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Sicherheitsbedenken: Sarrazin-Lesung abgesagt

Thilo Sarrazin hat mit seiner Lesereise Ärger. Seine Buchvorstellung in Hildesheim wurde aus Angst vor Protesten abgesagt. Die Bundesbank zitiert ihr Vorstandsmitglied derweil zum Ethiktest.

Wegen Sicherheitsbedenken ist eine geplante Lesung mit dem umstrittenen Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin (SPD) in Hildesheim abgesagt worden. Der Politiker, der wegen seiner Thesen zur mangelnden Integrationsbereitschaft von Ausländern im Kreuzfeuer der Kritik steht, wollte an diesem Donnerstag in Hildesheim die Lesereise zu seinem neuen Buch "Deutschland schafft sich ab" beginnen.

Michael Jens, Geschäftsführer der Buchhandlung Decius, die Sarrazin zu der Lesung eingeladen hatte, begründete die Absage am Dienstag mit Sicherheitsbedenken. Jens befürchtet Proteste am Rande der Veranstaltung.

Das Hildesheimer Bündnis gegen Rechts hatte erwogen, eine offizielle Protestkundgebung gegen die Lesung anzumelden. Sarrazin hatte mit Äußerungen zum Erbgut von Juden und Basken erneut heftige Empörung ausgelöst. "Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden." Weiter behauptet er, aufgrund der üppigen Zahlungen des deutschen Sozialstaats ziehe Deutschland eine negative Auslese von Zuwanderern an.

Abberufung Sarrazins nicht einfach

Unterdessen hat die Bundesbank ihr Vorstandsmitglied Sarrazin wegen dessen provokanten Thesen zu einem Gespräch nach Frankfurt zitiert. Das Institut wirft Sarrazin vor, mit seinen abwertenden Äußerungen dem Ansehen der Bundesbank geschadet und seine Verpflichtung gegenüber seinem Arbeitgeber missachtet zu haben. Über das Ergebnis will der Ethik-Beauftragte der Notenbank anschließend mit dem Bundesbankvorstand beraten. Eine Abberufung Sarrazins wäre in der Geschichte der Notenbank einmalig.

Experten sehen dafür jedoch hohe Hürden. "Das ist nicht so einfach möglich", sagte Joachim Vetter, der Chef des Bundes der Richterinnen und Richter der Arbeitsgerichtsbarkeit. Es müsse besondere Gründe geben. Ein solcher Schritt sei denkbar, wenn sich Sarrazin als Vorstandsmitglied etwas zuschulden kommen lasse, was sich direkt gegen den Arbeitgeber richte. Andernfalls müsste der Arbeitgeber belegen, dass er einen nachhaltigen Schaden habe.

Ein zu nachsichtiges Vorgehen

Die Rufe nach Sarrazins Entlassung werden aber immer lauter. Die Integrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) hält Sarrazin für "nicht mehr tragbar", wie sie den "Ruhr Nachrichten" sagte. "Wir haben durchaus auch viele Migranten muslimischen Glaubens, die es zu sehr guten Schulergebnissen bringen."

Der Zentralrat der Juden in Deutschland warf der Bundesbank ein zu nachsichtiges Vorgehen vor. "Die Meinung von Herrn Sarrazin hat nichts mit der Bundesbank zu tun. Daher sollte die Bundesbank auch besser nichts mit Herrn Sarrazin zu tun haben", sagte Vizepräsident Dieter Graumann dem Portal Handelsblatt Online.

mre/DPA / DPA