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Heißer Stuhl Impfgegner Marcus Fuchs bei "stern TV" – seine Aussagen im Faktencheck

Heißer Stuhl: Impfgegner bei stern TV
Sehen Sie im Video: Querdenker Marcus Fuchs beantwortet bei Stern TV Fragen auf dem "Heißen Stuhl".
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Marcus Fuchs ist ein führender Querdenker in Dresden. Am Sonntag saß er bei "stern TV" auf dem "Heißen Stuhl". Er behauptet, dass Ungeimpfte besser vor Omikron geschützt sind. Ein Faktencheck.

Am Sonntagabend präsentierten die Moderatoren Frauke Ludowig und Nikolaus Blome ein altbekanntes Format: den "Heißen Stuhl". Darauf platziert wird ein Gast, der eine provokante These vertritt und die mit weiteren Gästen debattiert werden soll. Zu Gast auf dem "Heißen Stuhl" war Marcus Fuchs, Impfgegner und führende Figur der "Querdenker"-Bewegung in Dresden. Er selbst ist ungeimpft. Auf die Frage, ob er der Gesellschaft eine Impfung schulde, antwortete Fuchs: "Die Impfung schützt nachweislich weder vor Ansteckung, noch vor Übertragung, noch vor Tod." Daher stelle sich die Frage, inwiefern eine Impfpflicht gerechtfertigt sei. Fuchs behauptete daraufhin, dass Ungeimpfte sogar besser vor Omikron geschützt seien als Geimpfte und bezog sich hierbei auf Zahlen des RKI.

Falsche Zahlen des RKI

Das Faktenchecker-Team von RTL und stern hat die Aussage von Marcus Fuchs überprüft – und widerlegt. Experte Tobias Hamelmann sagt: "In seiner Aussage, dass Ungeimpfte ein geringeres Risiko haben, sich mit Omikron zu infizieren, bezieht sich Fuchs auf eine falsche Zahl des RKI, die mittlerweile korrigiert wurde. Geimpfte haben ein höheres Risiko sich mit Omikron zu infizieren – im Vergleich zu Delta! Bei geboosterten Geimpften ist das Risiko, sich mit Omikron zu infizieren, eindeutig geringer als bei Ungeimpften."

Die Zahlen, auf die sich Fuchs bezieht, stammen aus dem RKI-Wochenbericht vom 30. Dezember. Darin wurde mitgeteilt, dass 4.020 von 4.205 Omikron-Fälle, bei denen der Impfstatus bekannt sei, vollständig gegen das Coronavirus geimpft gewesen seien. Das entspricht fast 96 Prozent. Lediglich 186 der positiven Fälle seien ungeimpft gewesen. Die Zahlen wurden auch in den sozialen Netzwerken geteilt und diskutiert. So behauptete etwa die Gruppe "Freie Sachsen" auf Facebook, die Omikron-Variante befalle "jetzt sogar gezielt Geimpfte".

Das RKI teilte nun mit, dass die Zahlen auf falschen Berechnungen beruhen. Die Daten wurden am 3. Januar berichtigt. Demnach wurden nicht 186, sondern 1.097 Infizierte als ungeimpft gemeldet. Der Anteil der mit Omikron infizierten Ungeimpften liegt demnach nicht bei 4, sondern bei 21 Prozent. In seinem aktuellsten Wochenbericht weist das RKI allerdings darauf hin, dass die Zahl der Infizierten auch unter Geimpften und Genesenen in den kommenden Wochen steigt.

Wirksamkeit der Impfung gegen Omikron noch nicht abschließend geklärt

"Erste Studien deuten auf einen geringeren Anteil an Hospitalisierten im Vergleich zu Infektionen mit der Deltavariante bei Infizierten mit vollständiger Impfung bzw. Auffrischimpfung hin. Für eine abschließende Bewertung der Schwere der Erkrankungen durch die Omikronvariante ist die Datenlage aber noch nicht ausreichend", heißt es in dem Bericht. Zudem verweist das RKI darauf, dass alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe "nach derzeitigem Erkenntnisstand" sowohl nach der Grundimmunisierung als auch nach der Auffrischung in den meisten Fällen wirksam gegen einen schweren Krankheitsverlauf schützen.

Laut aktuellem Stand liegen 2857 Menschen zwischen 18 und 59 Jahren wegen eine Corona-Infetion im Krankenhaus. 961 von ihnen gelten als vollständig geimpft. das entspricht knapp 34 Prozent. Die Mehrzahl, also zwei Drittel, der im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten in dieser Altersgruppe ist demnach ungeimpft. Allerdings sei die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Omikronvariante "noch nicht endgültig zu beurteilen".

Studiendaten gefälscht?

In seinem Redebeitrag behauptete Marcus Fuchs zudem, dass Zahlen der Zulassungsstudie von Pfizer manipuliert worden seien. Tatsächlich hatte eine Regionaldirektorin der "Ventavia Research Group", einem Sub-Unternehmen aus Texas (USA), das für Pfizer Covid-Studien durchgeführt hat, Vorwürfe gegen die Studie erhoben. In der Fachzeitschrift "British Medical Journal" schrieb sie, dass die Daten aus dem Herbst 2020 gefälscht und Patienten "entblindet" worden sein sollen. Das heißt: Den Probanden der Studie soll zu früh mitgeteilt worden sein, ob sie mit dem tatsächlichen Präparat oder einem Placebo geimpft wurden. Das hätte die Berichte über mögliche Nebenwirkungen und die Wirkung der Impfung beeinflusst.

Mittlerweile sind Hunderte Millionen Menschen geimpft. An der Studie nahmen dagegen rund 44.000 Personen an 150 Standorten weltweit teil. Rund 1000 waren Probanden der Ventavia-Studie. Sie machen also nur einen Bruchteil der Gesamtgeimpften aus. Das Unternehmen hat bei der Studie zwar unsauber mit den klinischen Daten gearbeitet. Medizinische Konsequenzen haben sich jedoch nicht daraus ergeben.

Auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat sich zu dem Vorfall geäußert. Auch sie kam zu dem Schluss, dass "die festgestellten Mängel die Qualität und Vollständigkeit der Daten aus der Hauptstudie von Comirnaty nicht gefährden und keinen Einfluss auf die Nutzen-Risiko-Bewertung oder auf die Schlussfolgerungen zur Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität des Impfstoffs haben".

Quellen: RTL, Correctiv, RKI Wochenbericht

cl

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