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Tagebuch einer Castor-Polizistin, Tag 3 Warten auf den Zug


Mehr als 16.000 Polizisten sind im Einsatz, um den Transport der Castor-Behälter mit radioaktivem Müll ins niedersächsische Gorleben zu schützen. Für stern.de berichtet Polizeikommissarin Sarah Respondek von dem Großeinsatz. Ihre Erlebnisse des dritten Tages.
Von Sarah Respondek, Lüneburg

Tag 1 - Der erste Castor-Einsatz

Gestern Abend war die 52. Einsatzhundertschaft noch bei der Demonstration in der Lüneburger Innenstadt eingesetzt. Etwa 1000 Personen zogen vom Bahnhof auf den Ochsenmarkt. Ich habe im Fahrzeug in unmittelbarer Nähe des Marktes gesessen, um den Einsatzverlauf für meine Hundertschaft zu dokumentieren. Im Einsatzfahrzeug konnte ich zwar nicht direkt auf die Menschenmasse blicken, konnte sie jedoch deutlich hören. In solchen Momenten ist meine Arbeit zwar interessant, aber gedanklich bin ich auch bei meinen Kollegen, die am Rande der Demonstration stehen und jederzeit mit Störungen rechnen müssen. Die Demonstration verlief aber glücklicherweise friedlich. Gegen 22 Uhr verlegten wir von der Lüneburger Innenstadt auf das Kasernengelände, wo ich noch gegessen und an einem Briefing teilgenommen habe. Es war schon Mitternacht, als ich endlich meinen Einsatzanzug ablegen und schlafen gehen konnte.

Eines der ersten Gesprächsthemen nach dem Aufstehen am Samstag war natürlich, wo der Zug sich inzwischen befindet und welche Verzögerung die Störungen mit sich bringen. Für uns Einsatzkräfte bedeutet jede Verzögerung schließlich auch, dass wir länger im Einsatz sind und erst später zu unseren Familie zurückkehren .

Dann nahmen die Teilkräfte unserer Hundertschaft wieder ihre Aufträge in unserem Einsatzraum wahr, während Teilkräfte unserer Einheit sich für die kommende Nacht ausruhen, in der der Castor-Transportzug durch unser Einsatzgebiet rollen soll. Dann werden wir alle an der Strecke zu finden sein.

Mein Hundertschaftsführer und unsere Führungsgruppe fuhren nachmittags in den Einsatzraum. Hier waren wir zu einer Einsatzabstimmung bei unseren benachbarten Kollegen der Bundespolizei in Unterlüß. Vor Ort treffen wir zufällig auf den Präsidenten der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt, Herrn Joachim Franklin, der gerade seine Mitarbeiter besuchte. Ich bin gespannt darauf was mich noch diese Nacht erwartet, in der sich die Nachtruhe sicher kurz gestaltet. Morgen werde ich sicher mal einen Blick auf den Castor-Transport werfen können.


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