationale Schifffahrt öffnen kann. „Das bedarf einer sehr komplexen Marine-, Luft- und Landoperation“, sagt Mölling. „Das Räumen einer Mine ist keine Kunst. Aber das Räumen einer Mine in einer Situation, in der Sie gar nicht wissen, was auf Sie zukommt, in der Sie sehr schnell zum Ziel von iranischen Angriffen werden können: Das ist ein Riesenproblem.“

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