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SPD versus EU Warum Schmidt Menthol-Kippen bunkert


Er ist ein großer Freund Europas - aber nicht jeder EU-Richtlinie. Altkanzler Schmidt hat zigtausend Reyno-Zigaretten gehortet, sein Wannabe-Nachfolger Steinbrück 100 Glühbirnen. Verständlich.
Von Hans Peter Schütz und Lutz Kinkel

Wir sorgen uns um unseren Altkanzler. Glaubt er etwa, seinen 100. Geburtstag nicht mehr erleben zu dürfen? Oder will er sich auf seine alten Tage nochmal neu erfinden und von seinem Markenzeichen, der ewig glühenden Reyno-Kippe, lassen?

Fakt ist: Der Altkanzler hat in seinem Haus in Hamburg-Langenhorn 38.000 Menthol-Fluppen gebunkert, 200 Stangen der Marke Reyno. Die reichen - einen täglichen Verbrauch von 40 Stück unterstellt - noch knapp drei Jahre. Danach ist Schicht. Zumindest in Schmidts Keller. Es bleiben: kalte Asche und heiße Sehnsucht.

Auslöser von Schmidts Hamsterkauf war die Europäische Union. Die Gesundheitsminister der Mitgliedsländer haben sich darauf geeinigt, aromatisierte Zigaretten zu verbieten. Zwar hat das Brüsseler Parlament die entsprechende Richtlinie noch nicht verabschiedet - aber die Reyno steht definitiv auf der Shitlist. Irgendwann, vielleicht 2015, vielleicht auch erst 2018 ist das Kraut nicht mehr im Handel zu finden.

Will Merkel Schmidt vertreiben?

Das ist natürlich - und da hat Peer Steinbrück Recht, der über die Vorratshaltung des Altkanzlers berichtet hat - eine "Anmaßung von Kompetenzen". Und eine brutale Attacke auf Schmidt. Einen Mann, dessen Auftritte uns wehmütig an die Zeiten denken lassen, als es im Kanzleramt noch gekracht hat - und nicht so gedämpft müde zugeht wie unter Angela Merkel. Einen Mann, der sich in TV-Studios und auf Parteitagen souverän über jedes Rauchverbot hinweg gesetzt hat. Der überall die Botschaft vermittelte: Es gibt die SPD noch, jedenfalls so lange sich Kerle wie er zu ihr bekennen.

Man könnte fast auf die Idee kommen, die EU betreibe die Tabakrichtlinie auf geheimen Befehl Merkels. Gegen die überall erlaubte Sauferei von Schnaps macht sie nicht mobil. Auch nicht gegen gesundheitsschädliche Autoabgase. Aber gegen Reyno-Kippen. Vermutlich will sie den Altkanzler vertreiben. Um sich Nachschub zu besorgen und weiter zu qualmen, müsste er nicht allzu ferner Zukunft nach Moskau fliegen. Oder auf die Antillen. So entledigt sie sich eines populären Widersachers.

Glühlampen und Lichtblicke

Peer Steinbrück übrigens, der von Schmidt zum Kanzlerkandidaten geadelt wurde, hamstert auch. Einhundert spezielle französische Glühbirnen habe er eingelagert, verriet Steinbrück. Weil er nicht wisse, ob sie in fünf Jahren noch bekomme. Die EU hat schließlich auch das verboten - die gute, alte Glühlampe. Und die kann Steinbrück, sind wir mal ehrlich, gut gebrauchen. Womöglich verhelfen sie ihm zu politischen Lichtblicken, die er bisher hat vermissen lassen.


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