stern-Umfrage Seehofer verliert rapide an Vertrauen


Es läuft derzeit nicht gut für Horst Seehofer. Erst stirbt Quelle und jetzt ergibt eine stern-Umfrage: Der CSU-Chef hat in der Bevölkerung viel Vertrauen verspielt.

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer verliert bei den Wählern dramatisch an Vertrauen. Wie eine Forsa-Umfrage für den stern zeigt, vertrauen nur 41 Prozent der Deutschen Seehofer – das sind 4 Prozentpunkte weniger als noch bei der jüngsten Vertrauensumfrage des stern Anfang Juli. Schon bei der Bundestagswahl verloren der bayerische Ministerpräsident und seine Partei stark an Stimmen und politischem Gewicht in der Bundespolitik.

Das Umfrageergebnis ist ein weiterer Beleg dafür, dass populistische Politik nicht immer zieht. Seehofer hatte im Wahlkampf versucht, mit populären Themen wie Steuersenkungen Stimmen und Beliebtheit zu gewinnen. So hatte er erst am Montag verkündet, dass die Regierung spätestens 2011 Steuern senken werde. Am Dienstag gab es dann einen Rückschlag für Seehofer. Das Fürther Versandhaus Quelle, für dessen 50 Millionen Euro schwere Unterstützungsaktion sich der bayerische Ministerpräsident stark gemacht hatte, ist endgültig am Ende. Sein CSU-Konkurrent Karl-Theodor zu Guttenberg hatte sich gegen den Massekredit, das dem Versandhaus den Winterkatalog sicherte, ausgesprochen. Das Endergebnis gibt Guttenberg Recht.

Auch CSU-Anhänger wenden sich ab

Besonders bitter für den CSU-Chef ist, dass ihm vor allem die eigene Gefolgschaft das Vertrauen entzieht: Bei den eigenen Anhängern erzielte Seehofer mit 49 Prozent (minus 7 Prozentpunkte) den schlechtesten Wert aller zwölf abgefragten Politiker. "Mittlerweile muss in Zweifel gezogen werden, ob Seehofer die CSU aus den aktuellen Schwierigkeiten herausführen kann", sagte Forsa-Chef Manfred Güllner.

Einen genauso hohen Vertrauensverlust wie Seehofer musste in der Umfrage nur Wolfgang Schäuble (CDU) hinnehmen. Der Innenminister fiel ebenfalls um 4 Prozent, rangiert mit 43 Prozent aber noch vor Seehofer.

Die meisten Deutschen (66 Prozent) vertrauen nach wie vor Bundeskanzlerin Angela Merkel, gefolgt von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Seehofers innerparteilichem Konkurrenten vertrauen 63 Prozent der Befragten und damit 2 Prozent mehr als noch im Juli. Platz drei hält Frank-Walter Steinmeier, der mit 52 Prozent noch deutliche sieben Prozentpunkte vor dem nächsten Sozialdemokraten, dem designierten SPD-Chef Sigmar Gabriel, rangiert. Bei den SPD-Anhängern liegt Steinmeier mit 68 Prozent sogar 11 Punkte vor Gabriel.

Der künftige Vizekanzler Guido Westerwelle genießt laut Umfrage unverändert das Vertrauen von 46 Prozent der Deutschen. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hat dagegen mit 42 Prozent einen Prozentpunkt verloren. Schlusslicht des Rankings bildet Oskar Lafontaine von der Linkspartei, dem nur 28 Prozent der Befragten ihr Vertrauen schenken.

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