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Steinmeier spendet Ehefrau eine Niere Votum für die Liebste


SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier nimmt eine Auszeit von der Politik, um seiner schwer kranken Frau Elke eine Niere zu spenden. Für ihn eine Selbstverständlichkeit
Von Hans Peter Schütz

Ich war schon sehr verliebt," hat Elke Büdenbender heute vor einem Jahr dem stern verraten, als sie gefragt wurde, wie es denn gewesen sei in jenen Tagen an der Universität in Gießen, als sie und ihr Frank-Walter Steinmeier verliebt aufeinander zugingen. Lange bevor sie 1995 heirateten.

Worüber weder sie noch ihr Mann jemals ein Wort öffentlich verraten haben: Dass diese Liebe schon damals hoch belastbar gewesen sein muss. Denn beide wussten, dass eines Tages ein gravierendes Problem auf sie zukommen könnte - Elke Büdenbenders Nierenleiden. Anzeichen dafür, dass das Organ irgendwann nicht mehr fähig sein könnte, ihren Körper ausreichend zu entgiften, waren schon damals erkennbar.

"Papa wohnt im Büro"

Öffentlich geredet haben sie darüber natürlich nicht. All die seit ihrer Heirat vergangenen Jahre waren sie darum bemüht, ihr Privatleben aus der Politik herauszuhalten. Zu Interviews war Elke Büdenbender so gut wie nie bereit. Auch zur Plauderstunde auf der TV-Couch von Johannes B. Kerner kam sie nur, weil ihr Mann unterwegs war als SPD-Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl 2009. Selbst viele Genossen erlebten die Lebensgefährtin ihres Spitzenkandidaten zum ersten Mal live, als er auf einem Parteitag nach dem Rücktritt von Kurt Beck zum SPD-Vorsitzenden gekürt wurde.

Sein Familienleben schützte das Paar in jeder Phase seiner Ehe. Frank-Walter Steinmeier gehört ohnehin zu den Menschen, die sich konsequent so sehr hinter ihrem Ansehen und ihren Ämtern verbergen, dass sie als Privatperson so gut wie unbekannt sind. Als die ein Jahr nach der Heirat geborene Tochter Merrit, heute ein Teenager, noch kleiner war, sah man den Vater zuweilen mit ihr auf den Schultern durch Hannover eilen. Und gerne begleitete er die Tochter auch zum Unterricht auf den Reithof. Fotografen allerdings blieben ausgesperrt aus diesem Familienleben. Es waren eher Zufallsinformationen, die das Steinmeiersche Familienleben bekannt machten. So plapperte Klein-Merrit einmal auf die Frage "Wo ist denn dein Papa" fröhlich los: "Papa wohnt im Büro." Dort hat er sich seinen Ruf als Aktenfresser verdient.

Der Beruf hatte immer Vorrang

Elke Büdenbender wiederum führte ebenfalls ein nach außen sehr abgeschottetes Leben. "Man hat kein Privatleben mehr, wenn man rausgeht," verteidigte sie ihre Zurückhaltung. Zu groß schien der temperamentvollen, lebenslustigen Frau, als die ihre Kollegen sie bei ihrer halbtägigen Arbeit als Richterin für Sozialrecht am Berliner Verwaltungsgericht kennen lernten, die Gefahr, ihrem Mann den politischen Alltag zu vermasseln.

Einiges ist dennoch bekannt geworden: Zum Beispiel, dass das Ehepaar stets hart seine Chance verteidigte, wenigstens als Familie zusammen zu frühstücken. Gemeinsames Kochen gibt es nicht. Wenn Frank-Walter den Kochlöffel schwang, verzog seine Elke sich bislang lieber zu einem Glas Wein ins Wohnzimmer. Den Namen Steinmeier hatte sie nach der Hochzeit nicht annehmen wollen. Zum zehnten Hochzeitstag wollte sie ihm die Annahme seines Familiennamens schenken. Doch ausgerechnet da wurde er Außenminister der Großen Koalition und seine Frau wollte sich nun nicht dem Verdacht aussetzen, "mir fremde Federn anzustecken".

Steinmeier setzt sich selbst auf Spenderliste

So trat dann eine Elke Büdenbender ohne Doppelnamen auf einer Veranstaltung im Berlin-Kreuzberger Ballhaus auf, zu der eigentlich ein Frank-Walter Steinmeier angekündigt war. Der wurde SPD-intern durch eine heiße Debatte über die Erbschaftssteuer aufgehalten. Stattdessen trat seine Frau ans Mikrofon mit dem Manuskript seiner Rede in der Hand und sagte: "Ich als Außenminister..." Hinterher waren alle Zuhörer hin und weg. Viel besser sei es gewesen, als wenn Steinmeier selbst geredet hätte.

Die Nierenkrankheit, so erzählen gute Freunde des Ehepaars, hatte sich schon vor einigen Monaten massiv zurückgemeldet. Die Frage sei gewesen: Vier Mal die Woche zur Dialyse, zu dieser mühseligen Blutwäsche oder Nierentransplantation?

Wer über die Spenderliste zu einer neuen Niere kommen möchte, muss mit fünf bis sechs Jahren Wartezeit rechnen. Frank-Walter Steinmeier hat sich daher selbst auf die Spenderliste für seine Frau gesetzt. Vielleicht hätte er auch seine Beziehungen spielen lassen können, um die Wartezeit zu verkürzen. Doch das hat er nicht getan und sich stattdessen an erster Stelle eingereiht. Er liebt seine Elke.

P.S.: Steinmeiers Entscheidung: Tabuthema oder Selbstverständlichkeit? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook!


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