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Themar Thüringen verbietet Rechtsrock-Festival – der Grund sind aber nicht die Nazis

Neonazis auf einer Festivalwiese
An dem Rechtsrock-Festival in Themar nahmen 2017 über 6000 Neonazis teil
© Bodo Schackow / DPA
Auch in diesem Jahr wollten sich tausende Nazis in Themar zu einem Festival treffen. Das Landratsamt hat das Konzert nun aber verboten. Das Problem sind allerdings nicht die Rechtsextremen.

Im Juli 2017 hatten sich rund 6000 Anhänger der rechten Szene aus dem In- und Ausland im südthüringischen Themar zum Rechtsrock-Festival "Rock gegen Überfremdung" getroffen. Die Bilder von Hitlergrüßen gingen anschließend durch die Medien, die Polizei griff zunächst nicht ein. Am 8. und 9. Juni sollte das Festival am gleichen Ort auch in diesem Jahr stattfinden.

Doch dazu wird es nicht kommen. Thüringische Behörden haben das Festival untersagt. Als Grund dafür nannten sie aber nicht den Auflauf von Rechtsextremen. Vielmehr fällt das Konzert der Brut und Aufzucht streng geschützter Vögel zum Opfer.

Das Landratsamt Hildburghausen bezog sich dabei auf Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes. Wie Landrat Thomas Müller (CDU) dem Fernsehsender MDR sagte, handele es sich um das Blaukehlchen, die Bekassine, den Uhu und den Wanderfalken. Sie alle hätten ihre Brutstätten direkt an der Wiese, auf der das Konzert stattfinden sollte, und würden durch den Lärm und die Menschenmassen erheblich gestört werden.

Rechte Konzerte in Thüringen nehmen zu

Laut einer Statistik der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (Mobit) fanden im vergangenen Jahr 59 rechtsextreme Musikveranstaltungen in Thüringen statt – das waren fünf mehr als im Vorjahr. "Es gab letztes Jahr aus Sicht der Veranstalter erfolgreiche Veranstaltungen mit mehreren tausend Teilnehmern und jetzt haben auch andere erkannt, dass man ähnliche Veranstaltungen machen kann", sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) dem MDR.

Die Veranstalter des Festivals in Themar können gegen das Verbot gerichtlich vorgehen, die Chancen sind jedoch gering. Schon größere Konzertevents scheiterten an Naturschutzbestimmungen, selbst ein Weltstar wie Ed Sheeran musste seinen geplanten Auftritt in Essen-Mülheim nach Düsseldorf verlegen. In seinem Fall ging es um brütende Feldlerchen, die für das Konzert umgesiedelt werden sollten.

epp

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