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Schwarz-Grün in Hamburg: Ole geht, Ahlhaus kommt

Erst Mittwoch wird Ole von Beusts Nachfolger in Hamburg gewählt. Doch schon jetzt ist klar: Kandidat und Noch-Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) muss sich keine Sorgen machen. Die schwarz-grüne Ehe hält.

Von Sebastian Kemnitzer

Politiker, die aufsteigen wollen, müssen oft interne Machtkämpfe gewinnen. Der Hamburger Innensenator Christoph Ahlhaus musste einen anderen Weg beschreiten, eine Art Casting über sich ergehen lassen. Drei Stunden lang stellte sich Ahlhaus den Fragen von 350 GAL-Mitgliedern. Schon nach wenigen Minuten war klar: Ahlhaus, mit dem Image eines politischen Hardliners, hatte die Grünen weichgekocht. Der 40-Jährige versprach dem Koalitionspartner die Stadtbahn, mehr sozialen Wohnungsbau und will im nächsten Jahr am Christopher Street Day teilnehmen.

Dementsprechend unspektakulär verlief die Landesmitgliederversammlung der GAL am Wochenende. Scharfe Töne gegen Ahlhaus kamen nur von der Basis und der grünen Jugend. Sämtliche Funktionäre sprachen sich dagegen für eine Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition aus. Die Argumente waren immer wieder die gleichen: Der Koalitionsvertrag gelte weiterhin, die Grünen hätten noch genügend Projekte für den Rest der Legislaturperiode. Kämpferisch trat die Umweltsenatorin Anja Hajduk auf: "Wir müssen weiter die Anstrengung auf uns nehmen. Grüne Inhalte müssen fortgesetzt werden", rief sie den 324 Mitgliedern zu. Die stimmten nach dreistündiger Debatte mit überwältigender Mehrheit dafür, in der schwarz-grünen Koalition zu bleiben und Christoph Ahlhaus zum Bürgermeister zu wählen. Die Abgeordneten der GAL hatten im Vorfeld versichert, sich an den Beschluss der Mitglieder zu halten.

CDU-Delegierte: Strahlen bei Ole, Murmeln bei Ahlhaus

Bei der CDU tags zuvor gehörte die Bühne noch einmal Ole von Beust. Der 55-Jährige schwelgte in Vergangenheitserinnerungen. Insgesamt 32 Jahre Landespolitik hätten sein Leben geprägt, die CDU sei für ihn eine menschliche Heimat gewesen. Ole vergaß natürlich nicht, seinen größten Erfolg zu erwähnen: Das Erreichen der absoluten Mehrheit 2004. Da strahlten die Delegierten. Als Ole von Hamburg schwärmte: "Eine großartige Stadt, die unsere Liebe verdient", kannte der Applaus keine Grenzen.

Dann kam von Beusts designierter Nachfolger, Christoph Ahlhaus. Er dankte Ole erst einmal, überreichte brav zwei Abschiedsgeschenke, einen Anker und ein Navi. Die Rede: ein bisschen zu lang, nicht wirklich mitreißend. Je länger sie dauerte, desto lauter wurde das Murmeln der Delegierten. Ahlhaus versuchte gar nicht erst, einen auf Strahlemann zu machen. Das wirkte wenigstens authentisch: Ein Teamplayer möchte er sein, ein Bürgermeister zum Anfassen. Ahlhaus schloss mit einem Gruß an die SPD, die als Oppositionspartei in Umfragen weit vorne liegt: "Freut Euch nicht zu früh, jetzt beginnt die Aufholjagd."

Deutsche Meisterschaft als Traum

Locker und gelöst präsentierte sich Ahlhaus, nachdem ihn die Delegierten einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten nominiert hatten. Jetzt konnte er sich auf das wichtigere Ereignis am Samstag freuen: den Saisonauftakt des HSV. "Ein Traum von mir wäre", sagte Ahlhaus nach seiner Rede, "einen der beiden Hamburger Vereine am Ende der Saison zur deutschen Meisterschaft zu gratulieren". Als amtierender Bürgermeister der Stadt.

Von Sebastian Kemnitzer