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stern-Umfrage: 16 Prozent - FDP räumt ab

Wären jetzt Bundestagswahlen, bekäme die FDP 16 Prozent - das ist der höchste Wert, den Forsa jemals für diese Partei gemessen hat. Und damit sei das Potential der Liberalen noch nicht ausgeschöpft, sagt Forsa-Chef Güllner zu stern.de. Finster sieht es dagegen bei CDU und SPD aus.

Die Landtagswahl in Hessen war ein Fest für die FDP. Sie erzielte 16,2 Prozent - ein sensationell hohes Ergebnis. Allerdings glaubten die meisten Beobachter, dieses Ergebnis sei zum größten Teil den spezifisch hessischen Verhältnissen geschuldet - bürgerliche Wähler hätten die FDP gewählt, weil sie mit Ministerpräsident Roland Koch (CDU) unzufrieden seien. Doch diese These greift offenbar zu kurz. Denn die FDP legt auch im Bund kräftig zu.

In der jüngsten Forsa-Umfrage im Auftrag des stern liegt die FDP bei 16 Prozent - das ist der höchste Wert, den das Meinungsforschungsinstitut jemals für die Liberalen gemessen hat. Und damit hat die Partei ihr Potential noch lange nicht ausgeschöpft. Derzeit könnten sich 35 Prozent der Bundesbürger vorstellen, die Liberalen zu wählen, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner im "Café Einstein" zu stern.de. Für die Wahlentscheidung bei der Bundestagswahl im September bedeute dies: "Wenn die FDP weiter attraktiv bleibt, dann sind 18 Prozent - das ehrgeizige Ziel, das sie 2002 mal gehabt hat - durchaus erreichbar." Die FDP habe sich als Alternative im bürgerlichen Lager profiliert.

SPD und Union verlieren

Finster sieht es hingegen bei den großen Volksparteien CDU/CSU und SPD aus. Die Union streitet derzeit heftig über ihr wirtschaftspolitisches Profil, enttäuschte Anhänger wandern - wie zuletzt in Bayern und Hessen geschehen - zur FDP ab. Laut Forsa verliert die Union einen Prozentpunkt gegenüber der Vorwoche und liegt nun bei 35 Prozent. Noch schlechter schneidet die SPD ab: Sie büßt zwei Prozentpunkte ein und steht nun, wie zu Zeiten von Kurt Beck, bei 22 Prozent. Güllner hält die aktuellen SPD-Werte für eine Spätfolge der missglückten Manöver der ehemaligen hessischen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti. "Die Menschen nehmen der SPD übel, dass niemand aus der Führung dieser verrückten Ypsilanti in die Arme gefallen ist", sagt der Forsa-Chef.

Finanzminister Peer Steinbrück und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, die beide hohe Sympathiewerte genießen, schaffen es nicht, das Image der SPD entscheidend zu verbessern. Das läge daran, dass sie vor allem als Funktionsträger wahrgenommen würden, erläutert Güllner: Steinmeier als Außenminister, Steinbrück als Finanzminister. Bei Steinbrück kommt das Spezialproblem hinzu, dass er nicht mit der SPD identifiziert wird - "sondern eher als Adlatus von Frau Merkel", sagt Güllner.

Leichtes Plus für Linke und Grüne

Neben der FDP können auch die anderen beiden kleinen Parteien Zugewinne verbuchen - allerdings weit geringere. Die Linkspartei legt um 1 Prozentpunkt auf 12 Prozent zu, die Grünen gewinnen ebenfalls einen 1 Prozentpunkt und stehen jetzt bei 10 Prozent. Dieser Trend scheint einmal mehr eine alte Redensart der Politik zu bestätigen: Eine Große Koalition macht große Parteien klein und kleine Parteien groß.

uj/lk/mw