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Silvana Koch-Mehrin: Die forschende Plagiatorin

Gerade erst wurde Silvana Koch-Mehrin der Doktortitel aberkannt, jetzt wird die FDP-Europaabgeordnete Vollmitglied im Forschungsausschuss des Europaparlaments. Die Grünen geizten nicht mit Häme.

Ihr Parteikollege und FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki wartet noch auf eine öffentliche Entschuldigung für die Plagiats-Affäre um ihre Doktorarbeit. Der zuständige Dekan der Universität Heidelberg bezeichnet ihre Reaktion auf die Plagiatsvorwürfe als „haltlose Verteidigungsstrategie". Und Silvana Koch-Mehrin? Sie lässt sich zum Vollmitglied im Forschungsausschuss des Europaparlaments befördern. Zuvor war die FDP-Politikerin stellvertretendes Mitglied in dem Gremium. Sie tauscht die Position mit ihrem Kollegen Jorgo Chatzimarkakis, der bislang Vollmitglied des Gremiums war. Auch er steht derzeit unter Plagiatsverdacht. Unter dem Druck der Plagiatsvorwürfe hatte Koch-Mehrin im Mai ihre Posten als Vizechefin des Europaparlaments und im FDP-Präsidium abgegeben.

Einer der wichtigsten Ausschüsse im Europaparlament

Die Politikerin scheint jedoch bereit für neue Aufgaben. Der Ausschuss, dem sie jetzt als Vollmitglied angehört, gilt als einer der wichtigsten Ausschüsse des Europäischen Parlaments. Er ist zuständig für die Industrie-, Forschungs- und Energiepolitik der Union, einschließlich Verbreitung und Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Auf ihrer Website teilte Koch-Mehrin mit, dass sie sich auch als Vollmitglied weiterhin den Themen "Digital Agenda, Informationstechnologie, Telekommunikation und Internet" widmen wolle - wie schon als stellvertretendes Mitglied des Ausschusses.

Die Grünen kommentierten die Berufung der FDP-Politikerin in den Forschungsausschuss des Europaparlaments mit Spott. "Vielleicht lernt sie da ja wissenschaftliches Arbeiten", sagte der Europaabgeordnete Sven Giegold am Donnerstag in Brüssel der Nachrichtenagentur AFP. "Dann kann sie bei der Übernahme von Änderungsvorschlägen von Lobbyisten in Zukunft Quellenangaben machen."

Koch-Mehrin sorgte immer wieder für Aufruhr

Offen blieb zunächst die Frage, welches Zeichen mit dieser Entscheidung gesetzt werden soll. Berufen ist eine Abgeordnete, die mit ihrer Dissertation die Regeln der Wissenschaft überging und im Nachhinein versuchte, die Prüfungskommission der Universität mit in die Verantwortung zu ziehen.

Im Vorfeld der Europawahl 2009 wurde Koch-Mehrin vorgeworfen, dass sie bei Ausschuss- und Plenarsitzungen im Europäischen Parlament nur selten anwesend gewesen sei. Die FDP-Politikerin bestritt die Vorwürfe, gab eine Eidesstaatliche Erklärung ab, die später merkwürdigerweise jedoch wieder aufgehoben wurde.

In Zukunft wird die Plagiatorin Koch-Mehrin über die Förderung von Forschungsprojekten innerhalb der EU mitentscheiden dürfen.

og/AFP / AFP