Terror-Prozess "Atta war psychisch gestört"


Im Prozess gegen den mutmaßlichen Terror-Helfer Mounir al Motassadeq haben nun die Nachbarn von Mohammed Atta ausgesagt - ernst genommen haben sie den Todespiloten offenbar nicht.

Im Hamburger Terrorprozess um die Anschläge vom 11. September 2001 hat eine frühere Nachbarin den Todespiloten Mohammed Atta als "psychisch gestört" beschrieben. "Für mich lebte er in einer anderen Welt, er wirkte kommunikationsgestört", sagte die Zeugin am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht. Gemeinsam mit ihrem iranischen Ehemann hatte die Frau bis kurz nach den Anschlägen im Haus neben Atta in der Marienstraße in Hamburg-Harburg gewohnt.

Durch Küssen versucht zu provozieren

Außer Atta habe sie auch die späteren Selbstmordattentäter Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah häufiger auf der Straße gesehen, sowie den inzwischen untergetauchten Terrorverdächtigen Said Bahaji. Ebenfalls sei ihr Mounir al Motassadeq aufgefallen, der als mutmaßlicher Terrorhelfer in Hamburg vor Gericht steht und in der Attas Nachbarschaft wohnte. Atta, mutmaßlicher Kopf der Terrorgruppe, habe nicht bedrohlich, sondern abweisend, verschlossen und verstockt gewirkt. Ihr Mann habe sich einen Spaß daraus gemacht, den streng gläubigen Muslim durch das Tragen kurzer Hosen oder Küssen in der Öffentlichkeit zu provozieren.

Daneben hat die bereits angezweifelte Glaubwürdigkeit eines Gastwirts durch zwei Aussagen weiter gelitten. Der Mann soll die Behörden wenige Monate vor dem 11. September 2001 vor den Anschlägen gewarnt haben. Im Oktober hatte er vor dem OLG gesagt, dass die Todespiloten sowie Motassadeq sich in seinem Restaurant getroffen und die Flugzeugattacken auf die USA angedeutet hätten. Der 42-jährige habe daraufhin die Polizei gerufen und weitere Behörden alarmiert.

Die jetzt gehörten Zeugen konnten diese Aussage jedoch nicht bestätigen. Ihren Angaben zufolge haben sie das Treffen der Terrorverdächtigen sowie den Polizeieinsatz in seinem Restaurant miterlebt. Schon bei der ersten Vernehmung des wegen Betrugs vorbestraften Gastwirts hatten Richter und Verteidiger massive Skepsis an den Behauptungen geäußert.

Dem Angeklagten Motassadeq werden Beihilfe zum Mord sowie die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. In einem ersten Prozess war der Marokkaner zu 15 Jahren Haft verurteilt worden, doch hatte der Bundesgerichtshof das Urteil aufgehoben.

DPA DPA

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