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Schlag 12 - der Mittagskommentar : Flüchtlinge bei uns? Interessiert uns nicht wirklich

Menschen fliehen. Die Zahlen sind gewaltig. Doch wir machen so weiter, als würde es sie nicht geben. Die UN hat den 20. Juni zum Gedenktag für Flüchtlinge erklärt. Aber nur gedenken reicht nicht. 

Von Frauke Hunfeld

Eine Asylbewerberin und ihr kleines Kind vor der Zentralen Ausländerbehörde des Landes Brandenburg

Langes Anstehen - große Sorgen: Eine Asylbewerberin und ihr kleines Kind warten auf dem Gelände der Zentralen Ausländerbehörde des Landes Brandenburg

Alles wie immer, oder? Deutschland isst Bio-Möhren, Deutschland sucht den Superstar, Deutschland testet Fitness-Apps. Bald ist Urlaub. 

Niedrigste Arbeitslosenzahlen, Exportüberschüsse, Tariferhöhung. Keiner will sich gegen Masern impfen lassen. Kommt die Schlaghose wirklich zurück? Läuft bei uns. 

Griechenland naja, Ukraine weit weg, Syrien, Somalia, Sudan noch weiter.

Wir tun immer noch, als wäre nichts. Hundertausende suchen Schutz und Zuflucht in unserem Land. Sie haben Angst, sie haben Hunger, sie haben zu viel erlebt. Wir schauen kurz hoch, schauen wieder runter, kriegen wir wegverwaltet. Machen Dienst nach Vorschrift. Vorschriften haben wir viele. Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars, der Rechtsweg ist einzuhalten. Ist er auch. Zum Glück gibt es ihn. Anders als anderswo.

Aber das Chaos wächst. Flüchtlinge werden vergessen, hingeschoben, hergeschoben, abgeschoben, wiedergeholt, vergessen. Dem Bundesamt für Migration, den Ausländerbehörden, den Kommunen ist kein Vorwurf zu machen. Für den Ansturm von soviel Menschen aus aller Welt sind sie nicht gerüstet. Die alten Vorschriften stammen aus einer anderen Zeit. Sie taugen nicht mehr. Und die Kraftanstrengung reicht nicht aus. Dass in den kalten Nächten der deutschen Hauptstadt traumatisierte Flüchtlinge mit ihren Kindern durch die Straßen streifen, auf der Suche nach einer Nische zum Schlafen, das hätte man vor zwei Jahren noch für einen Film gehalten. In diesem Jahr hat die Anlaufstelle für Flüchtlinge mehrfach einfach nicht geöffnet, weil es nichts mehr zu verteilen gab, kein Brot, kein Bett, keine Wartenummern. 

Brauchen wir ein neues Sturmgewehr, eine PKW-Maut, eine neue Autobahn? Vielleicht. Aber erst einmal brauchen wir Hilfe für die Menschen in Not. Unterkünfte, Schulen, Kleidung, Essen, Medizin.

Nichts ist wie immer.

 

Als unsere Autorin Frauke Hunfeld eine Entscheiderin des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge in ihrem Alltag begleitete, lernte sie Flüchtlinge aus unterschiedlichsten Herkunftsländern kennen. Sie erzählten ihr ihre Lebensgeschichten und die Gründe für die Flucht. Allen gemeinsam war die ungebrochene Hoffnung auf ein besseres Leben in Deutschland.