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Schwarz-gelbes Kabinett: Schäuble soll Finanzminister werden

Es ist eine faustdicke Überraschung: Der bisherige Innenminister Wolfgang Schäuble soll laut Agenturberichten neuer Finanzminister werden. Der Schwarze Sheriff geht noch einmal ins politische Feuer.

Die Nachricht ist ein Knaller. Es geht um eines der zentralen Ministerien in der neuen, schwarz-gelben Regierung, wenn nicht sogar um das wichtigste Ressort. Es geht um das Finanzministerium. Wer wurde dafür nicht alles gehandelt: Hermann-Otto Solms, der FDP-Mann, Karl-Theodor zu Guttenberg, der CSU-Shooting-Star aus Bayern, Thomas de Maizière, der Getreue der Kanzlerin. Und jetzt das: Laut Nachrichtenagentur DPA und "Rheinischer Post" soll Wolfgang Schäuble, 67, das Ressort übernehmen.

Schäuble, der CDU-Politiker, der bisherige Innenminister, Schäuble, der "Schwarze Sheriff", Schäuble, der gefallene CDU-Boss, Schäuble, der Mann, der ein Attentat überlebt hat und seitdem im Rollstuhl sitzt. Dieser Mann soll es richten, er soll noch einmal ins Feuer. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte am Freitagvormittag eine mit den Verhandlungen vertraute Person mit den Worten: "Es läuft auf Wolfgang Schäuble hinaus. Dieser hat sich in den Koalitionsverhandlungen mehrfach an entscheidenden Stellen zur Finanzpolitik eingebracht." Die Personalie wurde inzwischen mehrfach bestätigt.

Auch die Zukunft einiger weiterer Minister steht inzwischen fest: Der bisherige Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg soll neuer Verteidigungsminister werden. Das erfuhr die DPA aus der Koalitionsrunde in Berlin. Der 37-Jährige hätte sich auch fürs Innenministerium entscheiden können.

Insgesamt wird die CSU über drei Ministerposten verfügen: Neben Guttenberg geht der bisherige CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer als Verkehrsminister in das Kabinett. Agrarministerin Ilse Aigner bleibt auf ihrem Posten.

Die Union kontrolliert das Schlüsselressort

Mit der Nominierung Schäubles fürs Finanzministerium hat Angela Merkel sichergestellt, dass ein politisches Schwergewicht das heikle Ressort in schwierigen Zeiten führt - und sie hat sichergestellt, dass die Finanzen unter Federführung der Union gesteuert werden - und nicht vom Koalitionspartner FDP. Als Nachfolger des SPD-Mannes Peer Steinbrück muss Schäuble den Spagat schaffen, einerseits das klaffende Haushaltsdefizit und die sich auftürmenden Schulden zu bekämpfen - und andererseits die Steuersenkungsversprechen der schwarz-gelben Koalition halbwegs glaubwürdig einzulösen. Offen ist, wie die FDP sich dieses Zugeständnis ausgleichen lassen wird.

Mit Schäuble dürfte nun zudem eine der spannendsten Persönlichkeiten der politischen Landschaft ins Finanzministerium in der Berliner Wilhelmstraße wechseln. Wie wenig andere hat der CDU-Politiker aus Baden-Württemberg Höhen und Tiefen erlebt - ob als Innenminister der Regierung Kohl, als zentraler Verhandler der deutschen Einheit im Jahr 1990, ob als Attentatsopfer im gleichen Jahr, ob als Zögling und Kronprinz Helmut Kohls, ob als in der Parteispendenaffäre geschasster CDU-Parteichef oder als verschmähter Kandidat für das Bundespräsidentenamt - oder ob als Innenminister der ersten Regierung Merkel. Den an den Rollstuhl gefesselten Schäuble zeichnete dabei vor allem eines aus: Eine außergewöhnliche Disziplin, eine außergewöhnliche Loyalität. Beides wird er brauchen, wenn er nun erneut an eine der wichtigsten Posten in der neuen Bundesregierung rückt. Es ist ein Job mitten im Feuer.

fgü/DPA/AP/Reuters/AFP / AP / DPA / Reuters