Schröder/Berlusconi "Carmen" sollte Frieden stiften


Bundeskanzler Gerhard Schröder ist in Verona eingetroffen. Dort will sich der Kanzler eine Aufführung von "Carmen" ansehen. Silvio Berlusconi wollte auch in die Oper besuchen, sagte seinen Besuch aber ab.

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat bei seinem ersten Italien-Besuch nach dem Streit zwischen beiden Regierungen im Sommer die guten und stabilen deutsch-italienischen Beziehungen betont. "Es gab eine ernsthafte Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Italien ... dies soll auch nicht kleiner gemacht werden, als es wirklich war", sagte Schröder bei seiner Ankunft zum "Operngipfel" am Freitag in Verona. Die persönlichen Beziehungen zwischen dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und ihm seien aber nicht beeinträchtigt "und erst recht nicht die deutsch-italienischen Beziehungen", sagte Schröder.

Berlusconi will Demonstrationen meiden

Allerdings sagte Berlusconi die Teilnahme an dem für den Abend geplanten gemeinsamen Opernbesuch mit Schröder und EU- Kommissionspräsident Romano Prodi in letzter Minute ab. Regierungssprecher Bela Anda sagte, Berlusconi wolle die angekündigten Demonstrationen in Verona meiden. Dies habe die italienische Regierung übermittelt. Allerdings treffen sich Schröder und Berlusconi am Samstag.

Prodi hatte zunächst lediglich Schröder nach Verona eingeladen. Beide wollten am Abend gemeinsam im antiken römischen Theater von Verona "Carmen" sehen. Auf Betreiben des Bürgermeisters von Verona, Paolo Zanotto, hatte Berlusconi später seine Teilnahme am "Operngipfel" zugesagt.

"Man muss sich nicht lieben, es reicht wenn man sich respektiert"

Schröder hatte im Juli seinen Italien-Urlaub verärgert abgesagt, weil der inzwischen zurückgetretene italienische Tourismus- Staatssekretär Stefano Stefani deutsche Italien-Urlauber beschimpft hatte. Dazu sagte Schröder: "Der Urlaub und meine privaten Entscheidungen sind das eine, Staatsräson das andere." Zur deutsch- italienischen Verstimmung hatte auch der Berlusconi-Eklat im Straßburger Parlament beigetragen, als der neue EU-Ratspräsident nach seiner Antrittsrede in einem Wortwechsel den SPD-Abgeordneten Martin Schulz - mit ironischer Absicht - für eine Filmrolle als KZ-Aufseher vorschlug. "Man muss sich nicht lieben, es reicht wenn man sich respektiert", sagte Schröder in Verona zu seinem Verhältnis zu Berlusconi.

Schröder traf in Verona zunächst mit Prodi zusammen. Aktueller Hauptstreitpunkt zwischen Deutschland und Brüssel ist die Lkw-Maut. Die EU hat dazu ein Prüfverfahren wegen möglicher versteckter staatlicher Beihilfen eingeleitet. Berlin will auf jeden Fall die Maut Anfang November starten.

Bei den Gesprächen in Verona geht es auch um den Fortgang der europäischen Verfassungsdebatte. Anfang Oktober beginnt in Rom die Regierungskonferenz, die den Text endgültig verabschieden soll. Schröder warnte erneut davor, den Konvent-Entwurf noch einmal aufzuschnüren.


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