Schröder-"Putsch" CSU hüllt sich in Schweigen


Schröder wollte nach der Wahl 2005 gegen Merkel putschen - und sie durch Stoiber ersetzen, wie der stern berichtet. Die CSU will das weder bestätigen noch dementieren. Dabei soll CSU-Chef Stoiber über den Putschversuch im engsten Kreis gesprochen haben.

Die CSU will Berichte über einen angeblichen "Putschversuch" des damaligen Kanzlers Gerhard Schröder (SPD) gegen Angela Merkel (CDU) im Jahr 2005 öffentlich weder bestätigen noch dementieren. CSU-Generalsekretär Markus Söder sagte in München auf Fragen von Journalisten: "Wer den Fernsehauftritt von Gerhard Schröder am Wahlabend verfolgt hat, hat sehen, hat spüren können, dass Schröder um jeden Preis Kanzler bleiben wollte und dass er um jeden Preis Angela Merkel verhindern wollte", sagte Söder. "Für die CSU ist und war es allerdings nie ein Thema, zu keinem Zeitpunkt. Wir haben andere Probleme, als über das Ende des ehemaligen Kanzlers nachzudenken." Nähere Angaben über ein mögliches Gespräch zwischen Schröder und Stoiber wollte Söder nicht machen. Schröder hatte die Darstellungen bestritten.

Putschversuch kurz nach der Wahl 2005

Kurz nach der Bundestagswahl 2005 soll der damalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder versucht haben, mit Hilfe von CSU-Chef Edmund Stoiber der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel den Weg ins höchste Regierungsamt zu verbauen. Dies berichtete der stern unter Berufung auf hochrangige CSU-Kreise in München. Schröder wollte laut "stern selber Kanzler bleiben, Stoiber hingegen die Führung der Union übernehmen.

Abweichend davon berichtet die "Augsburger Allgemeine", Schröder habe Stoiber vorgeschlagen, er solle Chef einer großen Koalition werden. Stoiber habe davon im kleinen Parteizirkel berichtet. Teilnehmer seien unter anderem CSU-Generalsekretär Markus Söder sowie die vier CSU-Stellvertreter gewesen.

Schröder dementiert

Der stern berichtet, Schröder habe den CSU-Vorsitzenden am Rande der "Elefantenrunde" im Fernsehen am Wahlabend angesprochen und erklärt, man solle in den nächsten Tagen miteinander reden. Der bayerische Ministerpräsident sei zunächst darauf eingegangen und habe drei Tage später einen ungenannten Abgesandten Schröders in München empfangen. Dieser habe Stoiber dann die Offerte unterbreitet, als "erster Mann der Union" in eine von Schröder geführte große Koalition einzutreten.

Der Ex-Kanzler erklärte dem stern, es habe am Wahlabend weder einen direkten Gesprächskontakt mit Stoiber gegeben noch habe er einen Emissär nach München geschickt.

In SPD-Kreisen verwiesen darauf, das die Darstellung des Putsches eine "Retourkutsche" wegen der scharfen Abrechnung in Schröders gerade erschienenen Memoiren mit Stoiber handle. In dem Buch hatte der Altkanzler Stoiber als ständigen Zauderer dargestellt und detailliert berichtet, mit welchen Vorwänden der Ministerpräsident es abgelehnt habe, als EU- Kommissionschef nach Brüssel zu wechseln. Dieses Amt war ihm gemeinsam von Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac angeboten worden. Zunächst soll Stoiber auch akzeptiert haben, sich aber dann wieder anders besonnen haben.

DPA DPA

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