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Kritik an Deutscher Bank Gabriel mahnt die Jammerlappen aus Frankfurt - aber darf der das?

Sigmar Gabriel hat sich zur Situation der Deutschen Bank geäußert
Sigmar Gabriel hat sich zur Situation der Deutschen Bank geäußert
© Bernd von Jutrczenka/DPA
"Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll": Sigmar Gabriel kritisiert die Deutsche Bank als verantwortungslos. Doch darf er das eigentlich auf Auslandsreise? Gegenfrage: Warum eigentlich nicht?

Immerhin, er hat nicht Pack gesagt. Wahrscheinlich hat er es nicht einmal gedacht. Obwohl... Nein, wahrscheinlich doch nicht. Sigmar Gabriel hat es mal wieder getan. Einmal auf dem Weg in den Iran kurz ausgeholt und, zackwumm, eins in die Fresse, Herzblatt. Manchmal muss es einfach sein. Außerdem ist es ganz schön, nach all dem Ceta-Gezerre einmal so richtig die, Verzeihung, sozialdemokratische Sau rauslassen zu können.

Also hat der SPD-Chef und mutmaßliche Kanzlerkandidat die günstige Gelegenheit genutzt und es der ungeliebten Deutschen Bank so richtig reingerieben. Vordergründig als Reaktion auf die Klage von Bank-Chef John Crayn, sein angeschlagenes Institut werde momentan Opfer von Spekulanten. Hintergründig aus Prinzip und weil jetzt schon so etwas beginnt wie die Vorwahlkampfphase. Da soll man keinen Punkt vergammeln lassen, der auf der Straße liegt und leicht eingesammelt werden kann.

Klopft bloß gar nicht bei uns an

Jedenfalls hat Gabriel die Jammerlappen aus Frankfurt daran erinnert, dass sie es schließlich selbst gewesen sind, die das "Spekulantentum zum Geschäftsmodell erhoben" haben. Das ist zwar wohlfeil, deshalb aber nicht falsch. Als Kenner der Neuen Frankfurter Schule hätte Gabriel auch den weisen F.W.Bernstein mit dessen unsterblicher Erkenntnis zitieren können: "Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche."

Aber das wäre deutlich zu zartfühlend gewesen, also nicht gabrielesk genug. Zumal man bei seiner Attacke auch immer den Subtext mitverstehen sollte: Klopft bloß gar nicht bei uns an! Pardon wird nicht gegeben, Staatshilfe, um aus dem selbstverschuldeten Schlamassel zu kommen, auch nicht. Zumindest nicht schnell und nicht ohne vorherige Qualen; sollte es nötig sein, müssen erst mal Aktionäre und Gläubiger bluten, bevor wieder der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird.

Darf der das?

Bleibt nur die Frage: Darf der das? Darf ein Vizekanzler und Wirtschaftsminister auf Auslandsreise sich so weit aus dem Fenster lehnen und möglicherweise riskieren, dass der Aktienkurs der Bank weiter leidet?

Gegenfrage: Warum eigentlich nicht? Wenn die Vertreter der Großen Koalition die Verdrossenheit und die AfD weiter fördern wollen, müssen sie nur anhaltend schweigen zur Misere der Deutschen Bank. Wenn aber nicht, dann nicht. Zumal man Gabriel einiges vorwerfen kann, das aber nicht: die Banken urplötzlich als wahlkampftaugliches Feindbild entdeckt zu haben. Schon vor fünf Jahren hat er Ihnen in einem Thesenpapier unter anderem Abzockerei, Mondgehälter und Manipulationen vorgeworfen. Und dass sie dann auch noch den Staat erpressen, wenn sie in Not geraten. Dagegen sind seine aktuellen Äußerungen zartes Gesäusel.

Vor ein paar Monaten hat Gabriel selbstkritisch auf die Zeit der teuren Bankenrettung geblickt und gesagt: "Wir haben den Banken geholfen, nicht den Menschen." Das solle sich nicht wiederholen. Sigmar Gabriel ist ein wortgewaltiger Mensch. Jetzt muss er das gewaltige Wort nur noch halten.


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