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SPD-Troika: Gegen "Mutti" Merkel ist es schwer

Wulff steckt in der Krise - aber nicht Kanzlerin Merkel. Ihre Umfragewerte sind sogar gestiegen. Was kann die SPD gegen sie ausrichten? Derzeit nichts.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Man sollte den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel nicht als politischen Hasenfuß schelten, weil er es ablehnt, jetzt schon Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Kampfruf anzumachen: Diese Frau muss weg, weg, weg... spätestens 2013. Denn diese Frau hat diverse Vorteile anzubieten, die bei den deutschen Wählern Ansehen und Gewicht besitzen.

Erstens: Sie ist die "Mutti" der Nation, kommt zumindest so daher wie Millionen andere deutsche Muttis. Im braven Kostüm, selten auffälligen Schnickschnack an Fingern oder Hals. Macht Wanderurlaube, und wenn schon Ausland, dann muss Südtirol genügen.

Zweitens: Sie ist "Miss Europa". Macht sie das denn nicht fabelhaft, wie sie die offenbar niemals endenden europäischen Gipfeltreffen absolviert, Küsschen links, Küsschen rechts? Selbst ein politischer Obermacho wie Sarkozy kuscht und wagt es nicht, sie zu fragen, weshalb bei der Gipfelei nichts herauskommt außer der Merkels dauerhafter Mahnung: Wir Deutschen geben nichts, ihr Griechen, Italiener und Spanier, ihr müsst endlich mal sparen. Das kennen wir im Prinzip bisher nur von unseren weltbekannten schwäbischen Hausfrauen. Natürlich ließe sich Merkels Euro-Rettungspolitik unter Berufung auf ökonomische Lehrsätze harsch mit dem Argument angreifen, dass nur mit Sparen Europa niemals gesunden wird, weil dann das Wachstum ausbleibt. Noch geht es den Deutschen ja in Sachen Wachstum ganz passabel, aber der Abwärtstrend kündigt sich auch hierzulande bereits an. Aber wer will schon einen Wahlkampf führen mit mikro- und makroökonomischen Lehrsätzen? Zumal die SPD keine Chance besitzt, auf den europäischen Gipfeln soliden deutschen Eindruck zu machen?

Drei gegen Eine

Drittens: Diese Kanzlerin, so bieder-solide-brav, passt doch wie maßgeschneidert als Kontrapunkt in unsere politische Kultur, die von so schrägen Figuren wie Karl Theodor zu Guttenberg und Christian Wulff geprägt wird. Jetzt auch noch 'nen Kanzler oder 'ne Kanzlerin diesen Zuschnitts? Man müsste auswandern. Also finden wir Deutschen, wie die Umfragen uns bestätigen, unsere staatspolitisch grundsolide Gouvernante Angela lieber ganz gut. In der üblichen politischen Kulturlandschaft ist sie unter dem Gesichtspunkt der Seriosität geradezu eine Strahlefrau.

Viertens: Wer ihr machtpolitisch richtig ans Leder gehen will, riskiert einiges - zumindest den Vorwurf der machtpolitischen Arroganz. Und dies zumal, wenn auf der Gegenseite gleich drei (!) ausgewachsene SPD-Machos aufmarschieren. Drei Jungs gegen ein Mädchen? Das werden nicht nur die schwäbischen, sondern alle deutschen Hausfrauen ziemlich unfair finden. So was macht man doch nicht, ihr albernen Troikaner, drei gegen eine!

Stützen und schwächen

Kein Wunder, dass sich die SPD unter diesen strategischen Rahmenbedingungen schwer tut auf der Suche nach einem Wahlkampfkonzept gegen diese Kanzlerin. Zusätzlich wird dies erschwert durch die Tatsache, dass die SPD, als sie noch bei "Mutti" mitre-gieren durfte, innenpolitisch stets brav gemacht hat, was diese wollte. Sie war doch, nur ein Beispiel, für die Rente 67, diese SPD. Es wirkt unglaubwürdig, wenn man alles für falsch erklärt, was man gestern noch als richtig bejubelte. Das schränkte die Wahlprogrammatik stark ein.

Kein Wunder, dass die Herren Gabriel, Steinmeier und Steinbrück sich zunächst einmal bis nach der niedersächsischen Landtagswahl 2013 aneinander klammern wollen. Doch indem drei Männer sich als Friede-Freude-Troika aneinander lehnen, vermitteln sie nicht den Eindruck, der gewieften Machtpolitikerin Merkel, die männliche Konkurrenten schon im Dutzend ausgebootet hat, auch nur annähernd gewachsen zu sein. Denn die drei Genossen stützen sich nicht nur, sie belauern sich im Hintergrund auch, und ihre unterschiedlichen Hilfstruppen bekriegen sich hinter den Parteikulissen. Jeder aus dem Trio übt sich mal mit ein paar Trippelschrittchen in die eine oder andere Richtung. Mit dieser verdeckten Konkurrenz, die man den Bürgern als Solidarität im Kampf ums Kanzleramt verkaufen will, schwächt man sich letzten Endes, denn eine eindeutige Führungsfigur wird nicht erkennbar.