HOME

stern-Umfrage: Mehrheit lehnt Linksbündnisse ab

Keine Lust auf Experimente: 60 Prozent der Deutschen lehnen Koalitionen zwischen SPD, Grünen und Linkspartei ab. Dass die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti eine rot-rot-grüne Kooperation anstrebt, schadet ihrer Partei. Der aktuellen Forsa-Umfrage zufolge verharrt die SPD im 20-Prozent-Keller.

Rot-rot-grüne Koalitionen wären in Deutschland aufgrund der Mehrheitsverhältnisse machbar - sowohl in Hessen als auch im Bundestag. Sie sind aber unpopulär. Der aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des stern zufolge lehnen 60 Prozent der Bundesbürger solche Koalitionen ab. Nur 29 Prozent finden sie gut. Vor allem in Westdeutschland gebe es "starke Vorbehalte" gegen die Linkspartei, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner im "Café Einstein", dem Web-TV-Interview von stern.de. Ein Grund dafür sei das Personal der Linkspartei im Westen. "Hier sind viele, die über die WASG in die Linke kamen, ich sag es mal etwas flapsig, stadtbekannte Querulanten."

Selbst die Anhänger der SPD sind mehrheitlich gegen Bündnisse mit der Linkspartei. 53 Prozent lehnen sie ab, 41 Prozent sind dafür. Wähler der Grünen und der Linkspartei haben diese Bauchschmerzen nicht. Sie plädieren überwiegend für rot-rot-grüne Koalitionen. Dass das Lager der Linkspartei Regierungsbeteilungen favorisiert, erstaunt Forsa-Chef Güllner nicht. "Die sind ja nicht die idealistische Partei, als die sie sich selbst manchmal darstellen und auch dargestellt werden" sagte er im stern.de-Interview. "Die sehen eine Macht-Perspektive." In Ostdeutschland regiert die Linkspartei bereits in vielen Kommunen und auf Landesebene mit.

In Hessen steht keine rot-rot-grüne Koaltion zur Debatte, aber eine rot-grüne Minderheitsregierung, die von der Linkspartei toleriert werden soll. Laut Güllner wird dieser Vorstoß "von der Mehrheit der Menschen nicht für richtig befunden." Deswegen schade der Plan der SPD - "wieder einmal". Den Forsa-Daten zufolge verharrt die Sozialdemokraten bei der "Sonntagsfrage" auf dem historischen Tief von 20 Prozent. Die SPD liegt damit 17 Punkte hinter der Union, die wie in der Vorwoche 37 Prozent erreicht. Die FDP verbesserte sich um 1 Punkt auf 13 Prozent. Die Werte für die Linkspartei (14 Prozent) und Grüne (11 Prozent) änderten sich nicht.

Die Hoffnung vieler Sozialdemokraten, dass ein Comeback Franz Münteferings die Partei aus dem Umfragetief herausholen könnte, teilt Güllner nicht. Müntefering sei nie ein "Wählermagnet" gewesen. Erst in seiner letzten Phase, als er gegen Parteichef Kurt Beck opponiert habe, habe er Profil gewinnen können.

Dass Müntefering seine Ämter aufgab, um seine kranke Frau zu pflegen, habe ihm außerdem viele Sympathien eingetragen. Doch damit sind nach Güllners Ansicht die inhaltlichen Probleme der SPD noch lange nicht gelöst. "Ein Müntefering macht sozusagen noch keinen Vertrauensschub für die SPD", sagte der Meinungsforscher. "Da darf man auch Franz Müntefering nicht überfordern."

mw/lk